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Belcanto mit Kalbsbratwurst

«Bergdorfet» im Kunsthaus Interlaken: Das Ensemble EggiMaaRundifrou liess ihn klingen und singen – mit Bratwurst live grilliert.

Willy Schnyder, der zur Zeit der «Jazzfründe» in Interlaken aktiv war, für einmal als Sänger, Sänger Thomas Leu am Klavier und Agnes Hunger als Braut mit Geraniumkorb-Kopfschmuck.
Willy Schnyder, der zur Zeit der «Jazzfründe» in Interlaken aktiv war, für einmal als Sänger, Sänger Thomas Leu am Klavier und Agnes Hunger als Braut mit Geraniumkorb-Kopfschmuck.
Anne-Marie Günter

Man nehme drei Künstler, die sehr gut singen und musizieren können – Agnes Hunger, Thomas Leu und Willy Schnyder –, und werfe vieles, was Kleinkunst ausmacht, in einen Topf. Musik wie herzerwärmende Röseligartenlieder, Jazz, die «Swiss Lady» oder Belcanto, gewürzt mit je einer Prise Kabarett, Parodie, Pantomime, Persiflage. Es entsteht ein Abendprogramm in zwei Akten, eine Operetten-Studie unter dem Titel «Bergdorfet». So abwegig, eine Schweizer Operette mit den bekanntesten Schweizer Hits zu machen, ist das Vorhaben angesichts «Ewigi Liebi», «Alperose» oder «Heiweh-Fernweh» in Luzern nicht.

Der Plot ist denn auch entsprechend einfach gestrickt: Bergdorf-Bratwurst-Metzgerei soll von Berliner Fleischer übernommen werden, Tochter inklusive. Der junge Schweizer Metzger, steppend und mit Helden­tenor, obsiegt nach einem Slow-Motion-Skistock-Duell. Als Grande Finale brät die Braut live auf der Bühne Kalbsbratwürste, die der Bräutigam im Publikum verteilt. Kunsthaus-Kurator Heinz Häsler blickte dabei leicht besorgt hinauf zur Sprinkler­anlage im Kunsthaussaal.

Treppchenauf

Da es für Auslandtourneen sprachlich schwierig ist, singt man in «Bergdorfet» hochdeutsch: treppchenauf und treppchenab statt stägeliuf, stägeliab. Aus Geldmangel ist das Ensemble auf drei Personen reduziert, darf aber nach einer leicht verzweifelten Probe im ersten Akt dank Pro Helvetia im zweiten Teil des Abends nach Berlin. Das Bühnenbild wird mit bunten Glühlampen, Gipsalphorn und vielen Schweizer Fähnchen angereichert.

Das Personal ist so knapp, dass das heftige Alpenglühen von Agnes Hunger gesungen wird, ebenso ein mehrstimmiges Vogelkonzert. Willy Schnyder verlässt das Piano, sein virtuos eingesetztes Arbeitsgerät, und besingt als Deutscher die Swiss Lady, die er dann doch nicht bekommt. Thomas Leu wird durch die Aufzählung von italienischen Speisespezialitäten als Alternative zur immer gegenwärtigen Bratwurst zu einer Belcanto-Arie angeregt.

Der Knäuel aus roten Fäden, den EggiMaaRundifrou einem ansprechend grossen Publikum in Kunsthaus vorsetzte, muss nicht entwirrt werden: Es gab viele kurze und längere Fäden, die Freude machten: gute Musik, schöne Stimmen, witzige Anspielungen auf die Übernahme von alten Volksliedern für neue Rührstücke, Situationskomik.

Im Kunsthaus Interlaken treten am 25. Januar Ueli von Allmen und Stefan Dorner mit dem Programm «Herz und Handwerk» auf. Im Stadtkeller Unterseen stellt am 7. Februar Willy Schnyder mit drei anderen Musikern namens Schnyder vertonte Gedichte von Ernst Eggimann vor.

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