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Brienzer Fluglärmgegner wenden sich ans Bundesgericht

Der Rechtsstreit spaltet die Region seit fast einem Jahrzehnt. Die Fronten zwischen Brienzersee und ­Kirchet sind verhärtet.

3964-mal starteten und landeten 2016 Kampfjets des Typs F/A-18 auf dem Militärflugplatz Meiringen. Den Lärmgegnern ist das deutlich zu viel.
3964-mal starteten und landeten 2016 Kampfjets des Typs F/A-18 auf dem Militärflugplatz Meiringen. Den Lärmgegnern ist das deutlich zu viel.
Fritz Lehmann

Sieben Jahre dauert der Kampf auf dem Rechtsweg für den Brienzer Hotellerieverein nun schon. «Nach so langer Zeit können wir den Kampf nicht einfach aufgeben», sagt Monique Werro. Für die Besitzerin des Seehotels Bären geht es um nichts weniger als die Existenz. Erholung suchende Gäste stören sich an den star­tenden Jets auf dem Flugplatz Unterbach.

Bis zu 115 Dezibel laut wird eine F/A-18-Maschine, wenn der fast 20 Tonnen schwere Flieger die Startbahn verlässt. Gemessen wurden diese Werte aus 300 Meter Entfernung. An den Tischen der Gartenrestaurants verstummen die Gespräche, wenn die Jets abheben. Selbst auf dem unteren Teil der Brünigstrasse, rund drei Kilometer entfernt, übertönen die Triebwerke das Autoradio. Auch bei geschlossenen Fenstern.

Sorge um die Zukunft

Das Seehotel Bären von Monique Werro liegt weniger als sechs Kilometer vom westlichen Ende des Flugplatzes entfernt. 4550 Flugbewegungen, sprich Starts und Landungen, weist die Statistik der Luftwaffe für das Jahr 2016 ab dem Flugplatz Meiringen aus. Der Grossteil davon, nämlich 3964, erfolgte mit F/A-18-Jets. Damit liegt 2016 im Durchschnitt der letzten Jahre. Nur einmal wurden ab Unterbach weniger als 4000 Flugbewegungen verzeichnet.

Der Flugzeugtyp F/A-18, den die Luftwaffe seit 20 Jahren einsetzt, sei bis zu fünfmal lauter als die älteren Tiger-F-5-Modelle, heisst es in der 30-seitigen Beschwerde der Lärmgegner. Mit dieser befasst sich nun das Bundesgericht. Anfang September hatte das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde abgewiesen. Die durch Rechtsanwalt Rudolf Schaller vertretenen Hotelbetreiber und Privatpersonen halten an ihrem Kampf fest. Auch weil man fürchtet, dass der Flugbetrieb ab Unterbach in Zukunft noch zunimmt.

Dies weil die Luftwaffe in Zukunft ab drei statt wie bisher fünf Standorten operieren will. Dazu kommt: In naher Zukunft will die Luftwaffe ­ihre Einsatzbereitschaft auf 24 Stunden während sieben Wochentagen ausweiten. Die Lärmgegner fürchten sich vor Ernsteinsätzen zur Luftraumüberwachung mitten in der Nacht. Momentan ruht der Jetbetrieb in der touristischen Hochsaison im Sommer. Über das ganze Jahr verteilt, sind es insgesamt rund 15 Wochen, an denen die Jets nicht aus Unterbach starten.

Verhärtete Fronten

Mit weit über 4000 Flugbewegungen pro Jahr verletze die Luftwaffe die zurzeit gültige Lärmverordnung, sagen die Gegner. Das stimme nicht, widerspricht die Luftwaffe: «Es wurde bisher noch nicht festgelegt, wie viele Flugbewegungen nach der Lärmschutzverordnung in Meiringen zulässig sind. Dies wird Gegenstand des Lärmsanierungsverfahrens sein, das zurzeit vorbereitet wird», sagt Lorenz Frischknecht, Mediensprecher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport.

Das Verfahren zieht sich in die Länge. Politische Vorstösse, die den Fluglärm reduzieren wollen, und jene, die sich für den Erhalt des Standortes Unterbach einsetzen wollen, halten sich die Waage. Zwischen Brienz und dem Tal­ende am Kirchet sind die Fronten verhärtet. Den Argumenten von Landschaftsschutz und Tourismus stehen jene der Wirtschaft gegenüber: Rund 200 Personen arbeiten auf dem Flugplatz Meiringen. Darunter etwa 25 Lernende. Der Militärflugplatz Meiringen deckt mit einem jährlichen Beitrag von 100 000 Franken auch die Hälfte der Kosten für das Standortmarketing Region Haslital-Brienz. Ein aktiver Beitrag zur Wirtschaftsförderung, sagen die einen. Ein Zückerchen als Entschädigung für den Fluglärm, sagen Kritiker.

Die Luftwaffe sagt, man sei bemüht, den Lärm so weit wie möglich zu reduzieren. Statt in der Luft trainieren die Piloten vermehrt im Simulator. Einige Übungseinheiten absolvieren die Flieger im Ausland, etwa in Norwegen. Dies vor allem, um Nachtflüge zu trainieren.

Neu beurteilen

Für die Brienzer Hotelière Mo­nique Werro und ihre Verbündeten reicht dies nicht. Die Fluglärmgegner beharren auf dem Standpunkt, dass die hohe Konzentration der Flugbewegungen in der Region widerrechtlich sei. «Die Konsequenzen trägt vor allem die Bevölkerung. Aber auch die Wirtschaft und die Umwelt», sagt Werro. Die Fluglärmgegner verlangen mit ihrer Beschwerde nun eine Gesamtbeurteilung der Immissionen, wie Rechtsanwalt Rudolf Schaller gegenüber der «Jungfrau-Zeitung» sagt.

Wie aus den Unterlagen zur Beschwerde hervorgeht, reichen den Gegnern die bisher erfolgten Messungen und Abklärungen bei weitem nicht aus. Nebst den Lärmemissionen geht es dabei auch um die Schadstoffe, die durch die Kampfjets ausgestossen werden. Diese sind laut der Beschwerde bei den F/A-18-Jets ebenfalls um ein Vielfaches höher als bei den vorherigen Modellen. Mit einem Entscheid des Bundesgerichts ist frühstens im Sommer 2018 zu rechnen. Kurz darauf kehrt auf dem Militärflugplatz Meiringen Ruhe ein. Zumindest für einige Wochen.

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