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Der Kampf für mehr Leben im Stedtli

Das Stedtli hat eine historische, schöne Altstadt. Aber hier läuft zu wenig. Dies findet nicht nur der Altstadt-Leist, sondern auch die leitenden Gremien weiterer Institutionen wie des Tourismuseums oder des Altersheims Bethania.

Die Unterseener Altstadt mit dem Restaurant Stadthaus: Viele wünschen sich in diesem Quartier mehr Betrieb.
Die Unterseener Altstadt mit dem Restaurant Stadthaus: Viele wünschen sich in diesem Quartier mehr Betrieb.
Christoph Buchs
Auch auf dem Stadthausplatz ist vielen zu wenig los.
Auch auf dem Stadthausplatz ist vielen zu wenig los.
Christoph Buchs
Wie «Klein-Venedig»: Unter den Häusern in Unterseen.
Wie «Klein-Venedig»: Unter den Häusern in Unterseen.
Christoph Buchs
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Ideen gäbe es viele, sagt Peter Wenger, Vorstandsmitglied im Altstadt-Leist und Stedtli-Historiker. Er spricht von Märitfesten als Erweiterung der bisherigen Meyen- und Augustmärkte auf dem Stadthausplatz, die samstags stattfinden sollen, mit Festwirtschaft und Musik auf dem westlichen Teil des Stadthausplatzes.

Und von einem «Klein-Venedig» an der Strasse unter den Häusern, ähnlich wie es die elsässische Stadt Colmar vermarkte. «Mit wenig Mitteln könnte man die Altstadt lebendig machen», sagt Wenger. Doch dies brauche auch die Akzeptanz der Bevölkerung.

Diese Akzeptanz scheint gegeben: Am ersten Bevölkerungsforum von vergangener Woche, das sich mit der Entwicklung der Gemeinde befasste, herrschte an sämtlichen Tischen einhellig die Meinung: In der Altstadt sollte man etwas bewegen. Wobei man in Sachen öffentlicher Platznutzung das Jahr 2016 nicht als Beispiel nehmen solle.

«Infolge des 125-Jahr-Jubiläums fanden praktisch alle Anlässe auf dem Des-Alpes-Areal Interlaken statt. Und das war auch richtig so.» Es gäbe jedoch Anlässe, so Wenger, für welche Unterseen mit dem Stadthausplatz prädestiniert sei. «Der Mittelaltermarkt zum Beispiel gehört einfach auf den Stadthausplatz und den Dreispitz.»

Am Ursprung des Tourismus

Schon aus historischer Sicht gehöre Leben in die Unterseener Altstadt, findet Wenger. «Vor 700 Jahren war sie das Zentrum auf dem Bödeli. Kultur, Märkte, das Amüsement der Adeligen – alles hat sich in diesem Quartier abgespielt.» Durch die Bedeutung von Interlaken als attraktiven Tourismusort habe Unterseen diesen Stellenwert zusehends verloren.

Ebenfalls historische Aspekte erwähnt André Dähler, Vorstandsmitglied des Tourismuseums an der oberen Gasse (siehe auch Kasten): «Die Ursprünge des Tourismus im Oberland liegen beim Stadthaus. Von Thun reisten die Gäste ostwärts bis Neuhaus – und hier war das Stadthaus die erste Gaststätte, die man anfahren konnte.»

«Wenn es dem Tourismus und der Bevölkerung etwas bringt, machen wir mit.»

Jürgen RitschardGemeindepräsident

Altersheim wünscht sich BetriebLetzten Oktober hat das Altersheim Bethania die Räumlichkeiten an der noch ruhigeren Hohmüedig verlassen und zog an den Stadthausplatz, an die obere Gasse. Und zwar nicht etwa, um hier Ruhe und Stille vorzufinden. «Im Gegenteil», sagt Stiftungsratspräsident Bernhard Bhend. «Viel Betrieb lässt unsere Bewohner auf­leben. Sie fühlen sich wohl hier, können beispielsweise für einen kurzen Abstecher in die Beiz.»

Auch die Besucherzahlen hätten zugenommen. «Je mehr hier läuft, desto besser», sagt Bhend. «Die Anlässe dürften ruhig noch zunehmen – das ist ganz im Sinn der Leute. Die Erfahrungen im ersten halben Jahr an der oberen Gasse sind durchwegs positiv.» Und würden sich die betagten Leute nach Ruhe sehnen, stünde ihnen ein schöner Garten mit Sitzplätzen zur Verfügung.

Altstadt-Leist-Präsident René Hofer hatte 2006 beziehungs­weise 2008 die Public Viewings während der Fussball-Weltmeisterschaft und -Europameisterschaft organisiert. Teilweise kamen über 3000 Personen. «Natürlich, solche Events sind heikel», sagt er. «Doch wir müssen schauen, dass die Altstadt lebt.» Positiv sei, dass in diesem Jahr Anlässe wie das World Food Festival und auch wieder das Open-Air-Kino hier stattfinden würden. Letzteres wird neu von den Chamäleon-Sessions veranstaltet, und zwar vom 10. bis 13. August.

Anwohnerin wehrt sich

Allerdings kämpfen der Leist und die Behörden mit einer unbequemen Anwohnerin. Diese habe mit ihren Einsprachen nicht nur den Biergarten mit Mikrobrauerei am Restaurant Stadthaus verhindert, sondern auch durchgesetzt, dass das Restaurant Benacus nur bis 22 Uhr ausschenken darf.

Ebenfalls verzögert sie mit einer Einsprache den Einbau von Betonriegeln auf dem Kiesweg am östlichen Ende des Stadthausplatzes, womit der Weg rollstuhlgängig gemacht werden sollte – ein Projekt, das vom Volk im September eigentlich genehmigt worden war (diese Zeitung berichtete).

Gemeindepräsident Jürgen Ritschard bestätigt, dass wegen der genannten Einsprecherin für Unterseen schon Gerichtskosten in der Höhe von mehreren Zehntausend Franken entstanden seien. Auch er wünscht sich Leben in der Altstadt. Allerdings nicht um jeden Preis – und nicht mit unbeschränkten Mitteln, die vonseiten der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden «Wir müssen das Bödeli auch von oben sehen», sagt Ritschard.

«Unsere Einwohner wollen gute Wohnqualität und ­somit auch ruhigere Plätze.» Ein paar zusätzliche Anlässe auf dem Stadthausplatz würden aber nicht schaden. «Wir werden nicht überhäuft mit Anfragen. Wenn es dem Tourismus und der Bevölkerung etwas bringt, machen wir immer mit.» Für Ernst Vögeli, Ressortvorsteher Planung, ist ein attraktiver Zugang zur Altstadt wichtig. «Die Marktgasse muss weiterhin beidseitig befahrbar sein», sagt er. «Und wir brauchen eine gute Signalisation, damit die Leute sehen, wo unsere Altstadt steht.»

Ein zentraler Punkt bleibt für Jürgen Ritschard aber, wie es mit der Post weitergeht. Aufgrund eines Verfahrensfehlers ist die Schliessung der Poststelle Unterseen aufgeschoben; der gelbe Riese muss nochmals über die Bücher (diese Zeitung berichtete).

Die Gemeinde klammere sich an diesen Strohhalm. «Von der Post hängt in Gottes Namen vieles ab», sagt Ritschard. Und dazu gehöre letztlich auch, wie viel Betrieb in den Strassen der Unterseener Altstadt herrscht.

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