Vom Fluglotsen zum Instruktor

Interlaken

Das Flugsicherung-Ausbildungsunternehmen Air Navigation Institute eröffnet am neuen Standort seinen ersten Kurs für Berufspiloten.

Beat Zimmermann mit der «Bibel» für künftige Berufspiloten.

Beat Zimmermann mit der «Bibel» für künftige Berufspiloten.

(Bild: Bruno Petroni)

Bruno Petroni

Schon seit Jahren bildet das Air Navigation Institute (ANI) mit Hauptsitz in Zug am Standort Interlaken Spezialisten für die Erstellung und Prüfung von Instrumentenflugverfahren (An- und Abflugrouten) aus. «Jetzt wollte ich einfach mal einen unabhängigen und grösseren Standort mit eigener Infrastruktur haben», begründet der Gründer und Leiter des Luftfahrtausbildungszentrums, Beat Zimmermann, den Umzug vom Unterseener Stadthaus an den Westbahnhof in Interlaken. Dort gehen ab kommendem Montag im über 100 Quadratmeter grossen Schulungsraum der zweiten Etage des UBS-Gebäudes die acht ersten Teilnehmer des Kurses «Flight Validation Pilot IFP» zur Schule. Alles langjährige und erfahrene Linien- oder Militärpiloten mit mindestens 1500 Flugstunden, die darauf spezialisiert werden, weltweit Instrumentenan- und -abflugrouten auf ihre Sicherheit und Fliegbarkeit zu prüfen.

«Dabei geht es vereinfacht gesagt um die fliegerische Umsetzung eines vorgängig nach internationalen Kriterien erarbeiten Verfahrens. Geprüft wird, ob es fliegbar ist und ob sämtliche Luftfahrthindernisse entsprechend berücksichtigt worden sind», sagt Zimmermann. Um ihre Zulassung nicht zu verlieren, müssen diese Spezialisten mindestens alle 3 Jahre einen Auffrischungs- und Weiterbildungskurs besuchen.

In der Schweiz gibt es zurzeit ein gutes Dutzend solcher Prüfungsexperten. Seit 23 Jahren bildet Beat Zimmermann jährlich rund 100 Spezialisten aus allen Kontinenten im Fachgebiet Instrumentenflugverfahren in verschiedenen Lehrgängen aus. Da es sich in der Regel um internationale Kundschaft handelt, ist die Umgangssprache Englisch. Während der drei Wochen Theorieunterricht in Interlaken geniessen die Teilnehmer eine Ausbildung in internationalen Verfahrenskriterien, Geodäsie und Navigationscodierung. Danach folgt die praktische Ausbildung im Flugsimulator der Lufthansa auf dem Frankfurter Flughafen. Das ANI hat aber auch Ausbildungsstandorte in Hongkong, Dubai und Bangkok.

Vom Lotsen zum Ausbildner

Der 900 Seiten umfassende Arbeitsordner «Pans-Ops 2» – das heisst «Procedures for Air Navigation Services» – ist die «Bibel» der Ausbildungsteilnehmer. Er umfasst die Kriterien und Richtlinien der Internationalen Luftfahrtbehörde Icao, den auch diejenigen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt unterworfen sind.

Der in Oberhofen aufgewachsene Beat Zimmermann erwarb seine Berufspilotenlizenz vor 29 Jahren. Nach einigen Jahren als Fluglotse in der Luftstrassenkontrolle Genf machte er sich als Ausbildner selbstständig. Heute lebt der 51-Jährige mit seiner Familie in Goldswil. Das ANI beschäftigt mit seiner Tochterfirma ANI Services vier Festangestellte und kann auf fünfzehn freie Mitarbeiter zurückgreifen. Weltweit teilt sich das ANI den Markt mit zwei anderen Anbietern im französischen Toulouse und in Neuseeland.

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