Oberland

«Das müssten die Wolfsbefürworter mal mit eigenen Augen sehen»

Oberland Ein neuer Wolfsvorfall – diesmal an der Kantonsgrenze – erhitzt die Gemüter bei den Schafzüchtern aufs Neue. Auch auf der Lombachalp wurde wohl eine ­Ziege Opfer des Wolfes.

Der Sigriswiler Schafzüchter Christian Saurer hat ein gerissenes Schaf zu beklagen.
Video: zvg

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Der Wolf hat offenbar wieder zugeschlagen – diesmal auf Walliser Hoheitsgebiet am Grimselpass, nur einen Kilometer südlich der Berner Kantonsgrenze: Am Mittwoch fand der Sigriswiler Schafzüchter Christian Saurer dort eines seiner 40 Schafe schwer verletzt vor – die halbe Seite vom Rücken bis zum Bauch war aufgerissen, das Tier atmete offensichtlich schwer.

«Schaf erlitt Höllenqualen»

«Bereits am Dienstagmorgen haben wir erfahren, dass der Wolf im Grimselgebiet sei. Sofort haben wir für den Mittwoch den Alpabzug organisiert.» Er habe gehofft, dass inzwischen nichts passieren möge. Doch als Saurer am Mittwoch in der Früh im Anmarsch von der Grimsel-Passhöhe zu seiner Herde um die sogenannte Chrizegge Richtung Jostsee kam, traf er auf halbem Weg als Allererstes auf die gerissene Aue. «Das Tier lebte noch, lag regungslos da und erlitt Höllenqualen. Wir mussten es schliesslich von seinen Leiden erlösen.»

«Einfach nur traurig»

Saurer ist sichtlich frustriert: «Es ist einfach nur traurig; und das alles nur wegen eines Wolfs, der hier eigentlich gar nichts zu suchen hat. Solche Sachen müssten die Wolfsbefürworter auch mal mit eigenen Augen sehen.» Dass es sich um einen Wolf handelt, steht laut Saurer aufgrund der schweren Verletzungen und deren Spuren ausser Frage.

Wallis: Abschuss angeordnet

Der zuständige Walliser Jagd­inspektor Peter Scheibler geht auf Anfrage davon aus, dass der herbeigerufene Wildhüter dem gerissenen Schaf eine DNA-Probe entnommen habe. «Bei Erstereignissen wie diesem ist das üblicherweise der Fall.» Bis das Protokoll des Wildhüters auf ­seinem Tisch liege, dauere es jedoch ein paar Tage.

Gestern Nachmittag gab der Walliser Staatsrat die Abschlussbewilligung für je einen Wolf im Goms und einen im Val d’Anniviers. Dies, nachdem in diesen Gebieten heuer über 120 Schafe gerissen worden waren.

Sous und Suls geklärt

«Inzwischen konnten auch die Schafsrisse vom 28. Juli und vom 9. August auf den Alpen Sous und Suls (Lauterbrunnental) per DNA-Nachweis dem Wolf zugeordnet werden», wie Jagdinspektor Niklaus Blatter auf telefonische Anfrage hin bestätigt; somit werden dem Wolf aus diesen Vorfällen insgesamt elf getötete Nutztiere angelastet.

Im ganzen Jahr gab es im Kanton Bern 26 durch den Wolf verursachte Nutztierverluste – eine vorgestern Mittwoch an der Lombachalp (Habkern) gerissene Ziege inbegriffen.

Der Grosse Rat lehnte Anfang Woche die Wolfsmotion von Thomas Knutti (SVP) deutlich ab. Dies löst bei den Schafzüchtern weiteres Kopfschütteln und Unverständnis aus. Christian Saurer: «Wenn das so weitergeht, verleidet mir die Schafzucht, und ich höre auf damit. Und da bin ich bei weitem nicht der Einzige.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 06.09.2018, 19:50 Uhr

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