Ein starkes Zeichen für starke IBI

Mit 28 Ja und einer Enthaltung sprach sich das Interlakner Gemeindeparlament für die Umwandlung der Industriellen Betriebe Interlaken in eine Aktiengesellschaft und für die Beteiligung von Matten und Unterseen aus.

<b>Damit die IBI ihre Stärken</b> auch weiterhin ausspielen können, sollen sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

Damit die IBI ihre Stärken auch weiterhin ausspielen können, sollen sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Bild: Peter Wenger

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«Es geht nicht um Privatisierung», betonte Gemeindepräsident Urs Graf, der das Geschäft am Dienstagabend im Grossen Gemeinderat Interlaken vortrug. Als Aktiengesellschaft sollen die Industriellen Betriebe Interlaken (IBI) in Gemeindebesitz bleiben. Und sie sollen flexibel genug für die Herausforderungen der Strommarktliberalisierung werden, damit sie auch stark und eigenständig bleiben.

Graf: «Wir wollen auch künftig auf dem Bödeli über unsere Versorgung mit Wasser und Energie entscheiden. Wir wollen Versorgungssicherheit und die guten Lehr- und Arbeitsstellen.

Und wir wollen die Wertschöpfung hier behalten.»Im Organisationsreglement, das ohne Volksabstimmung nicht geändert werden kann, wird festgeschrieben, dass nur Gemeinden die Aktien besitzen dürfen. Ebenso steht, dass Interlaken eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 67 Prozent behalten muss.

Beteiligung hilft allen

Heute gehört das Unternehmen, das über 39 Millionen Franken Eigenkapital verfügt, vollständig der Gemeinde Interlaken. «Zu seinem Wert haben aber auch die Kunden aus Matten und Unterseen beigetragen, die von Anfang an, also seit über 100 Jahren, zum Versorgungsgebiet der IBI gehören», sagte Graf.

Um diese Stärke für die Zukunft zu erhalten, schlug der Gemeinderat eine Beteiligung der beiden Nachbargemeinden von 2 Prozent pro 1000 Einwohner vor. Das heisst, Matten soll 8 Prozent der Aktien kaufen können und Unterseen 12 Prozent, und zwar zum Nominalwert.

Da das bisherige Dotationskapital der Gemeinde von 1,25 Millionen Franken neu zum Aktienkapital werden soll, wäre der Kaufpreis 100 000 Franken für Matten und 150 000 Franken für Unterseen.

Antonie Meyes Schürch (SVP) rechnete demgegenüber vor, dass 20 Prozent des IBI-Eigenkapi­tals fast 8 Millionen Franken betrügen, also ein Vielfaches der 250'000 Franken, welche die Nachbargemeinden für insgesamt 20 Prozent Beteiligung bezahlen sollen. Dass das Angebot günstig ist, bestritt niemand.

Einig waren sich aber auch alle, dass die IBI auf die Gemeinden und Kunden in ihrem Versorgungsgebiet angewiesen sind und dass eine Beteiligung von Unterseen und Matten die Kundenbindung fördern würde.

«Natürlich würde ein grosses Unternehmen wie die BKW für die IBI-Aktien mehr bezahlen», relativierte Urs Graf Meyes-Schürchs Rechnung, «aber nur, wenn es alles bekäme. Und dann würden nicht mehr wir bestimmen.»

Unterseen und Matten bekämen nur Minderheitsbeteiligungen. Zudem können sie mit ihren Aktien nicht spekulieren: Wenn sie verkaufen wollen, hat Interlaken in den nächsten 50 Jahren ein Vorkaufsrecht zum gleichen Preis.

Die nächsten Schritte

Alle Parteien lobten die gute Vorbereitung des Geschäfts. Mit 28 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung genehmigte man die Umwandlung der IBI in eine AG, die dafür nötigen Änderungen im Organisationsreglement der Gemeinde, die Vereinbarung mit Matten und Unterseen sowie die Versorgungs- und Entschädigungsreglemente.

Das letzte Wort haben am 23. September die Interlakner Stimmbürger. In Matten und Unterseen entscheiden die Gemeindeversammlungen am 4. und am 7. Juni, ob sie sich an der neuen AG beteiligen und die angebotenen Aktien kaufen wollen. (Berner Oberländer)

Erstellt: 16.05.2018, 16:07 Uhr

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