Zufällig jung

Niederönz

Der neue Gemeinderat Niederönz beweist, dass auch Jüngere für die Lokalpolitik eingespannt werden können. Noch wichtiger erscheint dem 32-jährigen Präsidenten jedoch der höhere Frauenanteil.

Hier sind Jungpolitiker die Norm: Daniel Beck (l.), Gemeindepräsident, und Michael Häusl, Gemeinderat.

Hier sind Jungpolitiker die Norm: Daniel Beck (l.), Gemeindepräsident, und Michael Häusl, Gemeinderat.

(Bild: Adrian Moser)

Giannis Mavris@MavrisGiannis

Die Politik leide an Überalterung, heisst es oft. Zumindest damit hat man in Niederönz kein Problem: Mit dem neuen Rat, der an der Gemeindeversammlung im Dezember gewählt wurde, sind vier der fünf Exekutivmitglieder zwischen 1983 und 1988 geboren. Damit ziehen sie den Durchschnitt in der Lokalpolitik gehörig nach unten. Wie hat Niederönz geschafft, was andere nicht können?

«Dass jetzt noch einmal zwei Junge dabei sind, ist meiner Meinung nach eher Zufall», sagt Gemeindepräsident Daniel Beck (32). Auf jeden Fall sei nicht gezielt danach gesucht worden, als sich im letzten Jahr zwei Demissionen abzeichneten. Dabei erwies sich auch in Niederönz das Auffinden von Personen, die sich in der Lokalpolitik engagieren möchten, nicht gerade als simple Angelegenheit. «Wir mussten relativ lange suchen», so Beck. Nach vielen persönlichen Anschriften und einigen Hausbesuchen konnten dann letztlich zwei Kandidaten verpflichtet werden.

Neue Ideen

Einer davon war Michael Häusl (30). «Ich wusste schon relativ früh, dass ich mich zur Verfügung stellen würde», so Häusl, der sich von Natur aus als politisch interessiert bezeichnet. Ausschlaggebend sei für ihn ein Apéro gewesen, das der Gemeinderat im Vorfeld organisiert hatte, um potenziellen Interessenten die Arbeit im Rat vorzustellen. «Was mir vor allem zusagte, ist, dass es in der Gemeinde keine Parteien gibt», sagt Häusl. Er selber sei in keiner Partei, und ein Parteibuch sei auf Gemeindeebene mit ihrer Sachpolitik seiner Meinung nach ohnehin nicht ausschlaggebend.

 «Was mir vor allem zusagte, ist, dass es in der Gemeinde keine Parteien gibt.»Michael Häusl, Gemeinderat

Hat es aber generell gesprochen überhaupt Vorteile, ein vergleichsweise junges Gremium zu haben? Häusl ist der Meinung, dass neue Ideen einfliessen und festgefahrene Situationen einfacher gelöst werden können. «Aber die erste Sitzung kommt ja erst noch», sagt er und lacht.

Der andere Blick

«Ich gehe nicht davon aus, dass die Politik künftig markant anders sein wird», sagt indes Beck. Er habe sich vor der letzten Gemeindeversammlung betreffend die sich abzeichnende Verjüngung schon einige Gedanken darüber gemacht. Es liege in der Natur der Sache, dass halt gewisse Erfahrungswerte fehlen würden. Dennoch rechne er nicht mit grossen Veränderungen.

Ohnehin scheint dem Gemeindepräsidenten ein anderer Aspekt wichtiger: «Was ich doch sehr begrüsse, ist, dass wir jetzt zumindest eine zweite Frau im Gemeinderat haben.» Bisher war es nur eine einzige. Neben Andrea Maltauro (33), die zusammen mit Beck vor vier Jahren in den Gemeinderat gewählt wurde, ist nun auch Sabrina Moor (35) neu Mitglied der Exekutive. Von der künftig besseren Durchmischung versprechen sich Beck und Häusl einen anderen Blick auf die Ratsgeschäfte. Kommt hinzu, dass Moor in der Lokalpolitik bereits Erfahrungen gesammelt hat, war sie doch an ihrem früheren Wohnort Graben schon im Gemeinderat aktiv.

Dass sich die heutige Konstellation nicht ewig halten wird, ist für Beck absehbar. «Wir werden ja auch nicht jünger», sagt er und lacht. In vier Jahren seien wieder Wahlen, vielleicht gebe es dann Wechsel im Gremium. Da könne der Altersdurchschnitt schnell wieder hochschnellen. Die wirkliche Herausforderung sei es ohnehin, überhaupt Leute für einen Einsatz zu motivieren. Die Arbeit, die Familie – viele hätten keine Zeit für zusätzliche Aufgaben, so Beck: «Ich kann das natürlich begreifen.» Ein Amt bringe jedoch viele Vorteile mit sich, das versuche er immer zu vermitteln, und der zeitliche Aufwand sei auch zu bewältigen. «Man lernt kommunizieren, verhandeln, Ziele erreichen: Der Nutzen ist immens, beruflich wie auch privat», sagt Beck. Auch wenn man manchmal einstecken müsse.

«Man lernt als Gemeinderat kommunizieren, verhandeln, Ziele erreichen: Der Nutzen ist immens, beruflich wie auch privat.»Daniel Beck, Gemeindepräsident

Keine Alternative

Was wäre denn die Alternative? Wenn man nicht genügend Leute zusammenbringe, sei die Eigenständigkeit der Gemeinde gefährdet, so der Präsident. Niederönz sei personell wie finanziell zwar gut aufgestellt, aber wer wisse schon, was die Zukunft bringe. Die Unabhängigkeit und die Eigenständigkeit aufzugeben, wäre ein hochemotionaler Schritt, darin sind sich Daniel Beck und Michael Häusl einig. Auch sie selber bezeichnen sich als sehr verbunden mit dem Ort. Es bleibe also nichts anderes übrig, als sich weiterhin dafür einzusetzen, nachfolgende Generationen für den Dienst an die Allgemeinheit einzubinden.

Und was sagt eigentlich Gemeinderat Daniel Kuster dazu, dass er nun der Älteste im Fünfergremium ist? «Er nahm es mit Humor», sagt Beck und lacht. Zumal er mit seinen 49 Jahren ja auch nicht gerade zum alten Eisen gehöre.

Berner Zeitung

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