Entführte Mädchen aus Ägypten zurück in der Schweiz

Interlaken

Zwei im Jahre 2014 von ihrem Vater nach Ägypten entführte Mädchen sind am Wochenende wieder ins Berner Oberland zurückgekehrt. Eine mehrjährige Odyssee nimmt damit ihr glückliches Ende.

Karin Trachsel-Amin (rechts, hier zusammen mit ihrem Bruder Thomas Trachsel) wurde von einem ägyptischen Gericht das Sorgerecht für ihre beiden Töchter zugesprochen. (Archivbild)

Karin Trachsel-Amin (rechts, hier zusammen mit ihrem Bruder Thomas Trachsel) wurde von einem ägyptischen Gericht das Sorgerecht für ihre beiden Töchter zugesprochen. (Archivbild)

Happy End: Viereinhalb Jahre nachdem die zwei Interlakner Mädchen Nuran und Sarah Amin-Trachsel von ihrem damals 39-jährigen Vater nach Ägypten entführt worden sind, konnten die beiden heute sieben und neun Jahre alten Kinder in der Nacht auf Sonntag wieder ins Berner Oberland zurückkehren.

Der Grossvater der beiden Mädchen, der in Wilderswil wohnhafte Kurt Trachsel verkündete die frohe Nachricht am frühen Sonntagmorgen via Internetportal Facebook: «Unsere Grosstöchter wurden in Ägypten nach viereinhalb Jahren befreit und konnten zu ihrer Mutter in die Schweiz zurückkehren. Wir hoffen nun, dass sie hier ungestört den Rest ihrer Jugendzeit verbringen dürfen.» Und: «Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Menschen die uns in den letzten Jahren logistisch, moralisch und finanziell bei unseren Bemühungen die Kinder zurückzuführen unterstützt haben.»

Auch am Telefon wirkten die Grosseltern Kurt und Christine Trachsel am Sonntag immens erleichtert über den Ausgang des Falles. Details über die Rückkehr der Mädchen konnten indes keine in Erfahrung gebracht werden.

Noch vor vier Monaten war die Ungewissheit gross; damals postete Kurt Trachsel im Facebook die folgende Nachricht an seine in Ägypten festgehaltenen Enkelkinder: «Ihr seid irgendwo fernab von uns allen, wir dürfen keinen Kontakt mit euch haben.»

«Er (Vater und Ex-Mann) gibt uns nicht die Möglichkeit, mit euch Kontakt auf zu nehmen.» Man habe erfolglos alles unternommen, die Mädchen zu finden und sie in die Schweiz zurück zu holen. «Wir werden aber nicht aufgeben und kämpfen weiter um euch.»

In Ägypten gefangen

Die Mutter der beiden Mädchen, Karin Amin-Trachsel (35) hielt sich im Jahr 2016 während acht Monaten in Ägypten auf – zwei Jahre nachdem der Kindsvater Amin Hussein seine Kinder aus der Schweiz in seine Heimat entführt hatte.

Dort war es ihr gelungen, sich das Sorgerecht für ihre Kinder zu erkämpfen. Diese Bemühungen hatten sie Hunderttausende von Franken gekostet und ihr Morddrohungen gegen sie und ihre Kinder eingebracht. Mit den Kindern ausreisen durfte die Mutter nach ägyptischem Recht nicht.

Einmal gelang es ihr, mit den Töchtern auf die Schweizer Botschaft zu fliehen. «Ich dachte, ich hätte es geschafft. Doch die Schweizer Behörden sagten, sie dürften mich ohne Dokumente der Kinder nicht ausreisen lassen, und auch eine Namensänderung von Amin auf Trachsel und neue Reisepässe kamen nicht infrage», sagte Karin Amin-Trachsel nach ihrer Rückkehr vor zweieinhalb Jahren gegenüber dieser Zeitung. Später seien sie und ihre jüngere Tochter Nuran vom Vater und von dessen Schergen vor einem Schulbus überfallen und zusammengeschlagen und die Tochter erneut entführt worden.

Behörden waren machtlos

Trotz Verurteilung durch ein ägyptisches Gericht befand sich der Ex-Mann immer auf freiem Fuss, den Aufenthaltsort seiner Töchter hielt er stets geheim. Weil Ägypten weder Vertragsstaat des Haager Kindesentführungsübereinkommens noch des Haager Kinderschutzübereinkommens ist, waren der Kinder- und Elternschutzbehörde (Kesb) des Bundes weitgehend die Hände gebunden.

Auch Vorstösse des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bei den ägyptischen Behörden fruchteten nicht – das EDA hatte die Souveränität und die Rechtsordnung des anderen Staates zu beachten. Man könne keine polizeilichen Aufgaben wahrnehmen und sich auch nicht in Gerichtsverfahren einmischen, hiess es damals seitens des EDA.

EDA bestätigt Rückkehr

Die Umstände, welche nun zur Rückkehr von Nuran und Sarah geführt haben, sind bis dato ebenso unbekannt wie der gesundheitliche Zustand der beiden Mädchen. EDA-Sprecher George Farago bestätigt auf Anfrage, «dass wir eine Schweizer Bürgerin, deren Kinder nach Ägypten entführt wurden, im Rahmen des konsularischen Schutzes während mehreren Jahren unterstützt haben.»

Das Sorgerecht sei ihr durch ein ägyptisches Gericht zugeteilt worden. «Darauf hin konnte die Rückkehr in die Schweiz erfolgen. Weitere Angaben können aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes nicht gemacht werden», so Farago.

Berner Oberländer

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