Grindelwald

V-Bahn: Härtester Gegner zieht Einsprache zurück

GrindelwaldDie Jungfraubahnen und Landbesitzer Otto Kaufmann haben sich geeinigt. Letzterer zieht die Einsprache gegen die V-Bahn zurück. Sobald das Projekt genehmigt ist, wird Geld fliessen – für gemeinnützige Organisationen.

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Nun hat auch Landbesitzer Otto Kaufmann grünes Licht für die V-Bahn gegeben. «Nach langjährigen Verhandlungen und persönlichen Gesprächen konnten die Jungfraubahnen mit der Familie Kaufmann eine Lösung finden, um das Projekt V-Bahn zu realisieren», teilten am Mittwoch Jungfraubahnen und Männlichenbahn mit.

Die gemeinsam ausgearbeitete Vereinbarung sei am Mittwoch unterzeichnet worden. «Es hat mehrere Verhandlungsrunden gebraucht, bis eine Lösung gefunden wurde, die beide Parteien akzeptieren konnten», erklärt Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen, gegenüber dieser Zeitung.

Wie schon bei der Einigung mit der Familie von Almen waren die Bahnunternehmen zu Konzessionen bereit. So ist die Anzahl Abendfahrten pro Jahr auf höchstens 36 beschränkt. Ursprünglich waren 128 vorgesehen. Für Kaufmanns sei aber auch die Zahlung eines Geldbetrags, über dessen Höhe Stillschweigen vereinbart wurde, wichtig gewesen. Dieses Geld fliesse als Spenden an von Kaufmanns definierte gemeinnützige Organisationen.

«Wir sind immer noch nicht vom Projekt überzeugt», erklärt Christine Kaufmann gegenüber dieser Zeitung. «Es wäre uns lieber, wenn es nicht realisiert würde.» Aber man habe man einen Schlussstrich ziehen wollen. «Auch unserer Gesundheit zuliebe.» Der Druck – gerade wegen der Männlichenbahn – sei gross geworden. «Und schliesslich konnten wir auch einige Zugeständnisse erreichen.»

Eine Einsprache verbleibt

Kessler bezeichnet die Einigung mit Kaufmann als Meilenstein. Er glaubt, dass die klare Zustimmung in der Region für das Projekt eine entscheidende Rolle ­gespielt habe. So heisst es in der ­Medienmitteilung, dass sich Kaufmanns dem Wunsch Grindelwalds unterziehen. Kessler hofft, dass die letzten Einsprecher – eine Gruppe von drei Geschwistern – diesem Beispiel folgen. Auch mit dieser Partei habe man zahlreiche Gespräche geführt. «Und sie haben mehr als einmal betont, dass sie mit sich reden lassen würden, wenn sich Grindelwald hinter das Projekt stelle. Ich hoffe, sie halten Wort.»

Kessler betont die Bedeutung des Projekts, das der ganzen Region zugutekommt. Schliesslich könne die Männlichenbahn, deren mehrmals verlängerte Konzession ausläuft, nicht mehr länger betrieben werden. Auf dieser Seite des Skigebietes würde also ein Grounding drohen. Aber auch die Hotellerie sei betroffen. «Ich weiss von mehreren Investitionsprojekten bei Hotels, die sistiert sind, bis die V-Bahn grünes Licht erhält.

Mit der erzielten Einigung sei man nun einen wichtigen, vielleicht entscheidenden Schritt weitergekommen. Die Verantwortlichen halten am Ziel fest, diesen Frühsommer mit den Bauarbeiten zu beginnen. Dann könnte die neue Männlichenbahn Ende 2019 in Betrieb gehen. Der Eiger-Express ein Jahr ­später.

Kosten: 470 Millionen Franken

Die V-Bahn umfasst den Ersatz der GGM, eine neue Gondelbahn – den sogenannten Eiger-Express – auf den Eigergletscher, eine Haltestation der Berner-Oberland-Bahn an der Rothen­egg, einen neuen Terminal im Grund, ein Parkhaus im Grund und die Erneuerung des Rollmaterials der Wengernalpbahn und der Jungfraubahn. Kostenpunkt: 470 Millionen Franken.

Trotz klarer Zustimmung der Gemeindeversammlungen von Grindelwald und Lauterbrunnen sorgte das Projekt weiter für Diskussionen. Aber letztes Jahr hatte erst die Familie von Almen, Besitzerin der Scheidegg Hotels AG, ihre Einsprache zurückgezogen, und anschliessend gaben die Umweltverbände ihren Beschwerdeverzicht bekannt. Es verbleibt eine Einsprache. Und auch hier zeigt sich Kessler zuversichtlich, dass nun im Gespräch eine Einigung erzielt werden könne. (Berner Oberländer)

Erstellt: 07.02.2018, 15:46 Uhr

Hängige Petition

Beim Berner Regierungsrat ist noch die Petition «Botschaft vom Eiger – ohne V-Bahn leben wir besser» hängig. «Jeder kann eine Petition einreichen und unterzeichnen»,erklärt Mirjam Tschumi, Leiterin Stabsabteilung der Staatskanzlei des Kantons Bern. Wohnort, Staatsbürgerschaft und Alter spielen dabei keine Rolle. Eine Petition werde im Regierungsrat traktandiert und sei so ein direkter Weg, der Regierung ein Anliegen zur Kenntnis zu bringen.

«Im Regierungsrat wird dann die Zuständigkeit zugewiesen und die entsprechende Direktion verfasst eine Antwort.» Eine Petition sorge also dafür, dass sich die Regierung mit einem Anliegen auseinandersetze – nicht mehr und nicht weniger.

Der Vorstoss wurde im November eingereicht, damals mit 447 Unterschriften. Der Regierungsrat hatte davon Kenntnis genommen und beauftragte die Volkswirtschaftsdirektion, in Zusammenarbeit mit der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion eine Antwort auszuarbeiten. sgg

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