Interlaken

Schöpferisches Leben ging zu Ende

Interlaken Am 30. August verstarb Werner Fehlmann-Zehnder, Ehrenbürger von Interlaken. Der Maler, Kunstmaler, Grafiker und Restaurator wurde 89 Jahre alt.

Werner Fehlmann im Jahr 2009 in seinem Atelier am Schifffahrtskanal in Interlaken.

Werner Fehlmann im Jahr 2009 in seinem Atelier am Schifffahrtskanal in Interlaken. Bild: Ueli Flück

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Werner Fehlmann wurde am 22. März 1929 geboren. «Mein Vater, ein Malermeister, und meine Mutter, eine warmherzige Frau französischer Sprache, bekamen später noch zwei Töchter», schaute Werner Fehlmann auf seine ersten Lebensjahre zurück.

Er erlebte den Waffenstillstand 1945 als Handelsschüler in Le Locle. Vier Wochen nach seiner Rückkehr nach Interlaken starb seine Mutter. Für Werner begann der «Ernst des Lebens». Es folgten drei Jahre Lehre als Maler im väterlichen Geschäft. Der Beruf gab ihm eine gute Basis für manches, was später folgen sollte.

Es zog den jungen Berufsmann fort von Interlaken. In den folgenden Jahren besuchte er die Kunstgewerbeschule Zürich. «Hochgeschätzte Lehrer öffneten mir Fenster in die Welt», schaute er später auf die Zürcher Jahre zurück.

«Er ist die ideale Mischung von Künstler und Bürger», wurde Werner Fehlmann gelobt.

Zurückgekehrt nach Interlaken, gründete Werner Fehlmann 1953 gemeinsam mit Maria Zehnder eine eigene Familie. Zusammen mit zwei Kindern, Tochter Cornelia und Sohn Claudius, begann die Wanderung durch die weiteren Lebensjahre. Als Maria im Jahr 2006 starb, bewohnte Werner Fehlmann weiter das Haus am Schifffahrtskanal, in dessen Waschhaus er sein Atelier eingerichtet hatte, blieb künstlerisch tätig und frönte im Freundeskreis der klassischen Musik.

Mit Dori Corti fand er eine neue Lebenspartnerin, die ihn liebevoll bis zu seinem Tod begleitete. Die letzten fünf Jahre lebte Werner Fehlmann im Heim Weissenau.

Seine Bilder prägen sich ein

Das künstlerische Schaffen von Werner Fehlmann wird in der 2001 erschienenen Künstlermonografie «Diesseits – Jenseits» geehrt (erschienen im Verlag Benteli und herausgegeben von Vera Heuberger, Franz Troxler und Alfred Gafner). Der Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher Steffan Biffiger schreibt im Vorwort: «Die Bilder von Werner Fehlmann prägen sich ein.

Sie fallen auf durch ihre einfache und direkte Sprache, durch ihre Reduzierung auf das Nötigste und Wichtigste – man spürt dahinter das Engagement und den starken Willen des Künstlers, seine Botschaft – wenn auch meist symbolhaft und mehrdeutig – unmittelbar und wirkungsvoll zu vermitteln.»

Fehlmanns künstlerisches Schaffen sei eigenständig, sensibel und konstant, schreibt Biffiger, es unterliege keiner modischen Ausrichtung, wirke nie laut und sei vor allem nicht auf Effekthascherei aus. «Das Potenzial von Werner Fehlmanns Schaffen liegt darin, dass es den Betrachtenden immer wieder mit Doppelbödigkeiten überrascht und unerwartet auf Untergründiges verweist», stellt Vera Heuberger, Kuratorin des Schlosses Oberhofen und Autorin des Fehlmann-Buches, fest.

Restaurator und Grafiker

Werner Fehlmann machte sich auch einen Namen als Restaurator. So verhalf er den Sälen des Kursaals Interlaken und des Grand Hotel Victoria-Jungfrau zu neuem Glanz. Und er restaurierte auch den riesigen Bären, der vom Schloss Wimmis grüsst.

Der vielseitige Künstler hatte bereits in jungen Jahren in Interlaken ein Atelier für Grafik gegründet. Er schuf eine ganze Anzahl Medaillen und Plaketten. Unvergessen sind seine Plakate für die Unspunnenfeste. Auch seine Lithografien zeugen von seinem zeichnerischen Können und bereichern seine Ausstellungen.

Werner Fehlmanns Sgraffiti, Mosaike und Wandmalereien schmücken private und öffentliche Gebäude. Unter anderem das «Haus des Sports» in Bern, das Berufsschulzentrum und das Gymnasium in Interlaken, das Bödelibad in Unterseen. Zu seinen wertvollsten Werken gehören die Glasfenster der katholischen Kirche in Wengen.

Der Ehrenbürger

«Er ist die ideale Mischung von Künstler und Bürger», wurde Werner Fehlmann – er war unter anderem Kommandant der Feuerwehr – gelobt, als ihm 2004 die Ehrenbürgerurkunde der ­Gemeinde Interlaken übergeben wurde.

Er war nach General Henri Guisan und Generalstabschef Jakob Huber (1945) sowie dem Lehrer und Lokalhistoriker Rudolf Gallati (1997) erst der Vierte, der diese Ehrung erfuhr.

Werner Fehlmann wird auf dem Bödeli nicht in Vergessenheit geraten. Die Trauerfeier ­findet am kommenden Mittwoch (14 Uhr) in der Schlosskirche statt. (Berner Oberländer)

Erstellt: 08.09.2018, 07:02 Uhr

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