Unterseen

Die Berge – 137-mal ganz anders präsentiert

UnterseenDer Berg ruft mit vielen Stimmen ins Stadthaus. In der Galerie Kunstsammlung KSU in Unterseen zeigen 51 Bergmaler 137 Gründe, warum der moderne Mensch sich nach den Bergen sehnt.

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Auf dem Bild «Im Zentrum – Unterseen» am Eingang zur Galerie sind die Berge noch schöne Kulisse für den sommerlichen Strassenzug. Es ist die gemütlichste unter den verschiedenen Varianten im Verhältnis Mensch - Technik - Landschaft, denen Bergmaler-Präsident Fredy Schaffner in der aktuellen Ausstellung «Bergwelt 2017» nachgeht.Doch schon in der Abteilung der feinen Glas- und Aquarell­bilder zeigen die Berge, dass sie auch ganz anders können.

So wirken etwa Daniel Gerhards lichte Nebelschleier zwar unglaublich zart; aber dahinter ragen ab­weisend schroffe Felsen in den Himmel. Und Sylvia Oeggerli wird mit ihrer Hinterglasmalerei explizit: Wohl nicht umsonst sind die kräftigen breiten Pinselschwünge, die an heftige Ausschläge eines Seismografen erinnern und den «Bergabhang» fast auseinanderreissen, im Rot, Gelb und Blau der Naturgefahrenkarten gehalten.

Sehnsucht hat viele Bilder

Seit Samstag zeigen 51 Bergmaler in der KSU-Galerie mit 137 Bildern eine überwältigende Vielfalt an Techniken und Themen, Perspektiven und Interpretationsweisen. Ist der Berg bei Gabriela Bovay ein Schneesturm oder ein entrückter Gipfel im Mondlicht, sind es bei Heinz Kropf die uralten Bergahorne auf der Alp oder bei Franz Bucher die Eiskaskaden eines Wasserfalls im Winter.

Holz- und Linoldrucke stehen neben verschiedensten Maltechniken, Peter Youngs fotorealistisch genaue Landschaften neben dem «Sonnen Untergang Lauter­aarhorn», den Hansjürg Bürki mit der klassischen Aquarelltechnik der Auslassung auf das Papier gezaubert hat. Und blickt Hansueli Urwyler weit über die Berge Grindelwalds in den Sternenhimmel, so geht Ulla Klaeger ganz nah ran und öffnet mit ihren Naturpigmentbildern die Tür zu den Wunderwelten in den Farben und Strukturen der verschiedenen Grindelwalder Gesteine.

Premiere eines Rinderhirtes

Jeder Bergmaler hat seinen eigenen Zugang zum Thema – und jedes Bild packt den Betrachter an einer anderen Ecke seiner Sehnsucht nach Freiheit, Geborgenheit und Natur, die Liedermacher Adi Halter an der Vernissage ­besang und die der moderne Mensch meist ebenso wenig missen mag wie die Annehmlichkeiten seines naturfernen Alltags.

Zum ersten Mal mit dabei ist Reto Lanzendörfer. Aus der Nähe wirkt die präzise Skizze vom Eiger, die ob Grindelwald in wenigen Stunden konzentrierter Arbeit entstanden ist, luftig leicht. Zwei Schritt zurück, und der Berg wird kompakt, seine Felswände erinnern daran, dass heute noch etwas von der alten Furcht vor dem Gebirge angebracht wäre. Vielleicht liegt es ­daran, dass der in Ecuador und Zürich ausgebildete Maler die Freiheit und ihre Gefahren immer wieder aus nächster Nähe ­erlebt: Im Sommer ist er jeweils Rinderhirt im Bündnerland. Dann habe er keine Zeit zu malen, sagt Lanzendörfer. «Aber gleich wie beim Malen lernt man als Hirt, zu schauen.»

Bilder im Gespräch

Den Anstoss zur Ausstellung gab Ida Sutter, Geschäftsführerin der Bergmaler-Gilde. Die Auswahl aus 200 eingereichten Werken traf eine fünfköpfige Jury. Gabriele Stähli und Ernst Hanke von der KSU schliesslich hängten sie so, dass interessante «Gespräche» zwischen Nachbarn entstehen.

So zeigt etwa Thomas Seilnacht, wie viel Bewegung sich mit den Strukturen des Linoldrucks in Eis und Felsen bringen lässt, während der Farbholzdruck des kürzlich verstorbenen Gildenkollegen Eduard Nydegger die Ruhe eines klaren Spätsommertages atmet. Und wer Carmen Wittwer Caceres’ reliefartig aufgebaute «Luftaufnahme: Gebirge in Peru» betrachtet hat, ist versucht, hinter die Felsbrocken auf Cyril de Chambriers plastisch gemaltem «Eboulis» schauen zu wollen.

Die Ausstellung «Bergwelt 2017» dauert bis zum 3. September. Öffnungszeiten: Donnerstag und Samstag 15 bis 18 Uhr, Freitag 18 bis 21 Uhr, Sonntag 11 bis 16 Uhr. 27. August von 11–12 Uhr: Matinée mit dem Trio Wendelsee.

(Berner Oberländer)

Erstellt: 14.08.2017, 06:11 Uhr

In Grindelwald gegründet

Die Gilde Schweizer Bergmaler wurde vor 29 Jahren in Grindelwald gegründet; Mitinitiant und erster Präsident war der Unterseener Gustav Ritschard. Heute zählt die Gilde 68 aktive Mitglieder aus der ganzen Schweiz; sie werden auch im soeben erschienenen Bildband «Faszination Berg – la fascination de la montagne» vorgestellt. Über die Aufnahme neuer Mitglieder entscheidet der Gildevorstand aufgrund des Antrags einer dreiköpfigen Aufnahmekommission. Voraussetzung ist eine mehrjährige künstlerische Auseinandersetzung mit der Bergwelt. Und der Künstler muss schon an Ausstellungen teilgenommen haben. shu

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