Erst kommen die Hunde, dann der Sport

Beatenberg

Iris und Wolfgang Labus aus Beatenberg sind leidenschaftliche Musher. Und mit Schweizer-Meister-Titel und WM-Diplom auch überaus erfolgreich. Doch warum haben sie sich dem aufwendigen Schlittenhundesport verschrieben?

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Wolfgang Labus, Elektroingenieur aus dem Ruhrgebiet, und seine Frau Iris, Grafikdesignerin und Hundetrainerin aus Düsseldorf, leben seit 1987 in der Schweiz.

Im Urlaub auf der Lenzerheide hatten sie erstmals ein Schlittenhunderennen besucht. «Wir haben uns nicht in den Sport verliebt, sondern in den Alaskan Malamute», erinnert sich Iris. Bald kauften sie sich ihren ersten Malamute.

Beiden war klar, Einzelhaltung ist für so ein Tier nicht gut. Also folgte bald ein zweiter.Beide Hunde hätten regelmässig bewegt werden müssen, erklärt Wolfgang und erzählt, wie sie kurz darauf zwei weitere Malamuten und den ersten Grönlandhund kauften. «Das waren schon zwei Gespanne!», lacht Wolfgang.

Die Hunde sowie der Sport entwickelten sich zu ihrem Lebensinhalt. Iris: «Das ist kein Sport, das ist eine Leidenschaft.» Nach dem Tod der Malamuten kauften Labus’ für ihr zweites Rudel Grönlandhunde. Iris erklärt, warum: «Unsere Malamuten waren ein wunderbares Rudel.

Wären wir bei dieser Rasse geblieben, hätten wir die zweiten immer mit den ersten verglichen – das wollten wir nicht.» Ein Rudel mit vier Hunden sei ideal, bekräftigt Wolfgang. Mit je zwei Hunden könnten sie wandern, spazieren und neben dem Sport ganz «normale» Sachen machen, was mit zehn oder mehr Hunden nicht möglich wäre.

Futter ist nicht das Teuerste

Das Lebensumfeld für Hunde und Musher sei finanziell der grösste Posten, hält Wolfgang fest. Ab einer gewissen Anzahl Hunde brauche es ein Haus mit Umschwung. Idealerweise nicht mitten im Dorf. Schlittenhunde bellen zwar nicht, aber sie heulen, mitunter ziemlich laut.

Und es braucht entsprechende, wintertaugliche Fahrzeuge, die Platz bieten für genügend Hundeboxen und einen Wohnwagen. «Unseren Wohnwagen haben wir so umgebaut, dass die Hunde darin schlafen können», merkt Wolfgang an und unterstreicht damit, dass ihre Hunde vollwertige Familienmitglieder sind.

«Wenn die Hunde älter werden, erhöhen sich die Tierarztkosten», fügt Iris hinzu. «Das kann teuer werden.» Gegen all diese Ausgaben sei das Futter ein eher kleiner Posten. Labus’ füttern ihre Hunde zweimal am Tag. Sportfutter macht dabei etwa 60% aus, der Rest ist Fleisch und Innereien.

Überholen will gelernt sein

Iris und Wolfgang fahren mit ihren Hunden Fjell, Tarneq, Finja und Itigiaq in der Kategorie 4.2 Sprintrennen über 8 bis 12 Kilometer. Diese werden in zwei Läufen ausgetragen, an Weltmeisterschaften sind es drei.

Je nach Gelände werden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 30 km/h erreicht. Alle Läufe müssen von denselben Hunden absolviert werden, auswechseln darf man nicht. Bei Bedarf kann das Gespann um ein Tier reduziert werden. Mit ihren Grönlandhunden wurde Iris 2015 Schweizer-Meisterin im Sprint mit vier Hunden über 8 km und Wolfgang Sechster bei den Weltmeisterschaften.

Die Musher sind untereinander während der Rennen hilfsbereit. Schwierigkeiten gäbe es allenfalls beim Überholen, erklärt Wolfgang. Es gäbe klare Regeln, aber die kennen wohl nicht alle.

Denn das Schlittenziehen mit Hunden bringt man sich selber bei, Schulen dafür gibt es nicht. «Sobald der von hinten anfahrende Musher ‹Trail› ruft und etwa auf gleicher Höhe ist, sollte der vordere anhalten und je nach Grösse des Gespanns eine gewisse Zeit lang stehen bleiben, damit das schnellere Gespann überholen kann», erklärt Wolfgang. Der überholte Schlitten dürfe in den folgenden mindestens 500 Metern nicht zurücküberholen, es sei denn, beide Musher wären damit einverstanden.

Nicht mehr wie früher

Der Schlittenhundesport hat sich in den letzten 25 Jahren stark verändert. Damals habe eine «Trappermentalität» geherrscht. Man sei im Alaska-Abenteurer-Look mit Pelzmützen und Fellstiefeln angetreten. Heute hätten viele Rennanzüge an und seien körperlich durchtrainiert. Die Schlitten seien nicht mehr aus Holz, sondern aus Leichtmetall und wiegen mit 10 bis 12 Kilo nur noch knapp die Hälfte.

In Sachen Tierschutz habe sich viel getan, sagt Iris. Heute sei an jedem Rennen ein Tierarzt, der die Büchlein aller Hunde kontrolliere und durch Stichproben die Gesundheit der Tiere prüfe. Auch die Platzverhältnisse der Hunde neben der Rennstrecke seien reglementiert worden.

Start noch ungewiss

Ob die beiden an einem der bevorstehenden Rennen im Oberland starten, ist noch nicht sicher. Das hänge von den herrschenden Verhältnissen ab. Bei tieferen Temperaturen und mehr Schnee wäre ein Start denkbar. Die Hunde seien fit, erklärt Iris. Bei zu hohen Temperaturen mache es für die Tiere nicht viel Sinn. Die Gesundheit ihrer Grönlandhunde ist wichtiger als die Titelverteidigung an der Schweizer-Meisterschaft.

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