Meiringen

«Der Bergführer wird zum Risikomanager»

MeiringenWenn heute 19 junge Bergführeraspiranten ihr Bergführerpatent erhalten, sind auch vier Oberländer dabei. Reto Schild, technischer Leiter der Schweizer Bergführerausbildung, ortet unter anderem ein höheres Risiko in diesem Beruf.

<b>Reto Schild:</b> «Bergführer zu sein, bedeutet jedoch auch, täglich viel Verant­wortung zu tragen. Ein hauptberuflicher Bergführer ist sehr viele Tage pro Jahr im Gebirge unterwegs.»

Reto Schild: «Bergführer zu sein, bedeutet jedoch auch, täglich viel Verant­wortung zu tragen. Ein hauptberuflicher Bergführer ist sehr viele Tage pro Jahr im Gebirge unterwegs.» Bild: iStock

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19 junge Bergführeraspiranten inklusive zweier Frauen werden heute Donnerstag im Hotel Rosenlaui ihr Bergführerpatent erhalten. Diese Woche haben die Aspiranten in der Region Meiringen die technischen Schlussprüfungen in Fels und Eis absolviert. Im Schweizer Bergführerverband sind die rund 1500 diplomierten Bergführer organisiert, 25 davon sind Bergführerinnen.

Sie sind professionelle Leiter von Berg-, Kletter-, Trekking-, Ski- oder Snowboardtouren und vermitteln ihren Gästen, Einzelpersonen oder Gruppen, intensive Berg- und Naturerlebnisse. Sie sind verantwortlich für die professionelle Vorbereitung und Durchführung der Tour unter spezieller Be­achtung des Sicherheitsaspekts und verfügen über eine grosse theoretische und praktische Kompetenz.

Der Bergführer ist eine kontaktfreudige, verantwortungsbewusste, physisch und psychisch belastbare Persönlichkeit – diesem Anforderungsprofil sollte er zumindest entsprechen.

Den Titel «Bergführer mit eidgenössischem Fachausweis» darf nur tragen, wer über jahrelange Bergerfahrung verfügt und die anspruchsvolle Ausbildung erfolgreich abschlossen hat. Diese dauert normalerweise drei Jahre in Kursform und kann berufs­begleitend absolviert werden.

Die Bergführerausbildung des Schweizer Bergführerverbands wird von den Gebirgskantonen Bern, Wallis und Graubünden durchgeführt. In diesem Jahr war gemäss Turnus Bern an der Reihe. Ausgebildet wird in den Berner, Urner und Walliser Alpen. Traditionellerweise findet im Bergführerkurs, dem letzten Teil der Ausbildung, auch eine Bergwoche im Mont-Blanc-Gebiet statt.

Der technische Leiter der Schweizer Bergführerausbildung, Reto Schild, wohnhaft am Hasliberg, steht dieser Zeitung Rede und Antwort.

Herr Schild, in letzter Zeit konnte man oft vernehmen, dass es zu wenig junge Alpinisten gibt, die Bergführer werden wollen. Stimmt das so?
Reto Schild: Es ist so, dass wir einen leichten Rückgang in den letzten Jahren registrieren ge­genüber den Zahlen vergangener Jahrzehnte. Im langjährigen Durchschnitt ist ein Rückgang von circa 10 Prozent festzustellen. Im Wallis wurde jedoch ge­rade ein Ausbildungslehrgang mit 30 Aspiranten gestartet. Dies ist auch auf lange Jahre eine überdurchschnittliche Anzahl.

Wie sieht es im Oberland aus?
Am diesjährigen Abschlusskurs sind mit Carla Heule, Unterseen, Reto Bricker, Reichenbach, Marc von Allmen, Lauterbrunnen, und Beat Wenger, Grindelwald, vier Oberländer dabei.

Wie wird der Nachwuchs für den Bergführerberuf gefördert?
Traditionell findet die Jugendarbeit in den SAC-Sektionen statt. Die Regionalverbände im Schweizer Bergführerverband organisieren zudem zusätzlich Vorkurse, welche finanziell vom Berner und vom Schweizer Bergführerverband unterstützt werden. Hier können sich Interessenten einschreiben. Nach dem Eintrittstest kann sich grundsätzlich jedermann zu den Aspirantenkursen, die über drei Jahre in mehreren Modulen durch­geführt werden, anmelden.

Was bedeuten die Naturgefahren unter dem Aspekt der Klima­veränderung für den Bergführer?
Die Frage kann man nicht generell beantworten. Zum einen besteht tatsächlich ein höheres Risiko. Der Bergführer wird dabei zunehmend zum Risikomanager. Er wird die Situation wie bisher auch individuell einschätzen. Zum einen werden einzelne Touren, mangels Schneedecke, ein­facher, wenn man zum Beispiel ohne Steigeisen auf solidem Fels unterwegs sein kann. Zum anderen gilt es, Routen zu wählen, wo etwa erhöhte Steinschlaggefahr umgangen werden kann.

Was erwartet die jungen Aspiranten im Berufsleben?
Bergführer zu sein, bedeutet für mich und hoffentlich auch für möglichst viele zukünftige junge Berufskollegen, im schönstmög­lichen Beruf tätig zu sein. Wir ­teilen einmalige Momente in den Bergen mit unseren Gästen. Bergführer zu sein, bedeutet jedoch auch, täglich viel Verant­wortung zu tragen. Ein hauptberuflicher Bergführer ist sehr viele Tage pro Jahr im Gebirge unterwegs. Das bedeutet Verzicht auf Komfort und ein strukturiertes Leben und verlangt unter anderem viel Toleranz vonseiten der Familie.

Brevetierungsfeier heute Donnerstag um 10.15 Uhr im Hotel Rosenlaui. (Berner Oberländer)

Erstellt: 13.09.2018, 08:02 Uhr

Reto Schild, Hasliberg, ist technischer Leiter der Schweizer Bergführerausbildung. (Bild: PD)

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