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Wo Meisterin und Meister Adebar schöner wohnen

Die Feuerwehr brachte am Samstag das Storchennest im Dennli auf Vordermann. So sollen jedoch nicht besonders reinliche Störche angelockt werden. Vielmehr gilt es ein Unglück wie jenes im letzten Jahr zu verhindern.

Kleine Erdbrocken wirbeln rund um den Storchenhorst durch die Luft. Feuerwehrmann Adrian Lanz steht zuoberst auf der Leiter und macht sich mit einem Spaten ans Werk. Erst hat er es mit blossen Händen versucht. Doch ein Heim, das drei Jahre lang nicht geputzt wurde, erfordert gröberes Werkzeug.

Denn Laub, Äste und Dreck ­haben sich zu einer solch kompakten Masse verwoben, dass inzwischen gar Pflanzen darauf wachsen. Immer wieder schickt Adrian Lanz mit dem Handy Fotos des Horsts nach unten. Auf einem ist eine Holzplatte zu sehen, die unter der Erde zum Vorschein kommt. «Woher die wohl stammt?», fragt sich Hanspeter Bühler, ehemaliger Biologie­lehrer und Vogelkenner. «Also ich habe sie sicher nicht hochgebracht», meint Alfred Howald, der den Horst im Dennli vor drei Jahren aufgebaut hat. Er habe damals nur ein Wagenrad auf dem Mast befestigt. Das muss wohl das Storchenpaar selbst gewesen sein, sind sie sich einig.

Umzug auf die Natelantenne

Und auf die Rückkehr dieses Paars hoffen die beiden sehnlichst. Das Nest jedenfalls wartet nun frisch geputzt auf die zwei Störche. Nicht dass es Störche besonders gerne reinlich mögen. Der verfrühte Frühlingsputz hat einen ganz anderen Grund. «Wenn das Nest zu kompakt ist, kann das Wasser nicht abfliessen», sagt Howald. So bestehe die Gefahr, dass die Jungen ertränken. Ein solcher Verlust wäre für das Storchenpaar bereits der zweite Schicksalsschlag.

Denn schon im letzten Frühling verloren sie ihren Nachwuchs. Damals schlüpften die Jungen Anfang Mai. Danach folgte ein Kälteeinbruch, den die noch ungefiederten Störche nicht überlebten. Nach diesem tragischen Ereignis zog das Storchenpaar um. Auf einer Natelantenne unweit vom ursprüng­lichen Heim baute es einen neuen Horst.

Erst bestand Hoffnung auf erneuten Nachwuchs. Hanspeter Bühler zeigt ein Foto, auf dem Meisterin und Meister Adebar zu sehen sind. «Schaut mal, wie die miteinander schäkern», sagt er und lacht. Doch war es im Juni wohl bereits zu spät dafür. Denn die Brutzeit dauert gut dreissig Tage. Bis die Jungen flügge sind, braucht es weitere zwei bis drei Monate. Das wäre dann frühestens im September der Fall gewesen. Den Flug Richtung Süden treten die Jungstörche jedoch bereits im August an, einen Monat früher als die älteren Störche.

Die Heimkehr der Störche

Jetzt ist es aber bereits wieder Zeit für den Rückflug Richtung Norden. «Sie könnten heute noch kommen», sagt Alfred Howald. Und dass sie in ihr altes Heim ­zurückkehren würden, sei wahrscheinlich, meint er. In ihre Zweitwohnung auf der Natelantenne jedenfalls können sie nicht mehr einziehen. Denn diese wurde in der Zwischenzeit abgerissen.

«Wahrscheinlich hat der Betreiber den Horst runtergeholt», vermutet Howald. So bleibt die Hoffnung, dass es in diesem Jahr junge Störche gibt. Wie im Frühling 2015: Damals brütete das Storchenpaar erstmals im Dennli. Wenig später schlüpften die ersten Langenthaler Störche seit hundert Jahren.

Einer davon gab besonders zu reden: Jungstorch Fredi. «Den haben sie nach mir benannt», sagt Alfred Howald mit Stolz. Fredi war einer von elf Jungstörchen in der Schweiz, die mit einem Sender versehen wurden. Dieser Datenlogger speichert alle zwanzig Minuten den Aufenthaltsort der Vögel und sendet mehrmals täglich über das Handynetz ein Ortungssignal. Doch zeigte sich seither eine traurige Bilanz: Neun der elf Senderstörche kamen um oder sind verschollen. Denn die Flugroute in den Süden birgt ­viele Gefahren. Kollisionen mit Stromleitungen, Autos oder Zügen kosten viele das Leben. So sind nur Lotte und Fredi noch am Leben.

Fredi ist in Toledo

Alfred Howald verfolgt die Flugroute seines Namensvetters aufmerksam. Momentan sei er auf einer Müllhalde in Toledo, südlich von Madrid, sagt er. Denn heute fliegen viele Störche im Winter nur noch bis Spanien (siehe Box). Nach Langenthal zurückgekehrt ist Fredi bislang noch nie.

Den vergangenen Sommer verbrachte er in Deutschland und in Nordostfrankreich, wie Hanspeter Bühler in einem Artikel im «Turmfalken» schreibt, der Zeitschrift des Berner Vogelschutzes. »Weil Fredi noch nicht geschlechtsreif ist, wird er weitere zwei bis drei Jahre als Junggeselle herumstreifen», so Bühler. Wo er danach sesshaft werde, sei derzeit aber noch schwer vorhersehbar.

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