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Erich Reber: In Basel dem Oberland treu geblieben

In Münchenstein fand vergangene Woche die Abdankungsfeier für Erich Reber statt. Der auf dem Bödeli Aufgewachsene machte im Druckerei- und Zeitungswesen in Basel Karriere und war ab 1973 Besitzer der Firma Schlaefli in Interlaken.

Erich Reber wurde am 30. Oktober 1919 als zweiter Sohn von Max Reber-Aebi in Matten geboren. Nach der obligatorischen Schulzeit wechselte er an das Gymnasium Kirchenfeld in Bern, wo er in die Realschule, ausgerichtet auf technisch-mathematische Berufe, eintrat, die er 1978 mit der Matura abschloss.

Kurz zuvor eröffnete sich ihm die Möglichkeit, die Nachfolge in der Buchdruckerei Schlaefli anzutreten, wo Vater Max Reber im Verwaltungsrat sass. So entschloss sich Erich Reber, auf ein Studium zu verzichten und sich auf den Beruf des Buchdruckers, Schriftsetzers und Verlegers vorzubereiten.

Mit Leib und Seele Offizier

Vater Reber, Besitzer einer Fuhrhalterei, die dann dem Fortschritt entsprechend auf Lastwagen und Busse umstellte und später zur Auto AG Interlaken ­wurde, war Kavallerie-Regimentskommandant. In einem Rückblick auf sein Leben schrieb Erich Reber: «Der Tradition und dem Wunsch meines Vaters folgend, wurde ich Kavallerieoffizier. Ich war mit Leib und Seele Offizier und glaubte unentwegt an den Sieg der Alliierten.»

Vater Reber aber entschied, Sohn Erich müsse sich nach der Setzerlehre in Interlaken fachlich weiter ausbilden, und erreichte, dass dieser militärisch beurlaubt wurde und ab Sommer 1941 in München die Höhere Fachschule für Buchdruckerei besuchen konnte. Seine militärische Karriere beendete Erich Reber als Kommandant der Armeestabsgruppe 524 (der legendären Presseabteilung).

In die Schweiz zurückgekehrt, führte der berufliche Weg von Erich Reber nicht nach Interlaken, sondern über Genf und Frauenfeld nach Basel, wo er 1946 als junger Betriebsleiter der National-Zeitungs AG eingestellt wurde. Bereits ein Jahr später wurde er zum Direktor des technischen Betriebes befördert.

Als Delegierter des Verwaltungsrates spielte er dann 1977 bei der Fusion der «National-Zeitung» mit den «Basler Nachrichten» eine entscheidende Rolle. Als er 1986 aus der Geschäftsleitung zurücktrat, wurden sein kooperativer Führungsstil und sein offenes Ohr für die Anliegen der Mitarbeitenden gelobt.

Ein Oberländer geblieben

Erich Reber liess seine Verbindungen zu Interlaken und zum Berner Oberland nie abreissen. Bereits 1958 baute er in Grindelwald das Chalet Ramel», das zum zweiten Wohnsitz wurde. Als nach dem Tode von Emmy Heiniger-von Au 1973 die Druckerei Schlaefli käuflich wurde, griff er zusammen mit seinem Bruder Hermann und ihrer Stiefmutter Trudi Reber-Bollmann zu und kaufte das Unternehmen.

Erich Reber hielt die Aktenmehrheit und führte die AG als VR-Präsident. «Uns interessierte von allem Anfang das ‹Oberländische Volksblatt› am meisten», verriet Hermann Reber anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums der Zeitung 1987. Sorgfältig wurde die tech­nische Erneuerung von Setzerei und Druckerei vorangetrieben. Die OV-Redaktion wurde vergrössert und erhielt neue Arbeitsräume. 1975 erfolgte eine Zusammenarbeit mit dem «Echo von Grindelwald», das als Kopfblatt des OV erschien und die Abonnentenzahl auf über 10'000 ansteigen liess.

Im Bestreben, für die Zukunft des alteingesessenen Interlakner Betriebs eine Oberländer Lösung zu finden, prüften die Familien Reber zu Beginn der 90er-Jahre verschiedene Möglichkeiten. Schliesslich verkauften sie 1991 die Aktien an die G. Maurer AG in Spiez. Erich Reber blieb bis Ende 2000 VR-Präsident der Schlaefli AG. Seit Januar 2001 gibt die ­Berner Oberland AG (BOM) das «Thuner Tagblatt» und den «Berner Oberländer» (mit dem «Oberländischen Volksblatt» im Untertitel) heraus.

Zinnfiguren als Hobby

Ein grosses Hobby von Erich ­Reber war seine imponierende Sammlung von Zinnfiguren. Während rund 15 Jahren waren über 11 000 von ihnen in Wechselausstellungen im Schloss Interlaken zu sehen. Dazu wurde die «Stiftung zur Förderung von Tradition und Geschichte» gegründet.

Erich Reber unterstützte diese nicht nur mit dem Aus­stellungsgut, sondern auch durch jährliche finanzielle Zuwendungen. Als er 91-jährig war und keine neuen Stifter finden konnte, wurde die Stiftung aufgehoben. Rebers Zinnfigurensammlung – mit rund 100'000 Figuren wohl die grösste in Europa – marschierte ins Militärmuseum Full-Reuenthal ab.

Die Familie

Erich Reber lernte in München Else Krause kennen. Sie wurde die Mutter der Töchter Margrit und Regula. 1972 verstarb Else Reber an Krebs. 1973 feierte Erich Reber mit Marianne Schulze Hochzeit. Er lobt sie in seinen Lebenserinnerungen als «feinfühlige und anpassungsfähige Frau in allen weiteren Stationen meines Lebens».

Die beiden hatten ein Haus in Münchenstein gebaut, wo Marianne Reber ihren künstlerischen Neigungen nachging. Erich Reber verstarb am vergangenen 27. Mai im 98. Lebensjahr. Ein reiches Leben hat ein Ende gefunden.

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