Züri Wests rare Visite in Bern-Südost

Zum Auftakt des ersten Seaside Festival war in der Bucht eine veritable Rarität zu erleben: Züri West in Spiez. Letztmals hatten die Berner vor 27 Jahren am Niesen gerockt. Wieso eigentlich?

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«Aber wär verliebt sich scho i nä Popstar», schnulzt Kuno Lauener im finalen Song von «Elvis», dem dritten Longplayer der Band. Züri West sind in jenen Tagen anno 1990 schon bleischwer angesagt. Auch, weil sie mit Lauener die coolste Socke der helvetischen Musikszene in ihren Reihen ­wissen. An einem neblig-trüben Novembertag in selbem Jahr sind die Stadtberner im Spiezer Lötschbergsaal zu Gast. Es sollte bis am Freitag ihr letzter Besuch im Winzerort am Niesen sein.

Sämtliche Mädchen von Arbon bis Zweisimmen verlieben sich 1994 vollends in Kuno, als er säuselt: «I schänke dir mis Härz». Die Band schenkt sich mit dem Song über käufliche Liebe (es ist kein Liebeslied) ihren grössten Hit. 23 Jahre später fliegen dem charismatischen Frontmann, der singt, er sehe «fängs us wie nä Quitte», die Herzen unverändert zu.

«Dr Kuno isch immer no ä geile Siech!», frohlockt Änneli Gerber, angereist aus dem Berner Jura. Und ist damit nicht allein. Er (im weissen Hemd) und die Mannen aus Zürichs Westen (dezent in Schwarz) bieten in Spiez ein Best-of-Programm, gespickt mit Nummern vom neuen Album «Love».

27 Jahre nach der letzten Visite dauert es eine Weile, bis der Funke von der Band auf das Publikum überspringt. Am besten ist und war Züri West stets auf der Clubbühne. Dann aber lodert das ­Feuer auch in Spiez. «Die Stimmung im Publikum war toll», wird Taktgeber Gere Stäuble nach dem Auftritt sagen. Lauener, heimatberechtigter Lauterbrunner, ist prächtig aufgelegt, geizt nicht mit Sprüchen.

«Dir gseht us wie Holländer, irgendwie», flachst er im Angesicht der orangen Sponsorenhutflut. Und findet Gefallen: «Mir gseh dr See – Monte Carlo isch ä Schissdräck drgäge!»

Wieso aber waren die Mundartrocker derart lange Spiez-abstinent? «Wir haben nichts gegen den Ort», versichert Küse Fehlmann. Nebst Kuno Lauener das einzige verbliebene Gründungsmitglied. Es habe einfach keine Konzertmöglichkeiten gegeben. Er mag sich indes noch an den Gig im «Lötsch» erinnern. «Der Saal passte akustisch nicht zu unserem damals schroffen Sound.»

Bedeutend besser harmoniert da die Kombi Züri West / Seaside. «Vielleicht wird es uns wieder mal hierherziehen», meint Gitarrist Fehlmann. Der fünfzehnte und letzte Song jedenfalls macht Hoffnung, dass es nicht wieder zweieinhalb Dekaden dauert: «I ha di gärn gha», singt Kuno Lauener. Da verliebt man sich schier in Popstars.

Züri West in der Region: Wie das Management am Freitag bekannt gab, spielt die Band am 27./28. Oktober im Anker Interlaken sowie am 25. November im Thuner Bärensaal. (Berner Oberländer)

Erstellt: 25.08.2017, 21:53 Uhr

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