Oberland

Berner Schützen öffnen ihre Häuser

OberlandAm 19. Mai öffnen die Schützenhäuser im Kanton Bern ihre Türen. Auch im Oberland machen die Schützenvereine mit. Besucher können einen Schiessbetrieb hautnah mit­erleben.

Peter Wyss zielt mit seinem Kleinkalibergewehr auf die Scheibe.

Peter Wyss zielt mit seinem Kleinkalibergewehr auf die Scheibe. Bild: Fritz Lehmann

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Wer Schiesssport bisher nur vom Hörensagen kennt und wissen will, was es mit dieser Freizeitbeschäftigung auf sich hat, kann am Tag der offenen Schützenhäuser erste Versuche machen. Wer nicht gerade mit einem Sturm­gewehr erste Zielversuche unternehmen will, kann sich auch an etwas kleinerem Kaliber versuchen. Der Präsident des Oberländer Kleinkaliber-Verbands Peter Wyss aus Goldswil erklärt, was die Faszination ausmacht.

Peter Wyss, Sie sind Verbandspräsident und Präsident der Sportschützen Bönigen. Als Waffennarr kann man Sie aber kaum betiteln...
Peter Wyss: Waffennarren und Schützen sind kaum dieselben. Den Sportschützen – zu denen ich mich auch zähle – geht es vor allem um das sportliche Erlebnis und den Wettkampf.

Mit einer Waffe Sport treiben, das ist für viele Leute heut­zutage schwer vorstellbar...
Wer mein Kleinkalibergewehr ansieht, sieht auf den ersten Blick, dass dies ein Hightech-Gerät ist und kaum ein Tötungsinstrument. Für solche Teile zahlt man mehrere Tausend Franken. Das bezahlt man nicht, wenn es nur darum geht, einfach eine Waffe zu besitzen.

Warum sollten Nichtschützen den Tag der offenen Schützenhäuser wahrnehmen?
Der Schiesssport verlangt Konzentration und Ausdauer. Ob als Einzelschütze oder im Team: Wir unterstützen uns, üben miteinander, lernen voneinander und pflegen die Tradition. Und: Für mich gibt es keine bessere Möglichkeit, vom täglichen Stress «herunterzufahren», als mit Schiessen.

Ist der 19. Mai eine Möglichkeit für die teilnehmenden Schützenvereine, mehr Mitglieder anzulocken?
Der Berner Oberländer Schützenverband, zu dem wir auch mitgerechnet werden, zählt 14'000 Mitglieder, davon sind rund 600 Kleinkaliber- oder Luftgewehrschützen. Beim Verein, bei dem ich auch Präsident bin, nämlich den Sportschützen Bönigen, sind wir 11 Kleinkaliber- und 11 Luftgewehrschützen. Die Luftgewehrmannschaft wird zudem durch zwei Schützen und eine Schützin von den Luftgewehrschützen Stalden Schwanden unterstützt. Wir sind also eher ein kleiner Verein. Und wir könnten neue Mitglieder sicher vertragen.

Wer kann mitmachen?
Bei uns können eigentlich alle mitmachen, auch das Geschlecht spielt keine Rolle. Im Gegenteil, Frauen schiessen in der Regel sehr gut und lassen oft an Turnieren die Männer hinter sich. Etwa Vanessa Hofstetter aus Neuenegg, die an nationalen und internationalen Turnieren mit Luftgewehr und Kleinkaliber beachtliche Erfolge erzielt hat.

Wie oft sollte man trainieren?
Ich trainiere bis zu viermal pro Woche, zweimal Kondition, zweimal Schiessen. Wer an Wettkämpfen teilnehmen soll, der muss schon mehrmals trainieren, damit er gute Resultate schiesst. Man lernt beim Schiesssport, sich auf ein Ziel zu fokussieren, das ist heutzutage bei den vielen Ablenkungen mit Smartphone und Internet nicht immer einfach.

Apropos digital, Sie verschiessen nicht nur Patronen...
Nein, mit dem sogenannten Scatt-System analysiert der Computer das Schussbild, das System wurde in den Neunzigerjahren von Spitzenschützen in Russland entwickelt und wird von nahezu allen Topschützen weltweit eingesetzt. Dabei werden keine Patronen verschossen, ein Training erfolgt nahezu lautlos.

Was erhoffen Sie sich vom 19. Mai?
Ich hoffe, dass die Bevölkerung die Gelegenheit wahrnimmt und sich unvoreingenommen mit dem Schiesssport auseinandersetzt und sieht, dass Schiessen eine spannende Freizeitbeschäftigung sein kann. Unter Anleitung von erfahrenen Schützen kann vom Luftgewehr über das Kleinkaliber- bis hin zum Sturmgewehr alles ausprobiert werden. Auch mit Pistolen kann geschossen werden. Und ich freue mich natürlich auf interessante Begegnungen und gute Gespräche.

Peter Wyss (54) aus Goldswil ist ­beruflich Kältemonteur. Zu seinen Freizeitbeschäftigungen gehören neben dem Schiesssport auch Langlauf und Wandern.

Was ist Schiesssport? Diese Frage möchte der Schweizer Schiesssportverband auf einfache Art erklären. Quelle: Youtube (Berner Oberländer)

Erstellt: 16.05.2018, 06:10 Uhr

Von A bis Z

Von Allmendingen bis Zwieselberg öffnen am Samstag Schützengesellschaften ihre Türen für interessierte Besucher. Die Ersten öffnen bereits um 9 Uhr morgens. Offen ist auch die Schiessanlage Guntelsey in Thun, die grösste Freiluftan­lage der Schweiz. Am 19. Mai trainieren dort die Schützin­nen und Schützen des Nationalkaders für die nächsten Weltmeisterschaften, welche im Juni 2018 ebenfalls in dieser Schiessanlage stattfinden. Auch Claudia Kunz, ihres Zeichens Europameisterin im Blindenschiessen, wird an diesem Tag ihr Können zeigen. Daneben finden diverse Demonstrationen der Vereine der Schützengesellschaften Thun sowie von deren Jungschützen statt. Weiter gibt es eine Festwirtschaft.

Weitere Infos zum Tag der offenen Schützenhäuser: www.osvbe.ch.

14'000 Schützen im Oberland

Bernhard Hari ist Präsident des Oberländischen Schützenverbandes Bern, der die Interessen von circa 14'000 Schützinnen und Schützen vertritt. Davon sind rund 4500 Mitglieder lizenzierte Schützen. Der 19. Mai ist für Bernhard Hari eine gute Gelegenheit, die Vielseitigkeit des Schiesssports einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. «Obwohl die Vereine gesamthaft noch viele Mitglieder ­haben, müssen wir sinkende Zahlen der aktiv Schiessen­den hinnehmen.» Viele Vereine innerhalb des Verbandes würden diese Gelegenheit wahrnehmen und den Tag der ­offenen Schützenhäuser dazu ­nutzen, für ihren Verein zu werben. Vom Luftgewehr über das Kleinkaliber- bis hin zum Sturmgewehr könne man alle Waffen ausprobieren. Daneben stünden Schützenmeister und Vereinsfunktionäre Rede und Antwort bei allen Fragen rund um die Handhabung der verschiedenen Waffen.


Bernhard Hari, Präsident Oberländischer Schützenverband Bern

Hari betont, die Sicherheit geniesse nicht nur an diesem Tag, sondern zu jeder Zeit in Schützenhäusern höchste Priorität. Neben einer Eingangskontrolle werde auch das korrekte Abstellen der ­Gewehre im sogenannten Rechen durch Schützenmeister laufend kontrolliert. Und über die Munitionsausgabe werde genau Buch geführt. «Wir ­hoffen, dass wir mit diesem Tag den einen oder anderen Besucher für unsere olympische Sportart begeistern können», sagt Hari. «Die klassische ­Schützenkarriere beginnt mit dem Luftgewehr im Winter, dem Kleinkalibergewehr im Sommer», erst später greife man zum Sturmgewehr oder dem Sportgewehr. Das soll aber nicht heissen, dass man nicht auch direkt mit dem ­300-Meter-Schiessen beginnen könne. Etliche Vereine ­bieten dazu Jungschützen- und Nachwuchskurse an. «Natürlich darf an diesem Tag auch die ­Geselligkeit nicht zu kurz kommen. Viele Schützenvereine betreiben eine eigene Schützenstube, in der hungrige und durstige Besucher verpflegt werden.»

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