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Eine Gemeinde trauert um ihren Ehrenbürger

Ernst Schläppi ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Der vielseitig interessierte und tätige ehemalige Unterseer Gemeindepräsident hinterlässt eine grosse Lücke.

Hat über die Grenzen der obersten Stadt an der Aare hinaus gewirkt: Ernst Schläppi.
Hat über die Grenzen der obersten Stadt an der Aare hinaus gewirkt: Ernst Schläppi.
Archiv/Ueli Flück

Ernst Schläppi war eine aussergewöhnliche, vielseitig begabte und interessierte Persönlichkeit. Der in Emdthal (Gemeinde Aeschi) Aufgewachsene bildete sich zum Sekundarlehrer, Organisten und Kantor aus, wurde 1950 Schulmeister an der Sek Unterseen und 1961 zum Schulinspektor gewählt.

In den ersten 15 Jahren betreute er die Kreise Nieder- und Obersimmental, Saanenland, Thun Land und Thun Stadt, 1976 übernahm er die Amtsbezirke Interlaken und Oberhasli. Und er hinterliess deutliche Spuren im bernischen Bildungswesen. Unter anderem bearbeitete er im Auftrag der Erziehungsdirektion verschiedene Dossiers.

Ehrenbürgerrecht als Dank

Von 1955 bis 1966 gehörte Ernst Schläppi als Vertreter der SP, die er von 1961 bis 1966 präsidierte, dem Gemeinderat Unterseen an und betreute das Ressort Finanzen. Dann wurde er als Nachfolger von Fritz Oester zum Gemeindepräsidenten gewählt. Er blieb es 22 Jahre lang. Was Ernst Schläppi für das Stedtli und darüber hinaus leistete, ist beeindruckend. 2009 dankte ihm die Gemeinde mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts.

Autor historischer Werke

Als das Stedtli 1979 den 700. Geburtstag feierte, begnügte sich Ernst Schläppi nicht damit, die Delegationen aller an der Aare gelegenen Städte und Städtchen zu begrüssen, er schrieb ein Festspiel und fasste die Geschichte Unterseens «von den Anfängen bis zur Reformation» in einem Buch zusammen. Nach einigen kleineren Schriften erschienen in den 1990er-Jahren eine Chronik sowie zwei Bände zu Geschichte der Einwohner- und der Kirchgemeinde Leissigen. Im Jahr 2000 wurde das Werk «Vom Freiheitstraum zum Glaubensstreit» über die Reformationszeit im Berner Oberland vorgestellt.

2005 legte Schläppi zum Jubiläum «100 Jahre Spital Interlaken in Unterseen» den Band «Von der Badestube zum Spitalzentrum» vor. Eine Entwicklung, die der Autor als Mitglied der Spitalkommission (1960 bis 1999) hautnah miterlebt hat. Als Krönung der historischen Werke aus Ernst Schläppis Feder erschienen 2008 die beiden umfangreichen Bände «Unterseen im alten Bern» und «Unterseen im neuen Kanton».

Während Jahrzehnten war Ernst Schläppi Organist in der Stedtli-Kirche. Als Dirigent der Freien Chorvereinigung Interlaken–Unterseen (Schläppi-Chor) lud er zwischen 1956 und 1989 zu 26 grossen Konzerten (meist in der Kirche Unterseen) ein. Zudem organisierte er zusammen mit Helferinnen und Helfern rund 200 Abendmusiken, zum Teil mit namhaften Künstlern.

Der Liebe wegen gezügelt

Warum kam der junge Lehrer Ernst Schläppi nach Unterseen? Wegen der Lehrerin Margrit Brawand im Schulhaus am Stadthausplatz. Der Sekundarlehrer und die Primarlehrerin (die 1986 als erste Frau die später den bernischen Grossen Rat präsidieren sollte) heirateten 1956. Sie wurden stolze Eltern eines Sohnes und dreier Töchter. Ernst und Margrit Schläppi-Brawand durften sich an zehn Gross- und drei Urgrosskindern freuen.

Am Abend des 9. Januar ist Ernst Schläppi, der am kommenden 14. März 94 Jahre alt geworden wäre, in seinem Heim an der Schulhausstrasse 15 friedlich eingeschlafen. Er hinterlässt eine grosse Lücke.

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