Ein Tropfen oder zwei Fliegen?

Vertreter der Umweltverbände WWF, Landschaftsschutz Schweiz und Grimselverein diskutierten im Alpinen Museum das geplante Triftprojekt. Einig wurden sie sich nicht.

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Nathalie Günter@nathalieguenter

«Bruderzwist an der Trift» titelte diese Zeitung Anfang April. Beim Triftprojekt im Gadmental – mit Stausee und Wasserkraftwerk – sind nicht die Kraftwerke Oberhasli (KWO) AG und die Umweltverbände uneins, sondern die Umweltverbände unter sich.

Während viele grosse in der Begleitgruppe mitarbeiteten, hielt sich der Grimselverein zurück und reichte zusammen mit Aqua Viva eine Einsprache gegen das Konzessionsgesuch ein.

Magisch und dynamisch

Stehen die Einsprecher also allein auf weiter Flur mit ihrer ­Kritik am Projekt? «Am Anfang heisst es, die spinnen, die sind nicht ganz gebacken», sagte Hans Anderegg vom Grimselverein am Dienstag anlässlich der Podiumsdiskussion im Alpinen Museum in Bern.

Zusammen mit Lene Petersen vom WWF und Raimund Rodewald von Landschaftsschutz Schweiz stand er Rede und Antwort. Lene Petersen konnte Andereggs Aussage nicht bestätigen. «Es ist gerechtfertigt, dass dieser Diskurs geführt wird.»

Ihr Verband hat sich für ein Mitmachen in der Begleitgruppe entschieden, ebenso Landschaftschutz Schweiz. «Eine Magie des Berges herrscht, wenn man zum Triftgletscher hinaufsteigt», so umschreibt Rodewald die hoch­alpine Landschaft beim Trift­gletscher. Und dynamisch sei es. «Und genauso dynamisch war auch der Prozess in der Begleitgruppe.»

Er habe noch nie erlebt, dass Umweltverbände so früh ­involviert worden seien, es habe ein «Mentalitätswechsel» stattgefunden. «Wir fanden, dass wir in der Begleitgruppe mehr be­einflussen können als auf dem ­juristischen Weg», so Rodewald.

Denn: Das Gebiet steht nicht unter Schutz, was ein juristisches Vorgehen schwierig macht. «Das wurde in den 1980er-, 1990er- Jahren verpasst», so Rodewald.

Man habe in der Begleitgruppe intensivst diskutiert, eine harte Debatte geführt. Das bestätigte auch Lene Petersen. Und betonte: «Wir haben das Projekt akzeptiert, nicht aktiv vorangetrieben.» Man habe weit mehr erreicht, als man es auf dem juristischen Weg hätte tun können.

Keine Handhabe

Lieber ein grosses Kraftwerk als viele kleine, das ist die Hoffnung und Forderung der Umweltverbände in der Begleitgruppe an die Politik. Schwarz auf weiss haben sie dies allerdings nicht. Dafür Zugeständnisse der KWO an kilometerweite Revitalisierungsmassnahmen und Vernetzung von Lebensräumen im Gadmental.

«Wir werden euch beim Wort nehmen», sagte Petersen, auch an einige anwesende Grossräte gewandt. Die juristische Grundlage wird auch den Einsprechern fehlen. Anderegg will sich auf die Kraft der Argumente verlassen. «Die Gerichte sind noch weit weg.»

Das Trift-Wasserkraftwerk regle die Ausbauziele der kantonalen Energiestrategie auf einen Schlag, finden die einen. «Ein Tropfen auf den heissen Stein sei es», findet hingegen Hans Anderegg, der ob der Ausführungen seiner Gesprächspartner des Öfteren den Kopf schüttelte.

Würden die Atomkraftwerke wie geplant zurückgebaut, würde die Wasserkraft nur ein Siebtel des benötigten Stroms decken. «Am besten produzieren wir gleich von Anfang an sieben Siebtel anders», so Anderegg. Und sprach immer wieder vom Potenzial von Solarpanels an Häuserfassaden. Rodewald stimmte Anderegg zu und machte eine Kampfansage: «Wir werden uns dagegen wehren, dass in der Schweiz beliebig Wasser für die Stromerzeugung genutzt wird.»

Und trotz dem anfangs erwähnten Mentalitätswechsel wurmt ihn etwas: Im Verlaufe des Bundesgerichtsverfahrens rund um die Erhöhung des Grimselsees (KWO Plus) sei das Trift­projekt auch als Alternative kommunziert worden. «Die KWO kann nun mit zwei Karten spielen, das ist für mich enttäuschend.»

Berner Oberländer

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