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Cembalo und Geige waren per Du

Das Konzert zum Jahresausklang in der Spiezer Dorfkirche war ein freudiges Musik­erlebnis. Das Orchester Ostermundigen und die einheimischen Solisten Ursina Humm Zürcher und Vital Julian Frey begeisterten.

Neujahrskonzert in der Reformierten Kirche Spiez: Dirigent Bruno Leuschner, Ursina Humm Zürcher (Geige), Vital Frey (Cembalo) und das ­Orchester Ostermundigen.
Neujahrskonzert in der Reformierten Kirche Spiez: Dirigent Bruno Leuschner, Ursina Humm Zürcher (Geige), Vital Frey (Cembalo) und das ­Orchester Ostermundigen.
Markus Hubacher

Bereits beim Einstieg mit dem Concerto grosso in G-Dur von Georg Friedrich Händel wurde bald einmal klar: Hier spielt das Orchester Ostermundigen mit seinem Leiter Bruno Leuschner ein feierliches Konzert in besinnlicher Schönheit. – Das kleine Orchester reagierte auf kleinste Anregungen ihres Dirigenten. Es war ein Genuss, wie einfühlsam es auch auf die Interpretation der Solisten reagierte. Ists doch eher ungewöhnlich, dass am Konzertschluss ein Solist dem Orchester offiziell dankt: Vital Frey tat dies, indem er ihm «die Flexibilität, die man sich wünscht» ausdrücklich attestierte.

Inniges Zwiegespräch

Das Konzert für Cembalo, Violine und Streicher in F-Dur von Joseph Haydn war richtige Sonntagsmusik. Die Soloinstrumente parlierten darin freudig, temperamentvoll, doch niemals dominant. Das Thema wurde bildhaft ausdiskutiert. Ursina Humm Zürcher, die Konzertmeisterin des Orchesters von Ostermundigen, zeigte einmal mehr ihr solistisches Können. Gut intoniert, auch in den oberen Lagen, stimmte sie sich sensibel auf den Cembalopartner ein, der mit prächtigen Sopranbetonungen das musikalische Zwiegespräch individuell prägte.

Frey und sein Instrument

Das Cembalokonzert in D-Dur von Joseph Haydn, bekannt durch ausgelassene Fröhlichkeit, ist wie geschaffen für den ausgezeichneten Cembalisten Vital Frey, der auf seinem eigenen Instrument spielte, das er zärtlich liebt. Er kostete alle Klangmöglichkeiten aus. Das Publikum bewunderte und genoss eine grosse Musikerpersönlichkeit und sein kostbares Instrument. Freys Phrasierungen waren spannungsgeladen und atemberaubend. Wie im Vorbeiflug wurde gar eine schleichende Wehmut spürbar – ein eingeschobener ­Gedanke, mitten im fröhlichen Treiben.

Schliesslich leistete sich der virtuose, äusserst feinfühlige Cembalist eine imposante Kadenz, in welcher er humorvoll mit sakraler Feierlichkeit die mäch­tige Bach-Toccata einzubauen wusste. Tatsächlich verlieh der ausserordentliche Musiker dem Werk einen eigenen Charakter. Dabei konnte er sich aufs Orchester verlassen, das bei Nuancen von Temposchwankungen mitzog und mitillustrierte.

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