Bönigen

100 Millionen Franken für eine modernere Werkstätte

BönigenDie BLS konzentriert die sogenannt schwere Instandhaltung ihrer Züge und Lokomotiven in Bönigen. Bis 2025 investiert das Bahnunternehmen dafür 100 Millionen Franken.

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Anfang 2019 starten die Bauarbeiten für die Modernisierung und den Ausbau der BLS-Werkstätte in Bönigen. Das Bahnunternehmen investiert dafür rund 100 Millionen Franken. Während der siebenjährigen Bauzeit bleibt die Werkstätte in Betrieb.

Ab 2025 werden dann sämtliche Arbeiten für die sogenannt schwere Instandhaltung der Züge am Standort im Oberland konzentriert. Revisionen und grössere Reparaturen werden künftig nur noch in Bönigen durchgeführt. Am Mittwoch informierte die BLS die Anwohner über die Bauarbeiten, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Die BLS baut demnach mehrere neue Gebäude. Auf dem bestehenden Areal entstehen eine neue Triebdrehgestell- und Radsatzhalle sowie ein neues Technikgebäude. Saniert wird die Schiebebühne, auf der die Fahrzeuge zwischen den Gebäuden verschoben werden.

Im weiteren baut die BLS eine neue Halle mit Gleisanschluss, in der sie 105 Meter lange Triebzüge instandhalten kann. Büroräume, Garderoben und der Empfang werden in einem neuen Verwaltungsgebäude angesiedelt. Bereits gebaut und seit Herbst 2017 in Betrieb ist eine neue Drehgestell- und eine neue Produktionshalle.

Nebst der Werkstätte Bönigen modernisiert die BLS derzeit auch die Werkstätte Spiez. Damit stärke das Unternehmen seine Präsenz im Berner Oberland langfristig, heisst es in der Mitteilung weiter. In Spiez sollen künftig ausschliesslich Wartungsarbeiten, kleine Reparaturen und die Reinigung durchgeführt werden.

Eine solche Werkstatt für Instandhaltungsarbeiten plant die BLS auch im Westen von Bern. Die umstrittene Standortfrage ist noch nicht definitiv entschieden. Derzeit liegt der Ball bei der Eidgenossenschaft. Das Bundesamt für Verkehr koordiniert die Arbeiten in einem Sachplanverfahren. Dieses dauert bis circa Ende 2018.

Die BLS lud am Mittwoch die Anwohner der Werkstätte Bönigen zur Orientierung über ihre Bauvorhaben ein. Gemeindepräsident Herbert Seiler freute sich für seine Gemeinde, dass die BLS in Bönigen bleibt. Sie sei die drittgrösste Arbeitgeberin auf dem Bödeli, stellte Peter Fankhauser, Leiter Bahnproduktion BLS, in seiner Begrüssung fest.

Das Berner Bahnunternehmen fährt jetzt für den Unterhalt seines Rollmaterials definitiv eine 3-Standort-Strategie. Nicht ganz freiwillig: Eine Konzentration auf einen neuen Standort in Berns Westen erwies sich als kaum realisierbar.

Im Bahnhof Spiez und an einem neuen Standort in Bern (die Aebimatt wird für den Ausbau des Bahnhofs Bern gebraucht) wird künftig die sogenannte leichte Instandhaltung inklusive Reinigung durchgeführt. Bönigen wird der einzige Standort für die schwere Instandhaltung. «Dies bedeutet Revisionen, Reparaturen und Refitting des Rollmaterials», sagte Armin Lederer, Leiter «Schwere Instandhaltung».

Wenig Emissionen

Bönigen bot sich dafür an, weil die Erweiterung des Areals möglich ist. Es sollen westlich der bisherigen Anlage 2,6 Hektar Landwirtschaftland eingezont werden. Der regionale Richtplan muss entsprechend geändert werden. Die Gespräche mit der Burgergemeinde Bönigen als Landbesitzerin laufen.

Für die leichte Instandhaltung ist der Standort nicht geeignet, denn er ist weit weg von den S-Bahn-Strecken der BLS, und das Schienennetz ins Oberland ist sehr dicht belegt. Die schwere Installation bedeutet, das ging aus Antworten auf Fragen von Anwesenden hervor, wenig Zugverkehr und sehr selten Nacht- oder Sonntagsarbeit. Als grösstes Bauwerk soll eine 3700 Quadratmeter grosse Halle für 105-Meter-Zugkompositionen mit neuen Zufahrtsgleisen gebaut werden.

Der Halle steht die Garage der Grindelwald Bus AG im Moos im Weg. Sie wird abgerissen und ersetzt. Inklusive dieser Garage plant die BLS ­sieben Neubauten, darunter ein Verwaltungs-, ein Technik- und ein Malereigebäude. Die Kosten belaufen sich auf rund hundert Millionen Franken.

Leuchtende Halle

Bereits gebaut sind eine Montage- und eine Drehgestellhalle, die durch helle Fassaden und helle Riesensatteldächer auffallen. Zuerst waren nur provisorische Bauten geplant, um Engpässe während des Werkstattumbaus in Spiez zu vermeiden. Jetzt sind sie ins neue Werkstättenkonzept integriert. Dass die Lüftung der Drehgestellhalle manchmal laut sei, sagte Lederer, sei auf «Kinderkrankheiten» des Neubaus zurückzuführen.

Ebenso werde das Lichtmanagement noch überdacht. Wegen des Baustoffs Polycarbonat leuchtet die Halle manchmal nachts. Peter Fankhauser versteht, dass Anwohnern, denen die künftigen Anlagen den Blick auf den Abendberg verbauen, die Anordnung der Gebäude ändern möchten.

Aktuell sucht die BLS einen Generalplaner. Im Terminplan steht die Sanierung der Schiebebühne an erster Stelle, denn das Terrain senkt sich ab. 2025 soll die Werkstätte Bönigen bereit für die Zukunft der BLS sein, auf deren Netz jährlich 60 Millionen Bahnpassagiere unterwegs sind. Die Tendenz ist vor allem im S-Bahn-Netz ­steigend. (mb/sda)

Erstellt: 13.09.2018, 11:00 Uhr

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