Hasliberg/Gunten

«Es war eine Herkulesaufgabe»

Hasliberg/GuntenGut erhaltene Pflegebetten für Altersheime in Bulgarien: Die Klinik Schönberg AG spendete dem Verein Solidarität Schweiz - Osteuropa 70 solcher Betten.

Mit dem Hebekran wurden die Betten über die Balkone der Klinik Schönberg in Gunten transportiert  und am Boden vom Transportteam des Vereins Solidarität in Empfang genommen.

Mit dem Hebekran wurden die Betten über die Balkone der Klinik Schönberg in Gunten transportiert und am Boden vom Transportteam des Vereins Solidarität in Empfang genommen. Bild: PD

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«Die Zustände in den Spitälern und Altersheimen in Bulgarien sind unbeschreiblich; in einem Spital an der Donau sahen wir ein Sterbezimmer mit acht Patienten in verwahrlosten Metallbetten», sagt Andreas Thöni (63), Präsident des Vereins Solidarität Schweiz - Osteuropa mit Sitz in Hasliberg.

Vereinsziel ist, auf günstigstem Weg in der Schweiz gesammeltes, gut erhaltenes ­Spitalmaterial auf direktem Weg Bedürftigen in Osteuropa zukommen zu lassen.Die Klinik Schönberg AG in Gunten, eine der grössten Rehakliniken der Schweiz, spendete dem Verein kürzlich 70 gut erhaltene, elektrisch verstellbare Pflegebetten. Das Transportteam des Vereins holte die Betten in mehreren Fahrten per Ende August und Anfang September ab.

Logistische Herausforderung

Roland Graber, Technischer Leiter der Klinik Schönberg: «Die alten Betten wurden gleichzeitig gegen neue ausgetauscht. Dabei musste der Klinikbetrieb die ganze Zeit reibungslos weiterlaufen. Es war eine Herkulesaufgabe, dies zu managen.»

Die acht Mitarbeiter des technischen Diensts der Klinik packten dabei jeweils kräftig mit an. Ein bis zu 19 Meter hoher Kran der Firma Ernst Ambühl hievte die ausrangierten, etwa 90 Kilo schweren Betten über die Balkongeländer der diversen Klinikgebäude.

«Alle Teile werden mit Spanngurten so gebunden und gesichert, dass sich niemand die Finger einklemmt und dass nichts aufklappt oder kaputt gehen kann.»Andreas Thöni, Vereinspräsident

Unten nahm sie das Transportteam des Vereins in Empfang. Graber: «Das war Hochpräzisionsarbeit, Ambühl ist ein Meister seines Fachs.»

Alles lief glatt, und auch das Wetter spielte jeweils mit. Andreas Thöni: «Die Holzbetten dürfen nicht nass werden. Bei Regenwetter hätte man die Transporte verschieben müssen.»

Gut eingespieltes Team

Am 5. September fand die letzte «Fuhre» statt. Diesmal wurden die 14 Betten über das Treppenhaus des Hauses Stockhorn entsorgt. Die Mitarbeiter des Technischen Diensts der Klinik boten erneut Hand. Auf dem Vorplatz bereitete das Transportteam des Vereins Solidarität die Betten für den Verlad in das Zwischenlager in Kien vor – eine aufwendige Arbeit.

Das gut eingespielte Team zerlegte die Betten routiniert in ihre Einzelteile. Vereinspräsident Thöni: «Alle Teile werden mit Spanngurten so gebunden und gesichert, dass sich niemand die Finger einklemmt und dass nichts aufklappt oder kaputt gehen kann.» Die Elektrokabel mit der Fernbedienung und die Plastiksäcke mit den Schrauben wurden jeweils unter die flexiblen Schmetterlingsroste gebunden.

Damit die Empfänger im Zielland wüssten, wie die Betten zu montieren seien, sende man vorab Fotos davon. Die 14 Betten wurden in zwei 3-Tonnen-Anhängern ins Bunkerlager Kien spediert und zwischengelagert.

In den beiden je etwa 480 Quadratmeter grossen Räumen, die ein Vereinsmitglied gratis zur Verfügung stellt, warten riesige Mengen an Mobiliar und Spitalmaterial auf den nächsten Verlad. Auch die Matratzen für die 70 Betten kommen aus dem Fundus. Immer mehr Schweizer Spitäler und Heime stellen dem mittlerweile weitherum bekannten Verein ausgedientes Spitalmaterial zur Verfügung.

«Wir werden immer grösser», so Rosmarie Thöni (60), die Frau des Vereinspräsidenten. Der Verein nutzt die Leerfahrten bulgarischer Transportfirmen, um die Hilfsgüter an bedürftige Institutionen in Osteuropa zu liefern. Eine bulgarische Vertrauensperson überwacht vor Ort die Verzollung und das Abladen.

Bedarf wird zuvor abgeklärt

Auf seiner jährlichen Bulgarien-Reise besucht das Ehepaar Thöni die Spitäler und Heime und klärt deren Bedarf sorgfältig ab. Rosmarie Thöni: «Jedes Heim oder Spital, das wir besichtigt haben, bekommt von uns einen Lastwagen voller Ware.»

Die Freude und Dankbarkeit bei den Empfängern sei jeweils riesengross. Nun wurde das Paar angefragt, ob der Verein auch Spitälern, Heimen und einem Gefängnis in Mazedonien Hilfsgüter zukommen lassen könnte. Im November soll erstmals ein Transport stattfinden.

Rosmarie Thöni: «Dies ist erst ein Test, denn das Vertrauen zu den beteiligten Akteuren muss zuerst aufgebaut werden.» Zudem sei geplant, armen Familien auf dem Land in Mazedonien Kleider und Kinderspielsachen zu bringen.

(Berner Oberländer)

Erstellt: 10.09.2018, 22:26 Uhr

«In Bulgarien können die entsorgten Betten gute Dienste tun»

«Wir helfen gerne», sagt Philipp Banz, Direktor der Klinik Schönberg AG in Gunten. In Ostländern wie Bulgarien müssten Patienten oder Heimbewohner oftmals in unverstellbaren Militärbetten oder gar auf Matratzen am Boden schlafen.

Man sei froh, die 70 elektrisch verstellbaren, etwa 20 Jahre alten Heimbetten dem Hilfswerk Solidarität Schweiz - Osteuropa übergeben zu können. Banz: «Teilweise waren keine Ersatzteile mehr erhältlich oder so teuer, dass wir lieber neue Betten angeschafft haben.

In Bulgarien können die entsorgten Betten jedoch noch einige Jahre lang gute Dienste tun. Der Zustand entspricht immer noch den Vorgaben der sicherheitstechnischen Kontrollen.» Auf dem Schweizer Markt bestehe kaum Interesse an Occasionsbetten.

Bei der Suche nach einem Hilfswerk als Abnehmer nahm der Technische Leiter der Klinik, Roland Graber, mit dem Verein Solidarität Schweiz - Osteuropa Kontakt auf. Banz: «Das grosse Engagement des Vereins und der Verwendungszweck der Materialien haben uns überzeugt. Wir möchten auch in Zukunft mit dem Verein zusammenarbeiten.»
mhi

Der Verein

1996 startete das Hilfsprojekt Europa als kantonales Arbeitslosenprojekt. Es wurde gebrauchtes Spital- und Feuerwehrmaterial im Oberland gesammelt und in Werkstätten in Interlaken wieder instand gestellt.

Nach mehrjähriger Tätigkeit strichen Bund und Kanton das Projekt. Um es reduziert weiterführen zu können, musste die Finanzierung neu organisiert und eine neue Trägerschaft ­gefunden werden, was Anfang 2006 mit der Gründung des ­Vereins Solidarität Berner Oberland - Osteuropa gelang.

Bis 2009 schrumpfte der Verein auf 3 Mitglieder. 2009 wechselte die Führung, und die Vereinstätigkeit wurde neu ausgerichtet. Öffentliche Gelder flossen von da an nicht mehr. Gemeinsam mit seiner Frau Rosmarie baute Präsident Andreas Thöni den Verein stetig aus. 2013 wurde dieser in Solidarität Schweiz - Osteuropa umbenannt und zählt 33 Mitglieder.

Seit 2010 sind rund 1000 elektrisch verstellbare Pflegebetten mit Matratzen und Nachttischen in Krankenhäuser und Altersheime nach Bulgarien geliefert worden. Zudem Spitalwäsche, Mobiliar für Aufenthalts- und Speisesäle, OP-Tische und -lampen, Rollstühle und Rollatoren.

Der Verein finanziert sich nur mit privaten Spenden und ist seit 2016 steuerbefreit. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich.
mhi

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