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Zugvögel brechen immer später auf

Wärmere Winter haben auch Auswirkungen auf die hiesige Tierwelt: Zugvögel bleiben länger in unseren ­Breitengraden. Deswegen braucht man sich um die Tiere aber kaum Sorgen zu machen.

Béatrice und Peter Dällenbach sind von den Distanzen, welche Zugvögel zurücklegen, fasziniert.
Béatrice und Peter Dällenbach sind von den Distanzen, welche Zugvögel zurücklegen, fasziniert.
Olaf Nörrenberg

Der Herbst ist mittlerweile auch in unseren Gefilden angekommen. Und mit ihm lässt sich am Himmel ein alljährlich stattfindendes Naturwunder beobachten: Die Zugvögel sammeln sich in ihren Schwärmen und treten die Reise in ihr wärmeres Winterlager an. Doch für die Beobachtung der Züge braucht es ein aufmerksames Auge. Denn die eindrücklichen Schwärme werden immer seltener und treten von Jahr zu Jahr später auf.

«Es ist tatsächlich so, dass die Zugvögel wegen der warmen Temperaturen immer später ­ziehen», sagt Peter Dällenbach, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Niederbipp (NVV). Einige Tiere bleiben sogar ganz, sie werden den sogenannten Teilziehern zugeordnet.

Dazu gehören beispielsweise die Amsel, das Rotkehlchen und der Buchfink. «Solange der Boden nicht gefriert, finden die Insektenfresser auch bei uns im Winter genügend Nahrung», weiss Peter Dällenbach und sagt weiter, «es gibt auch Vögel, die von Skandinavien zu uns ziehen, um zu überwintern.»

Vögel zählen

Am 30. September und am 1. Oktober sind die Internationalen Zugvogeltage. Auch der Natur- und Vogelschutzverein Niederbipp organisiert dafür einen Event: Auf dem «Güggu» können Zugvögel auf ihrer Reise gen Süden beobachtet werden. Die Besucher werden zudem über das Naturspektakel informiert. «Wir hoffen, dieses Mal mehr Vögel als im vergangenen Jahr zu beobachten», sagt Béatrice Dällenbach, Sekretärin des Vereins.

Letztes Jahr gabs aufgrund des schlechten Wetters kaum etwas zu sehen, ungefähr 300 Vögel waren zu beobachten. Diese Zahl leitet der NVV – wie andere Vereine auch – am Internationalen Zugvogeltag bis um 16 Uhr an Birdlife, eine der grössten Naturschutzorganisationen im ganzen Land, weiter. Dafür werden den Vogelliebhabern Artenlisten zur Verfügung gestellt. Auf dieser sind über 200 Arten eingetragen.

Doch wie wird das schwierige Unterfangen, die Vögel innerhalb des riesigen Schwarmes zu zählen, angegangen? «Wir machen Zehnergruppen und multiplizieren diese», erklärt Peter Dällenbach. Es handle sich jeweils um ungefähre Schätzungen, aber anders könne eine Evaluierung der fliegenden Tiere nicht durchgeführt werden.

«2010 war ein tolles Jahr», erinnert sich Béatrice Dällenbach. Damals konnte der Verein am Internationalen Zugvogeltag in Niederbipp 28 Arten und über 1500 Vögel beobachten.

Landung auf Schulter

Doch wie hat das Paar seine Faszination für die fliegenden Tiere entdeckt? «Ich ging mal auf eine Exkursion des ehemaligen Ornithologischen Vereins mit und bin dann gleich hängen geblieben», so Peter Dällenbach. «Und ich bin wegen dir dazugekommen», ergänzt seine Frau mit einem Lachen. Insbesondere die grossen Schwärme faszinieren das Ehepaar immer wieder aufs Neue. «Manchmal kann ich gar nicht mehr aufhören mit Schauen», sagt die Niederbipperin.

Es sei schon imposant, welche Strecken die Tiere innerhalb kürzester Zeit zurücklegen könnten. So fliegen Kurzstreckenzieher pro Tag rund 50 Kilometer. Lang­streckenzieher schaffen gar bis zu 70 Kilometer. Einige Vögel, so zum Beispiel die Rauchschwalbe, ziehen für ihr Winterquartier bis nach Südafrika.

Ihr gefallen vor allem die im­posanten Greifer, die auch zu den Zugvögel gehören. Er hat schon die eine oder andere spezielle Erfahrung mit Zugvögeln gemacht. So kam es während eines Militärdienstes im Gotthardgebiet zu einer Begegnung mit einem stattlichen Schwarm von Rauchschwalben, die sich im Frühjahr auf dem Rückflug befanden. «Die Vögel waren derart kaputt, dass einer sogar auf der Schulter eines Kollegen landete», erzählt er.

Gefahren ausgesetzt

«Im Mittelmeerraum werden Zugvögel gejagt. Teils zum Spass, aber auch zum Verzehr», sagt Béatrice Dällenbach. Über vier Millionen Zugvögel fallen jährlich der Jagd zum Opfer. Als besonders grausam gelten Leimruten, an denen die Vögel qualvoll ver­enden. Auch die vermehrte Überwinterung von Tieren auf Müllhalden ist laut Peter Dällenbach alles andere als ideal: «Es könnte ja Gift im Abfall enthalten sein.» Gemeinsam mit den rund dreissig anderen Vereinsmitgliedern wollen Dällenbachs die Menschen über das Naturschauspiel in­formieren und auch auf die Gefahren, denen sich Zugvögel auf ihrer langen Reise aussetzen, hinweisen.

Beobachtungsstände:Sonntag, 1. Oktober, 9 bis 15 Uhr, auf dem «Güggu» Niederbipp. Sonntag, 1. Oktober, 9 bis 16 Uhr, Eingang zum Naturschutzgebiet «Alte Kiesgrube» an der Strasse nach Wolfwil, Schwarzhäusern (div. regionale ­Vogelschutzvereine).

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