FC Interlaken: Vorstand ist zurückgetreten – wie weiter?

Interlaken

Der Vorstand des FC Interlaken ist geschlossen zurückgetreten. Die Arbeitsgruppe will nun übernehmen.

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Nathalie Günter@nathalieguenter

Am Dienstag folgte der zweite Knall beim grössten Oberländer Sportverein: Der FC Interlaken teilte mit, dass der gesamte amtierende Vorstand per sofort zurücktritt. Der erste Knall ertönte vergangenen Samstag: Eine «Arbeitsgruppe FC Interlaken» hatte per Brief an die Geschäftsleitung eine ausserordentliche Hauptversammlung beantragt (wir berichteten). Dies mit den zwei Traktanden, den Vorstand abzuberufen und neu zu wählen.

102 Personen hatten den Antrag unterschrieben, das entspricht einem Achtel des aus rund 800 Aktiv- und Juniorenmitgliedern bestehenden Vereins. Darauf hat der amtierende Vorstand um die Co-Präsidenten Beat Jörg und Tobias Schweizer nun direkt reagiert und ist zurückgetreten.

«Verlassen gesunden Verein»

«Wir verlassen einen gesunden und finanziell stabilen Verein», steht in der Mitteilung. Dem Vorstand werde sportlicher Misserfolg, Ideenlosigkeit, zu hohe Dichte der Ämter und zu wenig Abstützung im Verein vorgeworfen. «Wir waren damit beschäftigt, das Marketing zu stabilisieren; Wir haben eine neue Marketinggruppe aus Mitgliedern der Aktivmannschaften gebildet; Es wurden Gespräche bezüglich Besetzung der Posten Sportchef und Platzwart geführt», nimmt der Vorstand Stellung zu den Vorwürfen.

Man habe weiter ein Projekt «sportliche Wende» für die 1. Mannschaft erarbeitet und sei kurz vor Vertragsabschluss mit einem Trainer, der über die Uefa-Pro-Lizenz verfüge, gestanden. Zur Finanzierung dieses Projektes hätte der Vorstand ein separates Sponsoring initialisiert. «Die Rückrunde wäre finanziert gewesen und hätte das aktuelle Budget nicht belastet», schreibt der Vorstand. Aufgrund der Aktivitäten der Arbeitsgruppe sei dieses Projekt gestoppt worden.

Der bisherige Co-Präsident Tobias Schweizer wollte Mittwoch nicht weiter Stellung nehmen. Dies gelte für den ganzen Vorstand.

Alessio Bonata von der neunköpfigen «Arbeitsgruppe FC Interlaken» hat der Rücktritt des Vorstands überrascht. «Das ist nicht der Weg, den wir gehen wollten», sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. Die Arbeitsgruppe habe mit dem Vorstand zusammen eine Anpassung der Strukturen angestrebt. Der Plan sei gewesen, dies auf die nächste Hauptversammlung zu machen und gemeinsam durch die laufende Saison zu gehen. Deshalb sei auch an der vergangenen ordentlichen Hauptversammlung im August bei der Wahl von Schweizer und Jörg ins Co-Präsidium keine Kritik aufgekommen.

«Nicht in unserem Sinn»

«So, wie das Ganze jetzt abgelaufen ist, ist nicht in unserem Sinn», bekräftigt Bonata mehrmals. Die Arbeitsgruppe habe den Antrag auf Wunsch des Vorstands formuliert. «Innerhalb weniger Tage hatten wir die 102 Unterschriften gesammelt.» Die Handlungen der Arbeitsgruppe seien keine Kritik an den Vorstandsmitgliedern. «Wir wollten den Schritt gemeinsam machen, nun ist es anders gekommen», sagt Bonata.

Es habe im Vorstand eine gewisse Monotonie geherrscht, weshalb jetzt Veränderungen wichtig seien. «Ruhe reinbringen», stehe nun aber an erster Stelle. Bonata: «Der Verein ist aktuell führungslos, es muss möglichst schnell die ausserordentliche Hauptversammlung einberufen und ein neuer Vorstand gewählt werden.» Die Arbeitsgruppe sei gut aufgestellt und könne für die Ämter Personen vorschlagen.

Wer sich für welches Ressort aufstellen lassen wird, verriet Bonata aber nicht. Aktuell gehören neben Bonata René Brandenberger, Corina Castignetti, Beni Hodler, Els Hodler, Ex-Präsident Martin Künzi, Beat Lauener, Therese Schlachter und Ueli Kläy der Arbeitsgruppe an.

Was gemäss Antrag aber klar ist: Beni Hodler soll die 1. Mannschaft als Trainer übernehmen und der geschasste René Brandenberger als Sportchef zurückkehren. Und: Die Arbeitsgruppe will die Aufgaben möglichst breit verteilen, damit die Belastung für den Einzelnen im Rahmen bleibt und möglichst viele Personen in die Vereinsarbeit involviert sind.

Wann die ausserordentliche Hauptversammlung angesetzt wird, ist noch nicht klar. Geschäftsführerin Monika Liechti war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Sportlich fallen die unruhigen Zeiten glücklicherweise in eine «tote» Phase: Die Vorrunde ist abgeschlossen, der Trainingsbetrieb läuft auf Sparflamme. «Nach der Entlassung von Cheftrainer Michele Moreno leitet aktuell Assistenztrainer Simon von Bergen das Training», so Alessio Bonata. Das nächste Spiel für den sieglosen Tabellenletzten der 2. Liga regional Gruppe 1 steht erst am 30. März 2019 an.

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