Oberwil

Das Rutschgebiet wird fotografiert

OberwilNach dem verheerenden Murgang vom Juni 2016 war von der Einrichtung eines automatischen Frühwarnsystems für Erdrutsche die Rede. Realisiert wurde es bis heute nicht.

So sah der Gutwüschgraben nach den Murgängen vom Juni 2016 aus.

So sah der Gutwüschgraben nach den Murgängen vom Juni 2016 aus. Bild: Bruno Petroni

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Seit einem Monat wird die Gutwüschgrabenbrücke in Oberwil erneuert und der Durchlass unter der Kantonsstrasse auf 5,90 Meter erweitert (wir berichteten), damit bei Hochwasser oder Murgängen mehr Material hindurchtransportiert werden kann. Doch das ist letztlich nur eine aus einer Reihe von Massnahmen, die seit dem Murgang vom Juni 2016 realisiert wurden – die meisten davon nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit. Da seien Bäume gefällt und Äste entfernt worden, um den Graben schon im Oberlauf zu verbreitern, und im Frühjahr sei der Damm bei der Einmündung des Grabens in die ­Simme erhöht worden, berichtet Schwellenkorporationspräsident Hans Feuz. Im vergangenen Herbst wurde das vom Murgang zerstörte Haltenbodenbrüggli wieder aufgebaut.

Wieder davon abgekommen

Kurz nach den Murgängen im ­Juni, bei denen mehrere Zehntausend Kubikmeter Schlamm und Geröll durch den Gutwüschgraben in die Simme hinuntergestürzt waren und dabei die Kantonsstrasse verschüttet hatten, war auch ein automatisches Überwachungssystem mit Sen­soren im Rutschgebiet im Gespräch. Doch dieses Frühwarnsystem wurde bis heute nicht installiert. «Man ist wieder davon abgekommen, nachdem sich die Lage inzwischen beruhigt hat», sagt Feuz. Das sei letztlich eine Entscheidung des Kantons gewesen, der den Schutz der Kantonsstrasse im Auge habe.

Stattdessen hat der Kanton ein «fotogrammetrisches» Überwachungssystem eingerichtet, das Damian Stoffel vom Oberingenieurkreis I folgendermassen ­beschreibt: «Hierbei werden periodisch Bilder vom Hang aufgenommen und mit früheren Aufnahmen verglichen. Damit lassen sich Rutschbewegungen erkennen und quantifizieren.» Zurzeit würden die Bilder in einem Abstand von einem halben oder ­einem ganzen Jahr aufgenommen. «Wenn es kritische Situationen gibt, kann man die Überwachung intensivieren», so Stoffel. Doch damit der Hang einen kri­tischen Zustand erreicht, müsste eine längere feuchte Periode mit grossen Niederschlagsmengen eintreten. Das sei im Laufe des vergangenen Jahres jedoch nicht vorgekommen. Regne es nur phasenweise, könne das Wasser wieder abfliessen, und die Lage entschärfe sich wieder. Laut Stoffel beteilige sich auch die BLS, die ebenfalls an einer Sicherung der eigenen Bahnstrecke interessiert sei, an den Kosten des vom Kanton durchgeführten Überwachungsmonitorings.

Nicht vergleichbar mit Bondo

Zusätzlich hat auch Ruedi Ast als Naturgefahrenbeauftragter der Gemeinde Oberwil stets ein Auge auf den Hang. Dazu macht er ­regelmässig Kontrollgänge im Gebiet, visiert einen bestimmten Messpunkt mit dem Feldstecher an und beobachtet den Wasserlauf im Graben, wenn es regnet. «Zwischendurch bröckelt etwas, und das Wasser ist etwas dreckiger», sagt er, aber im Grossen und Ganzen stuft auch er die Lage als ruhig ein. Die Situation am Gutwüschgraben sei nicht zu vergleichen mit Bondo, wo Anfang des Monats ein Murgang relativ unerwartet das Dorf in Graubünden erfasst habe, meint Hans Feuz. Der Murgang in Oberwil vor einem Jahr habe sich abgezeichnet, weshalb Bagger und Räumfahrzeuge bereits zuvor in Position gebracht worden seien. Und dennoch hat das Naturereignis vom Juni 2016 auch bei Feuz Spuren hinterlassen. «Wenn es zwei Tage am Stück regnet, dann bin ich auch vor Ort und schaue nach», sagt er. (Berner Oberländer)

Erstellt: 22.09.2017, 16:06 Uhr

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