«Fünf Jahre bleibe ich noch da oben»

Jungfraujoch

Mit einem währschaften Fest feierte Mönchsjoch-Hüttenwart Christian Almer am Samstag sein 10-Jahr-Jubiläum als höchstgelegener Gastwirt der Schweiz.

«Bleibe noch fünf Jahre»: Christian Almer bei minus 10 Grad im T-Shirt vor «seiner» Mönchsjochhütte. Im Hintergrund in der Abendsonne der Trugberg (3933 m).

«Bleibe noch fünf Jahre»: Christian Almer bei minus 10 Grad im T-Shirt vor «seiner» Mönchsjochhütte. Im Hintergrund in der Abendsonne der Trugberg (3933 m).

(Bild: Bruno Petroni)

Bruno Petroni

«Das Lawinendrama an der Jungfrau vor neun Jahren war sicher das prägendste Ereignis meiner Pächterkarriere da oben»: Christian Almer, wie immer stoisch ruhig, mit seinem Markenzeichen in der Mundecke – einem Zahnstocher –, überwacht die kochende Reispfanne auf der Herdplatte und fährt fort: «So gegen 40 Bergrettungen dürften es schon sein in diesen zehn Jahren, die ich auslösen musste. Leider kamen dabei rund 20 Alpinisten ums Leben.» Allein im Jahr 2014 gab Almer Alarm für acht Bergrettungen.

«E grossi Schnorre gha»

Der 56-jährige Grindelwalder erinnert sich an viele komische, leidige und heitere Momente. So konnten letzten Frühling ein paar Amerikaner von der Konkordiahütte her kommend den Weg nicht mehr finden und riefen mich um Hilfe. Ich holte sie mit dem Pistenfahrzeug ab.

Kaum sassen sie bei mir im Trockenen und an der Wärme in der Gaststube, hielten sie vor allen anderen Gästen eine grosse Schnorre, wie sie doch auch ohne mich ohne weiteres aus dieser Situation hätten herausfinden können.» Ein bescheidenes «Danke» sei das Einzige gewesen, was sie ihm gegenüber als Gegenleistung bereit gewesen waren, abzugeben.

Nächtliche Musik mit Tanz

Traditionsgemäss lud Christian Almer am Samstagabend Bergführer, Vertreter der Jungfraubahnen, Air-Glaciers und anderer Institutionen zur «Austrinket» in die Mönchsjochhütte ein. Und der Hüttenwart liess sich nicht lumpen: 15 Kilo Fleisch verarbeitete Almer für die 45 Gäste zu einem leckeren Fondue Chinoise.

Der Lauterbrunner Patissier James Berger bereitete derweil fünf grosse Torten zu. Natürlich durfte auch das Schwyzerörgeliquartett Gemsberg aus Grindelwald nicht fehlen, fungiert dieses doch seit zehn Jahren als Hauskapelle von Christan Almer. Die in Höchstform befindlichen Musiker spielten denn auch zehn Stunden lang durch.

Und weit nach Mitternacht griff schliesslich auch noch Simon von Allmen, Sohn von Air-Glaciers-Platzchef Christian von Allmen, in die Schwyzerörgeliknöpfe, sodass kein Tanzbein mehr ruhig blieb. Erst kurz vor der Morgendämmerung kehrte Ruhe in der Mönchsjochhütte ein; indes nur kurz, denn schon morgens um acht ging es wieder musikalisch los.

Schwyzerörgeli zum Zmorge: Christian Almer (2. von rechts) feiert mit seinen Gästen sein 10-Jahr-Jubiläum in der Mönchsjochhütte. Bild: Bruno Petroni

«Bleibe noch fünf Jahre»

Bis zum nächsten Sonntag ist die Mönchsjochhütte noch offen, dann kehrt Christian Almer erstmals nach drei Monaten (!) wieder ins Tal zurück. «Am 10. März gehts wieder los.» Sieben Monate pro Jahr verbringt er da oben. «Und ich bleibe voraussichtlich noch die nächsten fünf Jahre, wenn es die Gesundheit zulässt.»

Das sind weitere fünf Jahre «Chrampf», wenn man sich die Besucherzahlen ansieht: Pro Jahr übernachten rund 5000 Personen da oben, und an einem schönen Tag in der Hochsaison zählt Almer schon mal 600 Tagesgäste.

Berner Oberländer

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