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Endlich Bewegung im Palace-Drama

Ein Entscheid des Bundesgerichts und die Gründung der Palace Avenir AG hauchen dem leeren Palace-Hotel wohl bald wieder Leben ein. Denn die Avenir AG verfügt über einen Trumpf: Sie hat die Nutzungsrechte erworben, die die Zukunft des Hauses verbauten.

Erstarrt wie im Winterschlaf: Das geschlossene Palace-Hotel in Mürren, welches vor sieben Jahren in Konkurs ging.
Erstarrt wie im Winterschlaf: Das geschlossene Palace-Hotel in Mürren, welches vor sieben Jahren in Konkurs ging.
Markus Hubacher

Vielleicht erwacht das legendäre Palace-Hotel in Mürren noch in diesem Jahr aus seinem Dornröschenschlaf. Sieben Saisons lang bröckelt die Nobelherberge seit dem Konkurs 2009 nun schon ­zugesperrt vor sich hin – an aussichtsreichster Lage mitten im Dorf. Es ist ein Jammer. Das Palace sendet ein ungutes Signal des Stillstands aus.

Klage wandert endlich weiter

Aber jetzt gibt es endlich wieder Bewegung im verfahrenen Drama um das älteste Palace-Hotel der Schweiz. Das Bundesgericht hat der letzten hängigen Klage, die einer Versteigerung der Nobelruine noch im Weg steht, wieder etwas Schub verliehen. Es geht um eine sogenannte Kollokationsklage, mit der die frühere Besitzerin des Palace, die Unternehmerin Svetlana Kan (51) aus Kasachstan, Geld aus der Konkursmasse des Hauses beansprucht. Nachdem das Regionalgericht Thun Kans Begehren abgewiesen hatte, legte ihr Anwalt Hugo Feuz Rekurs ein.

Warten auf das Obergericht

Feuz bestätigt nun gegenüber dieser Zeitung, dass das Bundesgericht einen Gerichtskostenvorschuss abgesenkt hat, den das Obergericht des Kantons Bern für die weitere Behandlung der Klage «in nicht nachvollzieh­barer Höhe» festgelegt habe. Die Klage liegt jetzt beim Obergericht. Sobald dieses im Laufe des Frühjahrs Svetlana Kans Ansprüche geklärt hat, kann der Konkursverwalter das Palace unter den Hammer bringen.

In Mürren schiebt man die Hauptverantwortung an der Palace-Pleite gern der Unternehmerin aus dem zentralasiatischen Erdölstaat zu. Sie hat das Palace 2008 dem umtriebigen Unternehmer René C. Jäggi (68) abgekauft, der früher als Präsident des FC Basel oder als Adidas-Kadermann Furore machte. Jäggi und dann Kan, beide schillernde Figuren, haben im Palace viel Geld verspielt. Zum Niedergang des einst glanzvollen Hauses haben aber auch lokale Player mit ihren Fehleinschätzungen und ihrer Gier beigetragen.

Lokale AG sichert sich Rechte

Mürrener fürchten, dass sich an der Versteigerung wieder «lusche» Investoren aus dem In- oder Ausland das Palace unter den Nagel reissen könnten. Damit das nicht passiert, haben lokale Kreise im Herbst die Palace Avenir AG ­gegründet. Das bestätigt deren Verwaltungsratspräsident Peter Wirth, einst Sanierer der Bieler Maschinenherstellerin Mikron AG. Die Existenz der Avenir AG ist die zweite gute Nachricht für das Palace. Denn die neue Firma verfügt über einen Trumpf, der ihr bei der Diskussion über die Zukunft des Palace eine besondere Mitsprache garantiert.

Die Avenir AG hat nämlich laut Peter Wirth für gut eine Million Franken die Londoner Palace Mürren Title Limited (Ltd.) aufgekauft und sich damit deren ­umfassende Nutzniessungsrechte am Palace Hotel gesichert. Der Hintergrund: Um zu Geld zu kommen, hatte der frühere Palace-Eigner René C. Jäggi 1998 ­Aktien des schlecht laufenden Hotels an sogenannte Time­sharer verkauft. Ein Timesharer erwirbt sich mit einer grösseren Anzahlung ein Teilzeitwohnrecht in einem Hotel oder einer Ferienanlage. Die mehrheitlich britischen Timesharer, zu denen auch Jäggi selber gehört, organisierten sich in der Title Ltd.

Die langfristigen Wohnansprüche ihrer Teilhaber liess sich die Title Ltd. durch die erwähnten Nutzniessungsrechte absichern. Diese sind im Grundbuch der ­Gemeinde Lauterbrunnen festgeschrieben und gelten bis ins ferne Jahr 2041. Sie sind so umfassend, dass sie jede Umgestaltung des Hotels verhindern.

16 gewichtige Aktionäre

«Ein Käufer kommt an uns von der Avenir AG nicht vorbei, er muss sich mit uns über diese Nutzungsrechte einigen», erklärt ­Peter Wirth. Das Ziel der Auffanggesellschaft sei nicht, das Palace selber zu betreiben, sondern «die juristischen Altlasten zu bereinigen», das Hotel aus der Konkursmasse zu erwerben und es dann einem Investor zuzuführen. Wer steht hinter der Avenir AG, die imstande war, über eine Million Franken aufzubringen? ­

VR-Präsident Wirth spricht von einer überschaubaren Gruppe von 16 Aktionären, unter denen Institutionen und Firmen in Mürren sowie auswärtige Grundbesitzer und Gäste sind. Kein Aktionär habe eine dominante Rolle, sagt der Seeländer Wirth, der in Mürren eine Wohnung besitzt. Geschäftsführer der Avenir AG ist der Mürrener Tourismus­direktor Samuel Bichsel.

Wirth kann noch eine weitere Mürrener Befürchtung zerstreuen: dass René C. Jäggi wieder das Szepter im Palace übernehmen könnte. Verhandlungspartner beim Kauf der Title Ltd. sei nicht der ehemalige Palace-Besitzer und Timesharer Jäggi gewesen, sondern der englische Vereinsvorstand.

Balance am Abgrund

Ende gut, alles gut? Nicht ganz. Das in seiner Ära empfindlich amputierte Palace ist mit seinen 90 eher klein bemessenen Hotelzimmern keine heiss begehrte Perle. Schon die 2015 geschaffene Palace-Taskforce, eine Vorläuferin der Avenir AG, hat erfolglos einen Investor für eine Übernahme gesucht. Wenn das Palace wieder seine Tore öffnen sollte, wird es den rauen Wind im Tourismusbusiness zu spüren bekommen.

Der autofreie Höhenkurort Mürren ist keine alpine Grossdestination, sondern ein Nischenstandort. Er ist zwar im Sommer und Winter gefragt, das höchstgelegene Berner Dorf balanciert aber am Abgrund des Lauterbrunnentals auf einem schmalen Grat zwischen Wachstum und Stagnation.

Zwar sind Peter Wirth und ­Samuel Bichsel überzeugt, dass Mürren bei Hotelbetten im oberen Kundensegment Nachholbedarf hat. Aber eben wurde das unweit des Palace geplante Apartment-Hotelprojekt «The Myrrhen» mit 262 Betten der oberen Preisklasse vorerst ausgebremst.

Die kantonale Baudirektion hat die Beschwerden von Anwohnern gegen die Anlage mit vier Grosschalets gutgeheissen. Rund 200 Bewohner und Grundbesitzer im Dorf wehrten sich dagegen mit einer Petition. Ein wieder eröffnetes Palace könnte im Dorf mehr Rückhalt haben. Weil es noch aus der glanzvollen Ära stammt, als Mürren ein Pionierort des Wintersports war.

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