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Ein gelungenes Wagnis zur Eröffnung

Das 7. Swiss Chamber Music Festival wartete zu Beginn mit einer Überraschung auf. Die Camerata Bern musizierte mit dem Appenzeller (Volks-)Musikgenie Noldi Alder.

Der Appenzeller Noldi Alder (Bildmitte) und die Camerata Bern bildeten in der reformierten Kirche Adelboden trotz vermeintlicher Gegensätze eine musikalische Einheit.
Der Appenzeller Noldi Alder (Bildmitte) und die Camerata Bern bildeten in der reformierten Kirche Adelboden trotz vermeintlicher Gegensätze eine musikalische Einheit.
zvg

Die Glückszahl Sieben hat es den Organisatoren des Swiss Music Chamber Festival angetan. Die siebte Auflage der Adelbodner Konzertreihe junger Musiker, im Herbst 2011 von Professor Jörg Conrad ins Leben gerufen, gab der heutigen künstlerischen Leiterin Christine Lüthi den Mut, ­etwas noch nie Dagewesenes zu inszenieren.

Am Eröffnungsabend vom Freitag fanden nicht ausschliesslich klassische Elemente ihren Platz, sondern es waren auch volkstümliche und tänzerische Seiten der Musik zu hören. Das Premierenpublikum zeigte sich in der reformierten Kirche begeistert vom gemeinsamen Nenner der eigentlich andersartigen Musikrichtungen. Die brillanten Musiker der Camerata Bern harmonierten in ungeahnter Weise mit Noldi Alder, dem jodelnden Appenzeller Hackbrettvirtuosen, der selbst sogar einmal zur Geige griff.

Sie fanden sich

Das grosse Können der Camerata Bern unter der Leitung von Susan Meesun Hong Coleman war im Voraus bekannt, doch übertönte zu Beginn beim «Türken-Marsch» von Jean-Baptiste Lully die gewaltige Wucht der Streicherübermacht den am Hackbrett spielenden Einzelkämpfer Noldi Alder. Diese Feststellung trog zum Glück, denn im Laufe des Abends fanden die Musiker immer besser zueinander, und das tonale Gleichgewicht wurde gefunden.

Dem Konzertslogan «Volk, tanzt! – Tanzboden in Adelboden» entsprechend folgten der «Mückentanz» von Béla Bartók sowie die «Marosszéker Tänze» von Zoltán Kodály und Sándor Veress. Für Alder galten diese Klänge ohne richtigen Partner als untanzbar. Mit einer guten Choreografie wäre es einem Ballettkorps oder einer ungarischen Volkstanzgruppe möglich gewesen, die Musik in Bewegung umzusetzen. Doch Noldi Alder machte es musikalisch und faszinierte im zweiten Stück mit einem fulminanten Hackbrettsolo, das selbst die Mitglieder der Camerata zum staunenden Zuhören zwang.

Einheit trotz Gegensätzen

Alder, der auch ein begnadeter Komponist und Arrangeur ist, gelang es, bei seinen eigenen Kompositionen ein starkes Band zur Camerata zu bilden. Das Orchester verstand es dabei, mit einfühlsamer Begleitung das Appenzeller Zäuerli des Solisten diskret zu begleiten. Und als grosse Überraschung konnte sich das Orchester in die Innerrhoder Mentalität einfühlen, um beim «Kafiwasser» perfekte Volksmusik bis zum ­typischen Schlussakkord zu spielen.

Der Konzertabend bewies, dass zwei unterschiedliche Musikrichtungen eine Einheit bilden können. Noldi Alder, der auch als Enfant terrible der Schweizer Volksmusik gilt, kann provozieren; aber diese kreativen Abweichungen vom «Normalen» bringen neuen Schwung in festgefahrene Pfade. Das Wagnis, aus zwei Komponenten eine Einheit zu bilden, ist gelungen, und das Eröffnungskonzert bleibt wegweisend und kann als grosser Erfolg verzeichnet werden.

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