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«Erste Hilfe» zeigt viel Menschliches

Viele Künstler halfen, das Kunsthaus Interlaken in nur zehn Jahren zu einer renommierten Institution zu machen. Werke von sieben von ihnen sind in der neuen Ausstellung zu sehen.

Anne-Marie Günter
Kurator Heinz Häsler lässt Franticek Klossners blaue Statue Zagreus auf die Spiegelsaal-Bilder von Luciano Castelli schauen. Fotos: Anne-Marie Günter
Kurator Heinz Häsler lässt Franticek Klossners blaue Statue Zagreus auf die Spiegelsaal-Bilder von Luciano Castelli schauen. Fotos: Anne-Marie Günter

Medizinische Halskrause, Pflaster auf der Nase, Spitalhemd: Die wildschöne Frau auf dem Plakat, das für die aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Interlaken wirbt, sieht ramponiert aus. Sie gehört zur Fotoserie «Einst war sie Miss Rimini» von Manon, einer der wichtigsten Performance-Künstlerinnen der Schweiz.

Manon zeigt Frauen, wie sie auch sein könnten. Seit den späten 70er-Jahren mischt sie das Frauenbild mit Selbstinszenierungen erotisch und ästhetisch auf, Veränderung und Vergänglichkeit im Blick. Zu sehen sind im Kunsthaus auch Schwarzweiss-Fotocollagen aus der Serie «Neue Jugend für Marlène» von 1993.

Das Foto von Manon wählte Kurator Heinz Häsler aus, weil es zum Titel der neuen Ausstellung, «Erste Hilfe», passt, den er der aktuellen Ausstellung gegeben hat.

Samuel Buri gehört zu den Künstlern, die dem Kunsthaus Interlaken in den vergangenen zehn Jahren zu einem ausgezeichneten Ruf in der Kunstwelt verholfen haben.
Samuel Buri gehört zu den Künstlern, die dem Kunsthaus Interlaken in den vergangenen zehn Jahren zu einem ausgezeichneten Ruf in der Kunstwelt verholfen haben.

«Einen guten Ruf»

Erste Hilfe? Zu sehen sind in den verschiedenen Räumen des Kunsthauses Werke von sieben Künstlern, die seit der Gründung vor zehn Jahren im Kunsthaus ausgestellt waren. «Sie haben uns geholfen, dass wir heute beim Publikum und in der nationalen Kunstszene einen guten Ruf haben.

Für die Vorgängerausstellung «Keineismeehr» habe ich von keiner einzigen Institution eine Absage erhalten, die ich für Bilder angefragt habe», sagte er an der Vernissage vom Samstag.

Tempelwächter aus China

Neben Manon sind es sechs Männer, die sich in Erster Hilfe für das Kunsthaus Interlaken auszeichneten. «Ich bin glücklich, dass wir eine Zusammenfassung der Kunst so zwischen 1970 bis 1990 zeigen können», sagte Häsler. Auf dem Weg durch die Ausstellung, der über die alte Amthaustreppe führt, begegnet man zuerst den Werken von Pierre Haubensak und Heiner Kielholz, abstrakte Bilder, die sich in unterschiedlichen Techniken mit Form und Farbe auseinandersetzen.

Bunt wirds im Saal im Südwesten: Der in Habkern lebende Samuel Buri zeigt Tempelwächter aus China, die alle vier Himmelsrichtungen bewachen, und der Künstler hat ihre schwarzen Umrisse reich in starke Farben getaucht. Zwei sanfte Buddhas aus der China-Sammlung des Kunsthauses bilden Ergänzung und Kontrast.

Menschen im Zentrum

Im grossen Saal wirds fast unheimlich menschlich. Ein blauer Zagreus, geschaffen von Franticek Klossner mit 3-D-Scan und CNC-Carving, blickt auf Menschen-Szenen an den Wänden. Zagreus war ein unehelicher Sohn von Zeus, wurde von den Titanen getötet, worauf Zeus sie tötete. Aus ihrem Staub und den Resten von Zagreus wurden die Menschen geschaffen.

Vollrad Kutscher und Luciano Castelli schliesslich stellen Menschen in den Mittelpunkt. Castelli hat sich selbst verfremdet und verdoppelt in einem mit Palmen ausgestatteten Spiegelsaal, männlich und weibliche Formen mischen sich. Und Kutscher legt oder setzt Männer in die Natur hinein und lässt sie mit ihr verwachsen.

Die Ausstellung «Erste Hilfe» im Kunsthaus Interlaken dauert bis zum 17. November. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 15 bis 19 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr

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