Kessler opfert das Snowpenair für die V-Bahn

Die Jungfraubahnen konnten sich mit der Scheidegg Hotels AG einigen. Unter anderem verzichtet das Unternehmen künftig auf die Durchführung des Snowpenair. Damit ist eine hohe Hürde zum Bau der V-Bahn überwunden.

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Mit der Einigung werde die Scheidegg Hotels AG ihre Einsprache gegen das Projekt V-Bahn zurückziehen. Gleichzeitig regle die Vereinbarung die wichtigsten Bestandteile im Umgang mit dem Tourismus auf der Kleinen Scheidegg. «Nach intensiven Verhandlungsrunden konnte Mitte Oktober eine für beide Parteien akzeptable Lösung erzielt werden», teilen die Jungfraubahnen mit.

So würden die Familie von Almen als Besitzerin der Scheidegg Hotels AG und die Jungfraubahnen auf der Kleinen Scheidegg gemeinsame Ziele verfolgen: «Wir wollen das Ausflugsziel mit der Realisierung der V-Bahn qualitativ aufwerten und weiterentwickeln. Das Tipi und das Valser-Zelt werden durch neue Angebote ersetzt. Ausserdem verzichten die Jungfrau­bahnen nach Eröffnung des Eiger-Expresses auf die Fortführung des Saisonschlusskonzerts Snowpenair», schreiben die Jungfraubahnen in ihrer gestrigen Mitteilung.

Für die Jungfraubahnen bedeutet die Einigung mit von Almens einen wichtigen Meilenstein in der Projektplanung der V-Bahn. So hoffen sie, nun auch die noch wenig verbliebenen Einsprachen raschmöglichst bereinigen zu können. Ziel ist der Baubeginn im nächsten Frühling, um die neue Männlichenbahn Ende 2019 und den Eiger-Express Ende 2020 eröffnen zu können.

«Bedauern Entwicklung»

Die Scheidegg Hotels AG äusserte sich in ihrer gestrigen Medienmitteilung wie folgt zur Sache: «Neben der fehlenden lokalen Unterstützung ist der Hauptgrund für unseren Rückzug, dass die massgebenden eidgenössischen Fachbehörden der umstrittenen direkten Linienführung der Seilbahn letztlich zugestimmt haben.»

Von Almens bedauern diese Entwicklung, weil sie nach wie vor der Meinung sind, dass der Eiger-Express mit der vorgesehenen Linienführung keine für den Tourismus der Lütschinentäler nachhaltige Lösung sein werde. «Als Gegenleistung für den Rückzug der Einsprache konnten wir uns immerhin über die künftige Gestaltung der unter Ortsbildschutz stehenden Kleinen Scheidegg einigen.» Weiterer Gegenstand der Vereinbarung seien gewisse Garantien beim Fahrplan der Wengernalpbahn, die für den Hotelbetrieb lebenswichtig sind.

Der dankbare Direktor

Der sich zurzeit in Asien auf Geschäftsreise befindende Urs Kessler konnte am Dienstag telefonisch zur Einigung mit der Scheidegg Hotels AG befragt werden. Der CEO der Jungfraubahn AG versichert, dass zur Vereinbarung kein Geld geflossen sei, sondern: «Zur Optimierung des Bahnprojekts haben wir die Höhe der zweitobersten Zwischenstütze von 23 auf 19,5 Meter reduziert und die oberste von 35 auf 29,5 Meter.

Zudem wird letztere jeweils um eine Stützenbreite weiter talwärts zu stehen kommen. Wenn man als Einsprecher diese neue Variante prüft, kommt man automatisch zum Schluss, dass keine andere Variante die Natur mehr schonen würde als der geplante Eiger-Express.» Die beiden Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission vom Juli 2014 und Januar dieses Jahres bestätigten dies vollumfänglich.

«Ein wichtiger Meilenstein für uns waren zudem das Seilbahngutachten und der Bericht des Bundesamtes für Umwelt», so Kessler. Der CEO zeigt sich erleichtert und dankbar, fünf Jahre nach der ersten V-Bahn-Präsentation und nach all den Schwierigkeiten jetzt eine Vereinbarung ­erzielt zu haben.

«Wir werden weiterhin und trotz zunächst unterschiedlicher Auffassungen über die touristische Entwicklung mit der Familie von Almen und den Bergschaften partnerschaftlich eng zusammenarbeiten und haben dazu gewisse Angelegenheiten geregelt. Für ein Projekt dieses Ausmasses brauchen wir alle Partner.»

Eine dieser Vereinbarungen ist der Verzicht auf das «Lieblingskind» von Urs Kessler, das Snowpenair, sobald der Eiger-Express in Betrieb ist. «Ja, das ist wirklich eine persönliche Herzensangelegenheit. Aber zur Erlangung einer Einigung bedarf es halt auch Kompromissen», sagt Urs Kessler.

Mit den übrigen Einsprechern wie der Stiftung Landschaftsschutz, der Pro Natura und dem privaten Landbesitzer Otto Kaufmann sei man weiterhin im engen Dialog – und überzeugt, mit getroffenen Vereinbarungen auf dem richtigen Weg zu sein. Kessler: «Mit Otto Kaufmann sind wir zwar tatsächlich noch weit weg von einer Lösung.

Uns ist es aber ein Anliegen, im Dialog mit ihm eine solche anzustreben, denn wir wollen Kaufmann nicht enteignen oder vor Gericht bekämpfen, sondern mit unserem langjährigen Mitarbeiter gemeinsam eine Lösung finden.»

Mit Signalwirkung?

Für die Gemeinde Grindelwald scheint die Einigung der Parteien auch touristisch ein positiver Schritt zu sein: «Ich denke, dass dies Signalwirkung auf die letzten Einsprecher und Zweifler haben wird», sagt Gemeindepräsident Christian Anderegg. Die Gemeinde habe mit den Jungfraubahnen vereinbart, dass diese erst mal selber das Gespräch mit den Gegnern suche und die Gemeinde nur wenn nötig aktiv werde.

Im Rahmen des Impulsprogramms für den Tourismus beteiligen sich Bund und Kanton mit zinslosen Darlehen von je 10 Millionen Franken an den Investitionskosten des V-Bahn-Terminals in Grindelwald, der allein auf 116 Millionen zu stehen kommen wird. «Wir sind parat, und der zugesprochene Kredit wird freigegeben, sobald die Baubewilligung vorliegt», sagt Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann. (Berner Oberländer)

Erstellt: 17.10.2017, 21:46 Uhr

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