Deutliches Ja zum neuen Schulhaus

Aeschi

An einer sehr gut besuchten Gemeindeversammlung stimmten die Aeschiner dem Neubau des Primarschulzentrums zu. Die Investition führt dazu, dass über eine Steuererhöhung abgestimmt wird.

Der Neubau des Primarschulzentrum Aeschi kann realisiert werden. Die Stimmbürger gaben grünes Licht.

Der Neubau des Primarschulzentrum Aeschi kann realisiert werden. Die Stimmbürger gaben grünes Licht.

(Bild: zvg)

Samuel Günter@samuel_guenter

Es war eine emotionale Diskussion am Freitagabend im Gemeindesaal Aeschi. Schliesslich ging es zum einen um viel Geld und zum anderen um die Zukunft.

Es war nur ein Geschäft traktandiert: der Neubau des Primarschulzentrums für acht Millionen Franken. Im Wissen um die Brisanz des Themas legte der Gemeinderat im Vorfeld viel Wert auf Information und führte unter anderem zwei Anlässe durch, an denen das Projekt vorgestellt wurde (wir berichteten).

Das bestehende Schulhaus soll mit einem Massivbau mit vier Geschossen – zwei davon unter der Erde – ergänzt werden.

Hier die Eckpunkte: Das bestehende Schulhaus soll mit einem Massivbau mit vier Geschossen – zwei davon unter der Erde – ergänzt werden. Zwei Stockwerke sind für Klassenzimmer vorgesehen, eines für zwei Kindergärten und das unterste – das gab am meisten zu reden – beinhaltet eine Einstellhalle mit 16 Parkplätzen plus die Haustechnik, ein Lager und den Pelletraum. Die Erschliessung beider Gebäudeteile erfolgt im verglasten Zwischentrakt.

Im bestehenden Schulhaus sind hauptsächlich Spezialnutzungen vorgesehen. So ist eine Aula, die auch als Musikzimmer genutzt werden kann, geplant. Hier sollen auch Lehrerzimmer und -arbeitsräume, die Bibliothek und ein Reservezimmer eventuell für eine allfällige Tagesschule untergebracht werden. Die Konstruktion des Neubauserlaubt es, dass er zu einem späteren Zeitpunkt falls nötig, aufgestockt werden könnte.

Steuern sollen erhöht werden

Das Ganze soll acht Millionen Franken kosten. Davon gehen rund 5,7 Millionen Franken aufs Konto des Neubaus – davon 500'000 für die Einstellhalle. Im 2015 war noch von 7,1 Millionen Franken die Rede. Die Mehrkosten erklärte Gemeinderat Daniel Reichenbach den Versammlungsteilnehmern damit, dass die Einstellhalle und die vollständige Integration des Kindergartens neu dazu kam.

Der Ausbau des Schulhaus hat neben den eigentlichen Baukosten weitere Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen, wie Reichenbach ausführte. So würden die Betriebskosten um 32'000 Franken jährlich steigen.

Weiter müssten jedes Jahr vier Prozent der Investition von 8 Millionen abgeschrieben werden, was 320'000 Franken ausmache. Und zu guter Letzt will die Gemeinde sieben Millionen fremdfinanzieren, weshalb man mit einem jährlichen Zinsaufwand von 63'000 Franken rechnen müsse.

Um dies zu tragen, will der Gemeinderat die Steuern von heute 1,69 Einheiten auf 1,79 erhöhen. «Über das stimmen wir heute aber nicht ab», erklärte Gemeindepräsidentin Jolanda Luginbühl. «Darüber werden wir an der ordentlichen Budgetversammlung entscheiden.»

Anstehende Investitionen

Die Kosten im Allgemeinen waren dann auch vielen der 237 anwesenden Stimmberechtigten ein Dorn im Auge. Ein Votant sprach von einem «Rolls Royce», den man sich da leisten wolle. Andere wiesen auf weitere grosse Ausgaben hin, die der Gemeinde ins Haus stünden.

Wie etwa die Sanierung des Gemeindehauses oder die Hochwasserverbauung Mülenen. «Wir müssen auch hier an die zukünftigen Generationen denken, die es ausbaden müssen, wenn wir uns finanziell übernehmen», meinte ein Versammlungsteilnehmer.

«Wir müssen auch hier an die zukünftigen Generationen denken, die es ausbaden müssen, wenn wir uns finanziell übernehmen.»Aus der Versammlung

Besonders das zweite Untergeschoss wurde als überflüssig kritisiert. Ja, es sei sogar ein Risiko, erklärte ein Votant. Wenn man so tief baue – er zeigte es anschaulich mit einer mitgebrachten Messstange – könne dies zu einer Destabilisierung des ursprünglichen Schulhauses führen.

Aber auch Details wurden diskutiert. Etwa die Pausenplatzgestaltung, die Positionierung der Lavabos oder die Toilletensituation. Eine Votantin gab zu bedenken, dass es um die Zukunft der Kinder gehe. «Sind wir sicher, dass das Beste für sie ist?»

Schliesslich beantragte ein Versammlungsteilnehmer die Rückweisung des Geschäfts, der Gemeinderat solle nochmals über die Bücher. Ein zweiter beantragte die Streichung des zweiten Untergeschosses und die Reduzierung des Kredits auf 7,5 Millionen Franken.

«Jetzt Ja sagen»

Es dauerte ein wenig, bis sich Befürworter der Vorlage aus der Versammlungsmitte meldeten. Aber ihr Tenor war klar: Das Projekt ist gut. «Wenn wir jetzt nicht Ja sagen, sitzen wir in zwei Jahren wieder hier und reden über ein Projekt, dass dann vielleicht zu klein ist», meinte einer.

«Wenn wir jetzt nicht Ja sagen, sitzen wir in zwei Jahren wieder hier und reden über ein Projekt, dass dann vielleicht zu klein ist.»Aus der Versammlung

Ein ehemaliges Behördenmitglied wies auf die gute finanzielle Situation der Gemeinde hin. Vor Jahren sei man stark verschuldet und die Steuern deutlich höher gewesen. «Heute können wir diese Investition stemmen.» Dies unterstützte Reichenbach. «All die vorher genannten anstehenden Investitionen sind im Investitionsplan enthalten und wurden berücksichtigt.»

Ein Antrag auf geheime Abstimmung wurde abgelehnt. Nur 55 Personen sprachen sich dafür aus. 79 wären nötig gewesen. Auch die Rückweisung und die Streichung des zweiten Untergeschosses lehnte die Versammlung wuchtig ab. In der Schlussabstimmung stimmten 170 Stimmberechtigten dem Acht-Millionen-Kredit zu.

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