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Dreifache Audienz bei der Königin

An der vorletzten Vesper dieses Jahres waren alle Orgelbegeisterten zur dreifachen Audienz bei der Königin der Instrumente eingeladen.

Die drei Organisten in Unterseen vor der ältesten Orgel (v.l.): David Abgottspon, Martin Heim und Felix Gerber.
Die drei Organisten in Unterseen vor der ältesten Orgel (v.l.): David Abgottspon, Martin Heim und Felix Gerber.
Orith Tempelman

Mozart schrieb in einem Brief an seinen Vater (1777): «Die Orgel ist doch in meinen Augen und Ohren der König aller Instrumente.» Am Samstag war auf dem Bödeli erstmals Gelegenheit, den drei lokalen Königen – oder Königinnen, wie es heute korrekterweise heisst – einen Besuch abzustatten.

Was aus dem Stadtberner Konzertkalender schon längst nicht mehr wegzudenken ist – der alljährliche erfolgreiche und publikumswirksame Orgelspaziergang – könnte zukünftig auch auf dem Bödeli zur Tradition werden. Trotz des garstigen Wetters hatten viele Orgelbegeisterte der Einladung zum Spaziergang Folge geleistet.

Ein dreifacher roter Faden

Ihre Aufwartung machten sie zuerst bei der jüngsten Königin, der 1990 erbauten und 28 Register umfassenden Orgel der katholischen Kirche. Nach einer kurzen Einführung durch Christine Thöni, eine der Organisatorinnen der Vesperkonzerte, spielte David Abgottspon eine abrupt abreissende – da unvollendete – Fantasie und Fuge von Johann Sebastian Bach. Danach zeigte er den Anwesenden einen dreifachen roten Faden, dem sie in allen drei Stationen ihres Spaziergangs würden folgen können – Werke von Johann Sebastian Bach, den Choral «Wer nur den lieben Gott lässt walten» und einige der insgesamt 409 Werke über die Tonfolge B-A-C-H von 330 verschiedenen Komponisten. In der katholischen Kirche war das Spielen von Franz Liszts virtuosem Präludium und der Fuge über dieses Thema wegen des grossen Nachhalls eine echte Herausforderung für den Organisten – und vielleicht auch für die Ohren der Zuhörer.

Der Spaziergang zur zweitältesten Königin, jene der Schlosskirche, betrug nur wenige Meter. Hier spielte Felix Gerber ein Programm, das sich nahtlos an das vorgängige anschloss. Vor allem in César Francks Choral Nr. 2 konnte er die vielen Klangfarben der 46 Register umfassenden Orgel vorführen und eine Probe seiner Virtuosität liefern. Nach einem Imbiss mit Züpfe und Hobelkäse im Futura bei der Kirche Unterseen kamen all jene, die dem Hudelwetter getrotzt hatten, in den Genuss des dritten Kurzkonzerts, diesmal auf der ältesten der drei Orgeln mit dem ältesten der drei Organisten, Martin Heim. Auch er folgte dem roten Faden mit Choralvariationen über «Wer nur den lieben Gott lässt walten» und Bearbeitungen der Tonfolge B-A-C-H.

Krönender Abschluss

Was in der katholischen Kirche an Nachhall als zu viel empfunden worden war, wurde hier eher vermisst. Trotzdem war Bachs Toccata und Fuge in F-Dur ein krönender Abschluss des Spaziergangs.

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