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«Chly ruessig, aber schön u warm»

In der alten Schmitte an der Aare in Unterseen öffnete vor achtzehn Jahren das Schmitte-Beizli seine Tür. Es war nur hin und wieder offen und wird es künftig noch weniger sein.

Die Musikanten auf dem Gygerlöibli sorgen für gute Stimmung im Schmitte-Beizli (v. l.): Fritz Lengacher, Markus Spahni, Beizer Hans Stäger und Max Fuchs.
Die Musikanten auf dem Gygerlöibli sorgen für gute Stimmung im Schmitte-Beizli (v. l.): Fritz Lengacher, Markus Spahni, Beizer Hans Stäger und Max Fuchs.
Ueli Flück

Die Stedtler – jedenfalls die alteingesessenen – kennen Stäger Housi (82). Er eröffnete 1999 zusammen mit seiner Frau Hedi und Tochter Karin in der kurz zuvor stillgelegten Schmitte im Haus Unter den Häusern Nr. 2 ein Beizli. Dieses ist zwar mit zwanzig bis dreissig Sitzplätzen eher klein, aber prädestiniert für stimmige Anlässe und gemütliche Feste. Alfred Linder, der auf dem Wydihof bauerte und Verse schmiedete, meinte zum Schmitte-Beizli: «Es Beizli vom e bsundre Charme, chli ruessig, aber schön u warm.»

Wie kommt Hans Stäger dazu, in der ehemaligen Schmiede – Bödellitüütsch: Schmitta – ein Beizli einzurichten? Housi wuchs an der Freihofstrasse im Stedtli auf und lernte nach überstandener Schulzeit bei Schmiede­meister Rudolf Rieder, dem Nachfolger von David Lehnherr, in dreieinhalb Jahren das Schmieden und Schlossern. Nach einem kurzen Abstecher ins Welschland arbeitete er im BLS-Depot in Bönigen, bis er 1961 eine Schmiede in Wilderswil in Pacht nehmen und selbstständig «gschäfte» konnte.

Zu Beginn der 1970er-Jahre konnte er den Be­trieb käuflich erwerben. Fast zur gleichen Zeit stand aber auch die Schmitte in Unterseen zum Kauf. Stäger griff auch hier zu. In der Folge und bis zu seiner Pensionierung geschäftete er in Wilderswil, den Betrieb im Stedtli vermietete er an Schmied Kurt Aegerter. Das Haus in der südlichen Häuserreihe des Altstadt­gevierts, in dem die Schmitte ebenerdig untergebracht ist, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Es ist eines der wenigen Ge­bäude, die den grossen Stadtbrand vom 5. Mai 1470 über­standen haben. Hans Stäger ruhte in seinem Ruhestand nicht. Er baute das Haus um, renovierte es nach denkmalpflegerischen Vorgaben. In der Schmitte richtete er ein Beizli ein. Amboss und Esse blieben an Ort und Stelle, ebenso Werkzeuge wie Hämmer und Zangen. Der rustikale Raum wurde einfach möbliert. 1999 wurde das Beizli eröffnet.

Dem Schmitte-Beizli wurde be­willigt, Alkohol auszuschenken. Es könnte zu jährlich 24 Freinächten einladen. Aber von Be­ginn an war es nur an bestimmten Tagen offen. Für die Öffentlichkeit eigentlich nur an Markt­tagen und besonderen Anlässen wie etwa am Altjahrsmondrischt-Höck. Für jeweils zwei bis drei Stunden öffnet der Beizer sein Beizli für Gruppen: Apéros für Hochzeiten, Klassentreffen, Fa­milienfeste, Seminare, Touristengruppen. Natürlich gibt es ein Schmitte-Kaffee und einen Am­boss-Drink. Und Schmied Stäger schmiedet Hufeisen als Glücksbringer.

Hans Stäger ist auch ein Musikus. Im 9. Schuljahr trat er in die von Götz Fredel geleitete Knabenmusik ein, in der von Fritz Althaus dirigierten Stadtmusik Unterseen wurde er ein ausgezeichneter Trompeter. Er machte in der Schillermusik mit und blies mit Musikkollegen zu­sammen am Ostersonntag den Osterhasen vom Schybeflue-Hüttli aus Tagwache. In seinem Schmitte-Beizli installierte Volksmusiker Stäger – wen wunderts? – ein Gygerlöibli. Auf diesem örgelten am vergangenen Weihnachtsmarkt Fritz Lengacher und Markus Spahni von der Kapelle Blüemlisalp Aeschi, Beizer Stäger und der nach Spiez ausgewanderte Stedtler Max Fuchs bliesen die Trompeten. Ein gemütliches Fest kam in Gang.

Und dann dies: «Das ist das letzte Mal, dass das Beizli für die Öffentlichkeit offen ist», verriet Hans Stäger. Seit jährlich nicht mehr acht, sondern nur noch drei Märkte stattfänden, rentiere es nicht mehr. Gruppen seien aber weiterhin willkommen. Keine spontanen Feste mehr im Schmitte-Beizli? Housi, überlege es dir noch einmal!

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