Bei minus 68 Grad am Nordpol

Unterseen

In diesen Tagen jährt sich die Ankunft des ersten Schweizers am Nordpol zum 50. Mal. Urs Ernst Michel war damals 44 Tage lang mit einer Expedition unterwegs.

14. April 1968: Mit 25 Jahren steht Urs Ernst Michel am Nordpol.<p class='credit'>(Bild: zvg)</p>

14. April 1968: Mit 25 Jahren steht Urs Ernst Michel am Nordpol.

(Bild: zvg)

«Eigentlich habe ich meiner Mutter damals bei meiner Auswanderung gesagt, es sei nur für zwei Jahre.» Nun sind es bereits fast 60 Jahre, seit Urs Ernst Michel aus dem Berner Oberland nach Kanada ausgewandert ist.

So lange, dass er heute im Alter von 75 Jahren hin und wieder nach Wörtern suchen muss, wenn er im angeborenen Oberländer Dialekt spricht. Er wollte aufbrechen in ein Abenteuer. Und ein solches hat er denn auch erlebt.

Die grosse Chance

Am letzten Samstag war es genau 50 Jahre her, dass der an der Scheidgasse 37 aufgewachsene Unterseener am Nordpol stand. «Ich hatte das Glück, dass ich bald schon für das National Film Board of Canada als Assistent und später als Kameramann für Dokumentarfilme arbeiten durfte.

Und so hatte ich im März 1968 die Gelegenheit, mit einer sechsköpfigen Expedition in vier Schneemobilen Richtung Nordpol aufzubrechen.» Dies, nachdem ein erster Versuch ein Jahr zuvor wegen zu späten Aufbruchs und entsprechenden Tauwetters gescheitert war.

Zehn Meter hohe Eistürme

In den Pionierzeiten war noch alles anders. Die Navigation erfolgte nicht etwa wie heute durch teure Elektronik, sondern mit dem Sextanten. Das für die Fahrzeuge benötigte Benzin-Öl-Gemisch wurde bereits im Vorsommer per Schiff an verschiedenen Standorten deponiert, «und der Proviant wurde alle paar Tage aus der Luft zu uns abgeworfen».

Am meisten Eindruck habe ihm der sechstägige Sturm gemacht, der unterwegs über die Expedition hereingebrochen sei: «In unseren Zelten mussten wir komplett angezogen warten, weil die Gefahr bestand, dass uns die Zelte weggefegt werden. Und die tiefste Temperatur, die wir massen, betrug 68 Minusgrade.»

Dazu kamen die Presseiszonen, wo sich den Männern durch die Reibung der Eisplatten bis zu zehn Meter hohe Eistürme in den Weg stellten.

Nur Platz für ein Schneemobil

Nach 825 Meilen und 44 Tagen war der Nordpol zwar erreicht, eine terrestrische Rückkehr zum Ausgangspunkt aber wegen der fortgeschrittenen Eisschmelze nicht mehr möglich. Die Expedition musste ausgeflogen werden. «Wir hatten aber nur Platz für eines der vier Schneemobile. Die anderen drei mussten wir zurücklassen, und die sind später im Meer versunken», so Michel.

Auch heute blickt der Unterseener mit grosser Genugtuung und Freude zurück auf sein 50 Jahre zurückliegendes Abenteuer. «Ich hab sehr viel Glück gehabt und bin heute noch dankbar, dass ich an dieser Expedition teilnehmen durfte.»

Berner Oberländer

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