Beatenberg

Ein Leben für die Niederhornbahn

BeatenbergAm Donnerstag verbringt Fritz Bieri seinen letzten Arbeitstag als Technischer Leiter der Niederhornbahn AG. Er hat den Wandel der Technik während der letzten 45 Jahre hautnah miterlebt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er ist ein Mann, der in seinem Leben nie eine Stellenbewerbung schreiben musste: 45 Jahre und zwei Monate nach seiner Einstellung als Gleiskontrolleur bei der damaligen Thunersee-Beatenberg-Bahn – der heutigen Niederhornbahn – leistet Fritz Bieri (61) am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag.

«Ja, damals herrschten auf dem Arbeitsmarkt noch ganz andere Verhältnisse. So sprachen in meinem letzten Schuljahr einige Arbeitgeber bei mir vor und präsentierten mir ihr Geschäft, in der Hoffnung, mich bald als Lehrling einstellen zu dürfen», erinnert sich Bieri.

Emotionen um «Blümlisalp»

Angefangen hatte alles aber noch zwei Jahre früher; da wurde der damals 14-jährige Fritz mit Teilpensum als «Ländterbueb» engagiert, als welcher er am 1. August 1971 mit Tränen in den ­Augen ein letztes Mal den Raddampfer Blümlisalp ländtete, bevor dieser für zwei Jahrzehnte auf dem Schiffsfriedhof beim ­Lachen deponiert wurde. «Und wenn ich schon der Letzte war, der die Blümlisalp verabschiedete, musste ich dann auch der Erste sein, der sie anlässlich ihrer zweiten Jungfernfahrt am 22. Mai 1992 wieder in der Beatenbucht in Empfang nahm – wieder ein sehr emotioneller Moment.»

Seine ersten 11 Jahre in Diensten der Niederhornbahn arbeitete Fritz Bieri als Kondukteur und Bahnmeister, ehe er ab 1983 bis zum heutigen Tag die technische Leitung unter sich hatte. «Diese Position erfordert grosse Flexibilität, denn bei einer Panne an einer Anlage oder irgendeinem Automaten muss schnellstmöglich reagiert werden – selbst am Wochenende.»

Der chronische Zeitdruck

Die ständige Erreichbarkeit sei nicht jedermanns Sache, und der Pikettdienst beeinflusse das Privatleben direkt, indem beispielsweise ein Vereinsleben nicht gepflegt werden könne. «Was mich aber in den letzten Jahren am meisten belastete, waren die ständig zunehmenden adminis­trativen Arbeiten und der vermehrt chronische Zeitdruck. Diesen hasse ich, auch wenn ich die Arbeit an und für sich sehr liebe.»

Früher habe es noch nicht mal Funkgeräte gegeben – Mobiltelefone sowieso nicht. «Zur Überwachung des Einmannbetriebs in den Randstunden hörte ich immer Radio DRS 1 auf der Niederhornfrequenz. Und wenn der Sender, der dieselbe Stromspeisung hatte wie die Bergbahn, ausfiel, wusste ich, dass ich sofort ausrücken muss.»

Bieri erlebte auch den technischen Fortschritt an vorderster Front mit. So war er auch in die Planung der neuen Gruppenumlaufbahn involviert, die seit 21 Jahren von Beatenberg auf den Gipfel des Niederhorns fährt.

Endlich länger Urlaub

Nun ist also Schluss; mit 61 Jahren geht Fritz Bieri heute Abend frühzeitig und auf eigenen Wunsch in den Ruhestand. «Eigentlich viel eher in den Unruhestand. So will ich nächsten Sommer mit meiner Ehefrau Christine für paar Wochen nach Skandinavien reisen. Es werden meine ersten Ferien seit 47 Jahren sein, die länger als nur zwei Wochen dauern; das war damals im 9. Schuljahr.»

Auch für seine sechs Grosskinder wird Bieri jetzt Zeit haben. Und für die Fotografie. Über diese informiert seine Website, welche er gemeinsam mit seinem Freund Heinz Rieder betreibt.

(Berner Oberländer)

Erstellt: 29.11.2017, 18:27 Uhr

Artikel zum Thema

Mehr Komfort mit dem neuen Umlaufseil

Beatenberg Zwei Wochen lang dauerte das Auswechseln des Umlaufseils der Gruppenumlaufbahn aufs Niederhorn. Am Donerstag war grosser Spleisstag, am Freitag folgen die ersten Testfahrten. Am Karfreitag starten Bahn und Berghaus in die Sommersaison. Mehr...

Alpen von Erwärmung besonders betroffen

Thun/Spiez «Was da gerade abgeht, ist ohnegleichen», sagt der renommierte deutsche Naturfotograf Bernd Römmelt über die Folgen des Klimawandels in den Alpen. Mehr...

Das Geschäft in luftiger Höhe

Interlaken Die Welt ist bunt in Interlaken, besonders am Himmel, wenn Dutzende Gleitschirmflieger ihre Kreise ziehen. Viele davon sind Tandem-Gleitschirmpiloten, die Gästen aus aller Welt Höhen­flüge bescheren. Doch es geht nicht nur um Emotionen: es ist ein grosses Geschäft und ein Wirtschaftsfaktor für die Region. Mehr...

Paid Post

Freizeit und Reisen

Viele Ausflugsziele für den «goldenen Herbst» finden Sie in der aktuellen SBB Zeitungsbeilage «Freizeit und Reisen».

Kommentare

Blogs

Nachspielzeit Über-Coach Christian Constantin

Loubegaffer: Missen-Alarm in Bern

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...