Zum Hauptinhalt springen

Frauen verschenken Haus und Geld

Der Entscheid fiel glasklar aus: Der Frauenverein Spiez löst sich nach 108 Jahren auf. Das stolze Vermögen – Geld und ein Haus am Spiezberg – wird der Gemeinde Spiez übertragen.

Stolzes Geschenk: Das Haus an der Asylstrasse 10, zu dem die angrenzende Parzelle (rechts vom Haus) sowie das Land bis hinauf zum Spiezbergwald gehören, geht vom Frauenverein an die Gemeinde über. Das vorbehältlich der Genehmigung durch den Grossen Gemeinderat.
Stolzes Geschenk: Das Haus an der Asylstrasse 10, zu dem die angrenzende Parzelle (rechts vom Haus) sowie das Land bis hinauf zum Spiezbergwald gehören, geht vom Frauenverein an die Gemeinde über. Das vorbehältlich der Genehmigung durch den Grossen Gemeinderat.
Jürg Spielmann

«Die Tendenz ist seit längerer Zeit rückläufig, ausserdem sind die Überalterung und der Mangel an Freiwilligen für die Vorstandsarbeit latente Probleme»: Präsidentin Susanne Jacobs nennt lediglich drei von mehreren Gründen, weshalb der Frauenverein Spiez im 108. Jahr am Ende seines Weges angelangt ist.

Die Zeit sei eine andere als vor Jahrzehnten; sie sieht in Spiez das Modell des gemeinnützigen Frauenvereins in seiner klassischen Form überholt. Das sei andernorts indes kaum anders.

Susanne Jacobs und ihr siebenköpfiger Vorstand stehen mit dieser Einschätzung nicht allein da: Am Dienstagabend beschlossen die Mitglieder die Auflösung des Vereins (siehe Infobox). Das Hab und Gut – flüssige Mittel und eine Liegenschaft an der Asylstrasse 10 – geht mit Auflagen an die Gemeinde Spiez.

Sofern diese das Geschenk annimmt, wovon auszugehen ist. «Wir möchten, dass die Mittel mit Umsicht verwaltet und nach gemeinnützigem und sozialem Prinzip ausgeschüttet werden, so wie das der Frauenverein seit Gedenken tut», erklärt die Präsidentin.

Man habe sich gegen die Willkür, gegen das «nach dem Zufallsprinzip grosszügige Verteilen der liquiden Mittel», entschieden. Der Frauenverein wäre kaum allen und jedem gerecht geworden.

Intensive Diskussionen

Das stattliche Holzhaus am Fusse des Spiezbergs war dem Frauenverein 1993 von einem Fräulein Welten vermacht worden. «Wir können den Verein nicht auflösen, wenn wir eine Immobilie ­besitzen», gibt Susanne Jacobs zu bedenken.

Darum soll die Allgemeinheit nun reich beschenkt werden. «Dieser Lösung gingen während zweier Jahre intensive Diskussionen über diverse Varianten voraus.» Mit notariellem Beistand.

Ein Beleg dafür, dass der Entscheid kein Schnellschuss ist: Im Frühjahr 2015 passte die Hauptversammlung die Statuten dahingehend an, dass einer Auflösung zwei Drittel der HV-Teilnehmerinnen zustimmen müssen. Zuvor waren es zwei Drittel der Mitglieder.

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, besagt die Redensart. So weit aus dem Fenster mochten sich die Verantwortlichen der Gemeinde nicht lehnen. Der Frauenverein lud darum zur Begehung.

«Sie waren überrascht, wie gut das Haus in Schuss ist.» Susanne Jacobs betont, dass stets das Nötigste gemacht worden sei. Auch liessen die Spiezerinnen die Liegenschaft mit zwei Wohnungen und grossem Umschwung (die ostseitig angrenzende Parzelle und das Land bis hinauf zum Spiezbergwald gehören dazu) schätzen.

Um die Hälfte geschrumpft

Einst zählte der Frauenverein stolze 780 Mitglieder, «es gehörte zum guten Ton, Mitglied zu sein», erinnert sich die Präsidentin. Tempi passati. Ende 2015 wurden in der Kartei noch 401 Namen geführt, aktuell sind es 380.

Viele Frauen beteiligen sich alters­bedingt schon länger nicht mehr aktiv am Vereinsleben. Dieses war einst reich befrachtet: Mehr als ein Jahrhundert leisteten die Spiezerinnen Grosses; sie verrichteten ungezählte Stunden gemeinnützige und ehrenamtliche Arbeit, sie betrieben die Winterbörse und die Brockenstube.

Weil die mithelfenden Hände zunehmend weniger und älter wurden, übergab der Verein die Börse ans lokale junge Kleiderbörsenteam. Die Brockenstube beim Mooskreisel kapitulierte im Sommer 2015 – die Konkurrenz der Heils­armee-Brocki in Einigen hatte sich als unheilvoll stark entpuppt.

Mit einer Auflösungsversammlung, dem Berappen letzter Rechnungen und dem Abschalten der Website wird dereinst der Akt des Lichterlöschens erreicht. So weit ist es nicht. «Wir ziehen das Programm 2017 durch.»

Mit Besuchen von Jubilaren und Heimen. «Der Vorstand tat sich schwer mit dem Entscheid, ist eine Auflösung doch endgültig», so Jacobs. Mit der Übertragung an die Gemeinde sei man überzeugt, «den Frauenverein und sein Gedankengut weiterleben zu lassen».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch