Als Pilot und Fotograf auf der Axalp den Tod fanden

Am 18. April 1968 fand der preisgekrönte ­Aviatikfotograf Ernst Saxer bei einem Fototermin den Tod. Der Luzerner wurde am Axalphorn von Teilen eines herab­stürzenden Jets getroffen.

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Mit einem Klick zum richtigen Zeitpunkt katapultierte sich 1967 der gelernte Grafiker und Bildhauer Ernst Saxer in die Reihe der weltbesten Pressefotografen. Sein Foto mit den vier Hunter-Kampfflugzeugen der Schweizer Luftwaffe, die im Senkrechtflug vor einem Alpengipfel emporschnellen, wurde von der World Press Photo Foundation zum zweitbesten Pressefoto des Jahres 1967 gewählt und ging in der Folge um die ganze Welt.

Der gebürtige Krienser flog während vier Jahren selber im Überwachungsgeschwader, bekleidete im Militär den Grad des Oberleutnants und gehörte beim Orientierungslauf zur schweizerischen Elite.

Absturz und neuer Rekord

Mit viel Glück entkam Saxer im Frühjahr 1960 schon mal dem Tod, als er mit Emil Wick in Nepal für die Schweizer Erstbesteigung des Dhaulagiri im Einsatz war. Kurz nach dem Start ihres einmotorigen Prototyps riss plötzlich der Steuerknüppel, die Maschine wurde unkontrollierbar und stürzte mehrere Hundert Meter ab.

Die beiden Piloten konnten sich aus eigener Kraft beinahe unverletzt aus dem Wrack befreien, schwebten aber in grosser Lebensgefahr, da sie sich nicht an diese Höhe akklimatisiert hatten.

Fotoaufnahmen für ein Buch

Saxer gehörte längst zu den renommierten Pressefotografen seiner Zeit, und die Schweizer Luftwaffe wurde bewundert. Der Buchautor Peter Brotschi aus Grenchen erklärt: «Die Patrouille Suisse flog von 1964 bis 1967 24 Vorführungen und erfreute sich zunehmender Beliebtheit.»

Für Saxers Werk «Die Flugwaffen der Welt» wurde am 18. April 1968 auf der Axalp ein Fototermin mit der Patrouille Suisse vereinbart. Hauptmann Paul Birrer befahl seiner Staffel gegen Mittag, nach Abschluss der Übung wieder in Meiringen zu landen, währenddessen er noch einige Einzelübungen fliegen werde.

Saxer stand auf dem Axalp­horn, exponiert auf einer schroff nach drei Seiten abfallenden Krete. Bei Birrers dritter Passage im Steigflug über den 2312 Meter hohen Berg kam es zur verhängnisvollen Kollision.

Auf Schneehalde geschleudert

Der Hunter befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks in einer offensichtlich zu spät eingeleiteten Aufrichtbewegung. Vermutlich flog die Maschine im Steigflug von 30 bis 50 Grad direkt gegen die Sonne und touchierte den Felsgrat unmittelbar vor dem Standort von Saxer, der von Teilen des Kampfjets tödlich am Kopf getroffen auf die Schneehalde am Südabhang des Axalphorns geschleudert wurde.

Das Flugzeug ging in einem Feuerball auf, stieg über die Krete des Axalp­horns empor und stürzte brennend ab, wobei der Pilot den sofortigen Tod fand. Gemäss dem Flugunfalluntersuchungsbericht der Armee könnte der Pilot von der Sonne geblendet worden sein.

Peter Brotschi, der in seinem Buch «Gebrochene Flügel» alle Flugunfälle der Schweizer Luftwaffe genauestens recherchiert hat, blickt zurück: «Man muss sich vor Augen halten, dass in dieser Zeit des Kalten Krieges sehr viele militärische Flug­unfälle geschahen. Im Jahr zuvor gab es sechs Abstürze mit Kampfjets, und nach diesem Unfall an der Axalp, der grosse Aufmerksamkeit erregte, verunglückten nochmals vier Piloten tödlich.»

Tafel zum Gedenken an Opfer

Bislang sind bei fliegerischen Übungen auf dem Fliegerschiessplatz Axalp/Ebenfluh acht Angehörige der Armee verunglückt und ums Leben gekommen. «Jeder Unfall war ein Drama für sich. Danach gab es interne Diskus­sionen um den Fortbestand der Patrouille Suisse», weiss Brotschi, «doch dann übernahm Rudolf Läubli, der spätere Brigadier, und der Verband flog im selben Jahr noch fünf Vorführungen.»

Zur Erinnerung der tödlich verunglückten Piloten ist am Kommandohaus auf der Axalp auf Initiative von Angehörigen der Verunglückten eine Gedenktafel angebracht. (Berner Oberländer)

Erstellt: 18.04.2018, 10:11 Uhr

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