Hängebrücke über ein ganzes Tal?

Adelboden

In Adelboden wälzt eine Projekt­gruppe die Idee einer über 2 Kilometer langen Hängebrücke zwischen dem Sillerenbühl und dem Höchsthorn. Die Gemeinde hat Kenntnis von der Idee.

Vom Sillerenbühl (links) zum Höchsthorn soll dereinst eine 2222 Meter lange Fussbrücke hängen. Im Hintergrund links der Bildmitte ist das Dorf Adelboden zu sehen.<p class='credit'>(Bild: pd)</p>

Vom Sillerenbühl (links) zum Höchsthorn soll dereinst eine 2222 Meter lange Fussbrücke hängen. Im Hintergrund links der Bildmitte ist das Dorf Adelboden zu sehen.

(Bild: pd)

Länge: 2222 Meter. Breite: 1 Meter. Höhe über Boden: 365 Meter. Kostenpunkt: 18,5 Millionen Franken. Erwartete Besucher pro Jahr: 150 000. Mit diesen geradezu unglaublichen Zahlen konfrontierte eine neunköpfige Projektgruppe zum Bau einer Rekordhängebrücke gestern Abend die Öffentlichkeit.

Emanuel Aellig, Präsident der Projektgruppe, macht sich zudem bereits Gedanken über das Zeitfenster einer möglichen Realisierung: «Das hängt vorwiegend davon ab, wie die Umweltschutzkreise reagieren und wie lange allfällige Einspracheverfahren laufen würden.» Aellig hält aber die bauliche Umsetzung der Rekordbrücke auf das Jahr 2021 hin realistisch. «Wichtig sind für uns jetzt Abklärungen, ob es Killerkriterien gibt. Wir müssen Schritt für Schritt vorwärtsgehen.» Aellig glaubt an eine gute Verträglichkeit des Projekts mit der bereits bestehenden Infrastruktur: «Das betreffende Gebiet wird bereits heute touristisch intensiv genutzt, und es hat Bergbahnen.»

«Mehrheitlich positiv»

Die Initianten führen unter anderem folgende Argumente für den Bau einer Hängebrücke dieses Ausmasses ins Feld: Es sei eine einmalige, nur schwer kopierbare Attraktion während des ganzen Jahres und damit speziell auch eine Stärkung der Sommersaison. Zudem würde die Brücke ein «einzigartiges Erlebnis für Besucher ohne spezielle Ausrüstung, Ausbildung oder Vorkenntnisse» sein. Die umweltfreundliche Infrastruktur ohne grosse Betriebs- und Unterhaltskosten trage zudem zu einer besseren Finanzierung der bereits vorhandenen ­Infrastrukturen wie Parkplätze, Bahnen, Restaurants, Wanderwege, Rastplätze und dergleichen bei.

«Quantensprung»

Nach Meinung der Initianten würde Adelboden mit der Hängebrücke Sillerenbühl–Höchsthorn einen «touristischen Quantensprung mit positiven Auswirkungen machen». Mehr Gäste über eine längere Zeit würden «zusätzliche und attraktivere Arbeitsplätze schaffen». Dies sei eine Grundvoraussetzung dafür, dass Adelboden authentisch bleiben könne.

Die Projektgruppe macht sich aber auch Gedanken über die Länge der Brücke und den damit verbundenen aufwendigen Bau mit zahlreichen offenen Fragen rund um Sicherheit — wie zum Beispiel eine Evakuierung. Auch die hohen Baukosten und die somit anspruchsvolle Finanzierbarkeit und auch die Bewilligungstauglichkeit werden von der Projektgruppe thematisiert.

Gemeindeobmann Markus Gempeler bestätigte gestern auf telefonische Anfrage, dass das ­veröffentlichte Vorhaben durchaus ernst gemeinter Natur sei, und sagt: «Seitens des Gemeinderats ist noch kein Beschluss gefasst. Im Rahmen einer Orientierung wurden die Leistungsträger aber informiert. Die Stimmung im Dorf ist mehrheitlich positiv, wenngleich es natürlich auch negative Stimmen gibt.»

«Eine reine Provokation»

Verena Wagner, Präsidentin von Pro Natura Bern, erfuhr gestern Abend von der Adelbodner Idee. Sie äusserte sich auf Anfrage wie folgt: «Dieses Projekt ist eine reine Provokation. Ein touristisches Bauwerk in diesen Dimensionen anzudenken – geschweige denn zu planen – ist nicht nur überheblich, sondern verhöhnt die ganze lieb­liche Adelbodner Landschaft und Bergwelt.» Wagner gibt sich indes «zuversichtlich, dass diese verrückten Pläne gar nie zur Ausführung gelangen».

Berner Zeitung

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