Matten

Auf dem Skywalk zum Rugen?

MattenSkywalk heisst das neueste Projekt des bekannten Herbergiers Erich Balmer. Zusammen mit der Frutiger Firma Swissrope plant er eine Hängebrücke zwischen Heimwehfluh und Rugen.

Die geplante Hängebrücke Skywalk aus Sicht von der Heimwehfluh aus über die Wagnerenschlucht zum Kleinen Rugen.

Die geplante Hängebrücke Skywalk aus Sicht von der Heimwehfluh aus über die Wagnerenschlucht zum Kleinen Rugen. Bild: zvg

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Eigentlich klingt es zunächst wie ein guter Aprilscherz. Doch Erich Balmer ist es nicht ums Scherzen. Der Mattner Herbergier macht sich Sorgen um die touristische Zukunft auf dem Bödeli. Denn hier, am Rugen, plant der Verband der Schweizer Hartsteinbrüche auf einer Fläche von rund 200'000 Quadratmetern einen Schotterabbau unter anderem für Trassees der Eisenbahn (siehe Infobox).

Aber Balmer wäre nicht Balmer, wenn er keine Idee hätte, wenn er sich nicht für sein geliebtes Berner Oberland engagieren würde. Der innovative Touristiker, 2010 mit dem Milestone für sein Lebenswerk ausgezeichnet, wurde vor vier Jahren von Swissrope kontaktiert.

Die Frutiger Firma gilt als Spezialistin für Hängebrücken und Seilbahnen. Und schon bald darauf war das Projekt Skywalk für eine spektakuläre Hängebrücke zwischen der Heimwehfluh und dem Ringweg-Pavillon am Kleinen Rugen geboren.

Ungewöhnliche Konstruktion

«Es würde die längste Hängebrücke dieser Art der Welt», sagt Theo Lauber, Geschäftsführer von Swissrope. 505 Meter lang bis zu 75 Meter hoch, 80 Tonnen schwer – und zudem beeindruckt das geplante Bauwerk mit einer für Hängebrücken ungewöhnlichen Konstruktion. Es sind vor allem drei Merkmale, mit denen Theo Lauber für «seine» Hängebrücken wirbt.

Schmieden touristische Pläne (v. l.): Theo und Kevin Lauber von der Frutiger Firma Swissrope sowie der Mattner Herbergier Erich Balmer. Bild: Bruno Petroni

Erstens ermöglichen dickere Seile aus verzinktem Stahl eine grössere Spannung und damit mehr Stabilität. Zweitens dämpft Laubers patentierte Erfindung die vertikalen Bewegungen. Und drittens ist die Brücke – im vergleich etwa zu jener in Sigriswil – aus der Ferne kaum sichtbar, da statt Blechwänden ein feines Netz aus Edelstahl verwendet wird – was sie übrigens auch für Wind weniger angreifbar macht.

Als weitere Vorteile bezeichnet Theo Lauber auch die Bautechnik an den beiden Endpunkten. «Die je acht Zuganker bohren wir bis zu rund 20 Meter vertikal in den Boden. So können wir bei der Verankerung auf Betonfundamente fast ganz verzichten.» Die Bauzeit vom Spatenstich bis zur Einweihung schätzt Lauber auf rund vier Monate, die kosten auf 3 Millionen Franken.

«Phänomenale Aussicht»

Apropos Kosten: Um die Finanzierung zu sichern, soll nun zuerst eine Interessengemeinschaft gegründet werden, danach voraussichtlich eine Betreiber-GmbH. Als Geldgeber stelle man sich vor allem Privatpersonen vor, sagt Erich Balmer. Und als Einnahmequelle sei eine Benützungsgebühr – für hin und zurück – von fünf Franken geplant.

«Die Aussicht von der Brücke wäre phänomenal – aufs Bödeli, auf Harder, auf beide Seen und auf Eiger, Mönch und Jungfrau.»Erich Balmer

Der Businessplan rechnet laut Balmer mit «einigen Zehntausend Besuchern pro Jahr». «Es soll eine ganzjährige Attraktion sowohl für Touristen als auch für Einheimische werden.» Um den Privatverkehr einzugrenzen, sei ein Shuttlebusservice vorgesehen. «Die Aussicht von der ­Brücke», so schwärmt er schon heute, «wäre phänomenal – aufs Bödeli, auf Harder, auf beide Seen und auf Eiger, Mönch und Jungfrau.»

Gespräche mit Landbesitzern

Bevor es aber so weit ist, warten noch einige Hürden auf das Projekt. Mit dem Besitzer der Heimwehfluh und mit Mattens Gemeindepräsident wurden zwar schon Gespräche geführt.

Doch nun gilt es auch alle anderen Grundeigentümer zu überzeugen – Kanton, VBS und Forst. Balmer selber verfügt mit der Outdoor AG ebenfalls über Land, über das die Brücke führen soll. Und dann sind da noch die Naturschutzorganisationen wie Pro Natura und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.

«Ich habe volles Verständnis dafür, dass alle zuerst möglichst viele Details kennen wollen», sagt Erich Balmer. «Nur so können wir gemeinsam eine Lösung finden.» Und ganz Berufsoptimist fügt er an: «Man sollte nie etwas für unmöglich halten. Es ist höchste Zeit, dass auf dem Bödeli touristisch wieder mal etwas geht.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 21.03.2017, 09:58 Uhr

Der Steinbruch am Rugen liegt zurzeit auf Eis

Die Aufregung war gross, als diese Zeitung im Juli 2014 die Pläne eines Steinbruchs am Rugen publik machte. Auf 200'000 Quadratmetern sollten jährlich 300'000 Tonnen Hartschotter abgebaut werden. Hartschotter wird unter anderem für die Trassees der Eisenbahn benötigt. Es droht schweizweit ein Engpass, da die bestehenden Steinbrüche in Schutzggebieten sind und nicht erweitert werden dürfen.

Insgesamt 34 mögliche Standorte für Hartsteinbrüche prüfte eine vom Bund eingesetzte Arbeitsgruppe. Am Ende nannte die Studie drei geeignete Gebiete schweizweit. Neben dem Rugen waren dies Attinghausen (Uri) und Kandergrund. Nach ­genaueren Abklärungen fiel auch Kandergrund aus den ­Traktanden.

«Ob in den betreffenden Gebieten tatsächlich Hartsteinbrüche realisiert werden können, hängt letztlich von der konkreten Planung und der notwendigen Akzeptanz bei den Betroffenen ab», so der Bericht. «Die bestehenden ordentlichen Verfahren werden zudem nicht ersetzt.»

Im Oberland formierte sich Widerstand gegen den Rugen­steinbruch. Im November 2014 strich schliesslich die Regionalkonferenz Oberland-Ost das Projekt aus der Zwischenrevision des Abbau- und Deponierichtplans.

Vom Tisch ist der Steinbruch damit aber nicht. Mithilfe einer kantonalen Überbauungsordnung könnte der Kanton den Steinbruch auch gegen den Willen der Region durchsetzen. Wie er das jüngst im Fall der Deponie Eyacher in der Gemeinde Thierachern getan hatte.

«Zurzeit herrscht Planungsstillstand», erklärt Daniel Wachter, Vorstehter des Amtes für Gemeinden und Raumordnung. «Die Region hat das ­Projekt abgelehnt, und der Regierungsrat sieht im Moment ­keinen Grund, das nicht zu akzeptieren.» (sgg)

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