Eine Fundgrube von Mineralien

Berner Oberland: Nicht nur landschaftlich, sondern auch geo­logisch gesehen ist es ein wahres Paradies mit einer kaum überschaubaren Fülle verschiedener Mineralienschätze. Und einigen Besonderheiten sowie einem geheimnisvollen Granit.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was das Berner Oberland und insbesondere die Jungfrauregion geologisch und mineralogisch so besonders macht, ist der komplexe Aufbau der Alpen. So sind im inneralpinen Bereich Tiefengesteine aufgeschlossen wie etwa der Grimselgranit und viele weitere kristalline Gesteinsformen.

Weiter gegen Norden und in den Voralpen herrschen Sediment­gesteine aus früheren Urmeeren vor und natürlich gewaltige, jüngere und ältere Schutt- und Geröllmassen, welche Gletscher und Gewässer mit ihrer Erosionskraft aus den Bergen heraustrugen.

Rätselhafter Felsblock

Vereinfacht gesagt lassen sich in gewissen Schichten der Sedimentgesteine jahrmillionenalte Fossilien, also Versteinerungen von Tieren und Pflanzen, finden, während im kristallinen Gebiet Fossilien fehlen, dafür aber die Chance besteht, beispielsweise Bergkristalle zu finden.

Spannend ist auch der Grenzbereich, wo die kalkhaltigen Sedimentgesteine mit dem heissen Tiefengestein in Berührung kamen und durch die gewaltige Erhitzung teilweise in Marmor umgewandelt wurden. Zeuge dafür ist der Grindelwalder Marmor.

Die Herkunft dieses ungeheuren Felsblocks ist unbekannt. Wissenschaftliche Datierungen  geben dem Brocken ein Alter von 270 Millionen Jahren.

Über die gesamte von eiszeitlichen Gletschern geformte Jungfrauregion verstreut liegen Findlinge, von den abgeschmolzenen Gletschern zurückgelassene Felsbrocken, deren Zusammensetzung ihre Herkunft meist gut verrät. Nicht aber der rätselhafte Habkerngranit des sogenannten Luegibodenblocks.

Die Herkunft dieses ungeheuren Felsblocks, der als Europas grösster Findling gilt, ist unbekannt. Wissenschaftliche Datierungen geben dem Brocken unweit von Habkern ein Alter von 270 Millionen Jahren. Damals gab es noch keine Alpen. Der Habkerngranit entstammt einem Gebirge, das nicht mehr existiert!

Kugeln und Kristalle

Eine weitere Besonderheit findet sich ebenfalls in der Region Habkern: Barytkugeln aus dem Lombach. Die in der Regel vier bis fünf Zentimeter grossen Steinkugeln fallen durch ihr Gewicht auf, das auf den hohen Anteil an Schwerspat (Baryt) zurückzuführen ist. Entzweigesägt offenbart sich ein sternförmiger Kern mit skurrilen Formen.

Löst man den Calcit darin mit Salzsäure heraus, werden schöne Barytkriställchen freigelegt. Barytkugeln sind aber sehr selten, und das Fundgebiet ist intensiv abgesucht.

Unerwartet mag für viele sein, dass schöne Quarzkristalle auch in Gebieten mit Sedimentgestein vorkommen. Bekannt dafür sind etwa die Oehrliquarze von der Schwalmeren über dem Saxettal. Fundstellen für kleinere Bergkristalle und Kristallstüfchen gibt es auch am Männlichen, am Schilthorn, im oberen Lauterbrunnental und nebst vielen weiteren Orten sogar in der Balmholzgrube am rechten Thunerseeufer, unweit der Beatus-Tropfsteinhöhlen.

Fazit: Das Berner Oberland ist immer und (fast) überall für eine mineralogische Überraschung gut.

Quelle: «Die Jungfrau-Region im Berner Oberland» von William Lergier und Thomas Burri, in «Lapis», 6/2003, Seite 13–43. (Berner Oberländer)

Erstellt: 28.09.2016, 06:04 Uhr

Artikel zum Thema

Natürliches Fenster zur Geschichte der Erde

Urbachtal: Kein Name passt besser zum wunderschönen Talkessel bei Innertkirchen. Von den wuchtigen Engelhörnern zieht es sich bis zum Gauligletscher und erlaubt einmalige Einblicke in die Erdgeschichte. Mehr...

Auf der langen Suche nach den funkelnden Schätzen

Der Berg ruft: Magisch ziehen Quarzkristalle die Menschen ins Gebirge. Schon seit Jahrhunderten. Doch um wirklich fündig zu werden, muss man heute ins Extremgelände. Oder in die Vorfelder von schmelzenden Gletschern. Mehr...

Paid Post

Zirkus mal anders

Lassen Sie Ihre Kinder, Grosskinder oder Patenkinder im Family Circus Bühnenluft schnuppern!

Kommentare

Blogs

Das Einhorn der Woche

Foodblog Libanesisch im Schnellzugstempo

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Die Welt in Bildern

Riesig hohe Surfwellen: Vor der portugisischen Küste befindet sich im Meer der Nazare Canyon eine über 230 Kilometer lange Schlucht mit einer Tiefe von bis zu 5000 Metern, deshalb entstehen hier die beliebten Wellen.
(Bild: Rafael Marchante) Mehr...