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Die letzte Chance für einen Handy-Räuber

Die allerletzte Chance bekam ein 21-jähriger Mann am Mittwoch, weil die Freiheitsstrafe von neun Monaten wegen Raubes bedingt ausgesprochen wurde.

Ein Jugendlicher stahl einem Bekannten ein Handy. Nun muss er sich deswegen vor Gericht verantworten.
Ein Jugendlicher stahl einem Bekannten ein Handy. Nun muss er sich deswegen vor Gericht verantworten.
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Vier junge Männer «chillten» am 17. Juni 2015 hinter dem Coop in Unterseen. Der Mann, der zum Treffen aufgefordert hatte, nahm dann einem andern das Handy aus der Hosentasche. Auch wenn er am Mittwoch vor Gericht etwas anderes sagte, hielt die Gerichtspräsidentin diesen Tatbestand aufgrund des Aussageverhaltens aller Beteiligten für erwiesen an.

Die vier kannten sich, doch sah sich der Handybesitzer an jenem Sommerabend gemäss seinen Aussagen bei Polizei und Staatsanwaltschaft einer bedrohlichen Mehrheit gegenüber. Die zwei andern Männer waren gute Kollegen des Handyräubers, während er eher ein Bekannter war. Anschliessend soll der Angeklagte verbal mit Schlägen gedroht haben, um den Entschlüsselungscode zu bekommen. Damit war auch die Nötigung gegeben, die es für den Tatbestand Raub braucht.

Irgendwie verhandelte man dann noch weiter: Der Handybesitzer versprach, ein anderes Handy ­holen zu gehen, um es gegen das geraubte auszutauschen. Am vereinbarten Treffpunkt beim Bahnhof West erschien dann die Kantonspolizei, die von einer Betreuungsperson alarmiert worden war.

Kein unbeschriebenes Blatt

Die Vorgeschichte des 21-jährigen Mannes tönte belastet und belastend: Kind einer gescheiterten Mischehe, ausländischer Vater ausgewiesen, Obhutsentzug, Heim, aus dem man auf Kurve geht, Jugendschiff in Deutschland, gescheiterte Lehre, wieder auf Kurve, Distanzprojekt in Mexiko, Verurteilungen durch das Jugendgericht, Kleingruppe in Frankreich, zum zweiten Mal Distanzprojekt in Mexiko.

«Er wurde mit grossem Einsatz und Geduld betreut. Man hat ihm eine Chance nach der andern gewährt», sagte die Staatsanwältin. Sie forderte deshalb eine unbedingte Strafe. Insbesondere auch, weil er schon früher wegen Raubes und Raubversuches verurteilt worden ist, bei denen er nach einem vergleichbaren Muster vorgegangen ist.

Das Gericht hatte weitere Straftatbestände zu beurteilen. Verurteilt wurde er wegen Beschimpfung. Nach einem Fussballmatch in Thun wurde er seiner Aussage nach von jemandem auf einer Parkbank attackiert. Sicherheitskräfte in Zivil trennten die Streitenden und überprüften die Personalien. Nach seiner Meinung wurde er strenger überprüft als sein Widersacher, und er beschimpfte die Polizisten.

Die Gerichtspräsidentin hielts für gegeben an, dass er dabei beleidigende Wörter brauchte. Verurteilt wurde er weiter wegen des Mittragens eines Schmetterlingsmessers in Spiez und wegen Kaufs und Besitzes eines Schlagrings ohne Bewilligung. Gleich siebenmal fuhr er in der Zeit von Dezember 2015 bis Juli 2016 erwiesenermassen ohne gültiges Billett zwischen Wimmis und Spiez und auf STI-Linien in Thun.

Unbestritten war, dass er gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen hat. Und zwar in fortlaufender Weise. Der Zeitpunkt wurde auf Ende März 2015 bis Juli 2016 festgelegt, weil er vor diesem Zeitpunkt wegen des gleichen Delikts verurteilt worden ist.

Im Bahnhof Spiez

Einen Freispruch gab es vom Tatbestand «Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung». Gegen den Angeklagten war am 31. Oktober 2015 verfügt worden, dass er sich nicht mehr im Bahnhof Spiez aufhalten dürfe – dies galt für «Gruppenansammlungen».

Per Überwachungskamera war am 3. November 2015 festgestellt worden, dass der Angeklagte mit einem Kollegen im Wartesaal war. Der Kollege warf Hundebiskuits gegen ein asiatisches Paar, und der Angeklagte amüsierte sich darüber. Die Gerichtspräsidentin entschied, dass es sich bei zwei Personen, auch wenn sie den öffentlichen Frieden durch ihr Handeln störten, um keine Gruppenansammlung handelte.

Alle Straftaten zusammengefasst ergaben eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, eine Geldstrafe von 450 Franken und eine Busse von 900 Franken. Gerichtspräsidentin Eveline Salzmann entschied sich für den bedingten Strafvollzug mit einer Probezeit von vier Jahren, auch weil sie fand, dass sich die Lage des Verurteilten nach neun Monaten Gefängnis nicht verbessern würde.

«Es ist wirklich Ihre allerletzte Chance», sagte sie zu ihm. Er ist aktuell wegen Nichtbezahlens einer früheren Busse im Regionalgefängnis. Sie wies ihn an, mit der Bewährungshilfe zusammenzuarbeiten.

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