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Aufklären. Informieren. Räumen.

Stefan Geissbühler, Chefredaktor Berner Oberland Medien, zum Munitionslager Mitholz.

Es ist eine hochexplosive Erbschaft aus dem Zweiten Weltkrieg. Eine gefährliche, im Katastrophenfall für die Bevölkerung von Mitholz gar eine tödliche. Und für die Behörden – allen voran für das eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) – eine äusserst unbequeme. Im instabilen Fels bei Mitholz befindet sich eine wahre Zeitbombe, wie die Öffentlichkeit Ende letzter Woche verwundert zur Kenntnis nehmen musste.

Warum schlägt das VBS gerade jetzt Alarm? Das ist nur einigermassen klar. Bei Vorabklärungen für ein neues Rechenzentrum im Berg tauchte die sehr spezielle Deponie aus dem Nebel des Vergessens auf. Offenbar waren es Geologen, die grosse Sicherheitsbedenken geäussert haben. Sodass beim VBS wohl die Erkenntnis gereift ist, dass die Lage endlich genau unter die Lupe genommen werden sollte.

Das VBS, ja die Schweiz, muss die Erbschaft jetzt antreten. Und die Vergangenheit ohne Wenn und Aber aufarbeiten. Respektive das Minenfeld von Mitholz endgültig aufräumen. Klar: Die Munition im Berg vermehrt sich nicht – und liegt seit Jahrzehnten dort. Aber: Die Natur ist in Bewegung, und der Zahn der Zeit wird mit Sicherheit weiterhin an den Stahlmänteln der Geschosse und Bomben nagen.

Der Begriff Herkulesaufgabe ist für einmal durchaus angebracht. Geschätzte 3500 Bruttotonnen Munition mit mehreren Hundert Tonnen Sprengstoff lagern im Fels. Die Räumung eines solchen schlummernden Vulkans ist eine Aufgabe, die ihresgleichen sucht. Dass die Gefahr beseitigt werden muss, steht ausser Frage – man denke auch an die Lötschbergstrecke der BLS und die Kantonsstrasse, die in der Gefahrenzone liegen. Dem Gemeindepräsidenten von Kandergrund ist völlig beizupflichten, wenn er sagt: «Die Munition muss weg, was die Entsorgung kostet, interessiert uns nicht.»

Das VBS muss nun mit Hochdruck aufklären, informieren und räumen. Es kämpft beim Antreten der Erbschaft aus dem Zweiten Weltkrieg und bei deren Beseitigung nicht nur um das Vertrauen der lokalen Bevölkerung, sondern um jenes aller Bewohnerinnen und Bewohner unseres Landes.

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