Zum Hauptinhalt springen

Film-Brücke über Stadt-Land-Graben

Mit der zweiten Ausgabe der Filmtage Erlenbach möchte das Hirsch-Ku-Team Brücken über den Stadt-Land-Graben schlagen. Die sieben Filme sollen verschiedene Facetten des urbanen wie des ländlichen Lebens beleuchten.

Claudius Jezella
Filmtage Erlenbach: Res Dubach hofft auf viele Besucher, wenn sich der Hirschensaal in ein Kino verwandelt.
Filmtage Erlenbach: Res Dubach hofft auf viele Besucher, wenn sich der Hirschensaal in ein Kino verwandelt.
Claudius Jezella

Tradition, Fortschritt, Heimat, Entfremdung, Freiheit, Enge, Stadt, Land. Gegensätze gehören in diesem Jahr zu den Filmtagen Erlenbach. Nach der Premiere zum Schwerpunkt «Flucht und Fluchtgründe» im vergangenen Jahr hat das Hirsch-Ku-Team um Res Dubach und Ruth Gafner wiederum ein Thema aufgegriffen, «das uns unter der Haut brennt», wie Dubach sagt. In sieben Filmen werden am Wochenende vom 20. bis 22. Januar verschiedene Aspekte des Stadt- und des Landlebens beleuchtet und einander gegenübergestellt.

Vom Bergdorf nach Mailand

Da ist zum Beispiel die Pflege von Traditionen, die der Schweizer Dokumentarfilm «Das Erbe der Bergler» eindrucksvoll am Beispiel der Wildheuer im hinteren Muotatal darstellt. Wie eng und beklemmend ein traditionelles Wertesystem sein kann, erlebt die Hauptfigur im Spielfilm «Vergine giurata», die aus der ihr auferlegten Einsamkeit eines albanischen Bergdorfs nach Mailand aufbricht – und dort andere Probleme findet. Den umgekehrten Weg von Buenos Aires zurück in das Dorf, in dem er aufgewachsen ist, geht Ernesto in «Un lugar en el mundo» aus Argentinien.

Die Schwierigkeiten, die die Helden dieser Filme erleben, erinnern Ruth Gafner an ihre eigene Ankunft in Erlenbach vor 40 Jahren. Es fehle oft an Toleranz, zum Teil bereits bei jungen Leuten. «Entweder ihr gehört zu uns oder nicht», so grenze man sich konsequent ab. «Die Städter habe ich häufig als toleranter empfunden, sie bringen mehr Verständnis für die andere Lebensrealität auf», sagt Ruth Gafner. «Die Gräben zwischen Stadt und Land sind vorhanden, das ist auch ein Politikum», meint Res Dubach. Und ­einige Vorurteile zementierten sich beispielsweise bei den Ergebnissen zu nationalen Abstimmungen.

«Die Gräben zwischen Stadt und Land sind vor­handen, das ist auch ein Politikum.»

Res Dubach

Mit der Auswahl der Filme möchte das Hirsch-Ku-Team zur Begegnung und zum Austausch einladen. «Genau das wollten wir schliesslich, als wir die Hirsch-Ku vor 21 Jahren gegründet haben», sagt Ruth Gafner. Dementsprechend gross ist das Einzugsgebiet des Kulturtreffs in Erlenbach. Die Leute kämen aus allen Teilen des Berner Oberlands, aus Thun und Bern. Und die Hirsch-Ku-Gründer wollten das kulturelle Angebot im Simmental erweitern um Konzerte, Lesungen und Filme, die über den traditionellen Rahmen hinausgehen.

Eine Ode an das Stadtleben

Was passiert, wenn das Leben in einem Dorf mehr und mehr erliegt und der Ort zu einem Schlafdorf verkommt, zeigt der Film «Zum Beispiel Suberg» von Simon Baumann aus dem Jahr 2015. Eine «Ode an das Stadtleben» hingegen und nicht so problemüberladen sei Jim Jarmuschs Episodenfilm «Night on Earth», so Dubach. Der türkische Film «Pandora’s Box» über das Verhältnis einer Grossmutter aus einem Dorf am Schwarzen Meer zu ihren Kindern und Enkeln aus Istanbul sowie «Millions Can Walk» über den Fussmarsch Zehntausender indischer Landloser nach Delhi komplettieren das Programm.

«Sehr aufmerksame und interessierte Leute» seien zu den Filmtagen 2016 in den Hirschen nach Erlenbach gekommen, sagt Res Dubach. Und so wünscht er sich auch in diesem Jahr wieder gute Begegnungen und Gespräche – über den Stadt-Land-Graben hinaus.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch