Gewonnen, aber trotzdem kein Grund zum Feiern

Alex Karlen, stv. Chefredaktor, zur abgelehnten Interlakner Verkehrsinitiative.

Trotz solchen grossflächigen Plakaten und anderen Werbemitteln mussten die Befürworter der Verkehrsinitiative nun eine Niederlage einstecken.<p class='credit'>(Bild: Alex Karlen)</p>

Trotz solchen grossflächigen Plakaten und anderen Werbemitteln mussten die Befürworter der Verkehrsinitiative nun eine Niederlage einstecken.

(Bild: Alex Karlen)

Nein, die siegreichen Gegner der Verkehrsinitia­tive haben keinen Grund zum Feiern. Vor allem Parlament und Behörden nicht. Klar, sie mussten nach der Abstimmung über das Des-Alpes-Areal von 2014 eine weitere Schlappe befürchten. Die konnten sie nun zwar abwenden, sogar mit – im Vergleich zu den Initianten – weitaus geringeren finanziellen Mitteln.

Aber auch das einigermassen klare Nein nimmt den Sieger in die Pflicht. Denn: Die Wohnbevölkerung erwartet weitere Massnahmen zur Entlastung vom Durchgangsverkehr. Massnahmen notabene, welche die Initiativgegner im Abstimmungskampf wiederholt versprochen hatten. Die vielen Cars, die ihren Weg durch die Wohnquartiere suchen, sind dabei nur eines von mehreren Problemen.

Nur mit weiteren Verkehrsmassnahmen kann das Vertrauen der 54 Prozent der Bevölkerung, die gegen die Initiative gestimmt haben, gerechtfertigt werden. Und nur mit weiteren Verkehrsmassnahmen kann das Vertrauen der anderen 46 Prozent wieder zurückgewonnen werden. Ohne solches gegen-seitiges Vertrauen funktioniert eine Gemeinde schlecht.

Es wäre mehr als nur fatal, wenn die Interessen der direkt betroffenen Wohnbevölkerung in Vergessenheit gerieten. Dieser grossen Minderheit kannimmerhin attestiert werden, dass auch sie sich um die Zukunft von Interlaken sorgt. Ihre Befürchtung, dass ein schon jetzt 20-jähriger Verkehrsrichtplan den kommenden Herausforderungen nicht mehr gewachsen ist, kann nur mit zusätzlichen Massnahmen zerstreut werden.

Also, jetzt ist nicht die richtige Zeit zum Feiern. Sondern es ist Zeit, weiter an der verkehrstechnischen Zukunft von Interlaken zu bauen. Gemeinsam.

Berner Oberländer

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