Interlaken/Goldswil

Hanery Amman «hätte eine Riesenfreude gehabt»

Interlaken/Goldswil Acht Monate nach seinem Tod liegt nun die neue CD von Hanery Amman vor. Andreas Hunziker hat sie mit sehr viel technischem Aufwand produziert.

«Er brachte oft Trauben, Guetsli und Coca-Cola mit»: Andreas Hunziker (l.) mit Hanery Amman bei einer der vielen Sessions im Goldswiler Tonstudio.

«Er brachte oft Trauben, Guetsli und Coca-Cola mit»: Andreas Hunziker (l.) mit Hanery Amman bei einer der vielen Sessions im Goldswiler Tonstudio. Bild: Andrea Hunziker

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«Es ist nicht perfekt, holpert hie und da. Aber es ist das ehrlichste und berührendste Werk, an dem ich jemals arbeiten durfte.» So schreibt Andreas Hunziker im Booklet der CD «Instrumental» von Hanery Amman.

«Und das aufwendigste dazu», möchte man anfügen. Denn das schon seit ­Jahren angekündigte Album wurde in Hunzikers Studio seiner Funk + Ton Technik AG in Goldswil mit ebenso komplizierter wie komplexer Technik aufgenommen, wie es der Produzent noch nie gewagt hatte.

Primär ging es darum, Liveaufnahmen in Studioaufnahmen zu verwandeln, ohne Publikums­geräusche wie Applaus oder Zwischenrufe. Doch es ging auch darum, aus drei Konzertmitschnitten die besten (oft improvisierten) Passagen zu einer neuen Version zusammenzufügen.

Aber alles der Reihe nach. Begonnen hatte das Projekt schon früher, sehr viel früher, sogar noch vor der Veröffentlichung von Hanerys CD «Solitaire» im Jahr 2000.

Immer in engem Kontakt

«Ich war grad mal 16-jährig, als ich Hanery näher kennen lernen durfte», erinnert sich der in­zwischen 39-jährige Andreas Hunziker. Damals war er Keyboarder der Formation VIP, aus der später Plüsch hervorgingen. «Ich hörte und schaute Hanery nächtelang bei seinen Aufnahmen zu ‹Solitaire› zu.» Schon damals habe man oft über ein Folgeprojekt diskutiert, eine CD mit ausschliesslich Instrumentalstücken drauf.

«Es ist das ehrlichste und ­berührendste Werk, an dem ich jemals arbeiten durfte.»Andreas Hunziker

Dann vergingen weitere Jahre. Jahre aber, in denen der junge Andreas sein Vorbild und Freund nie aus den Augen verlor. «Wir hatten viel Kontakt, und ich war zum Beispiel auch als Alpinisto-Roadie mit Hanery und Polo unterwegs.» 2017 endlich wurde aus der Idee ein ganz konkreter Plan.

Dreimonatige Studioarbeit

«2016 hatten wir drei Konzerte aufgenommen, in der Mühle Hunziken, im Rossstall Köniz und am 125-Jahr-Fest in Interlaken», erklärt Hunziker. «Diese Aufnahmen waren anfangs aber keineswegs für eine Veröffentlichung gedacht, sondern nur so als Demomaterial für neue Aufnahmen, sogar mit Streichorchester.»

Doch als sich Hanerys Gesundheitszustand immer mehr verschlechterte – er kam im September von einem einwöchigen Spitalaufenthalt zurück –, entschloss man sich für eine Plan­änderung: ein Album mit dem Besten der drei Konzerte.

Die technische Umsetzung dauerte rund drei Monate lang. Fast jeden Abend, oft bis tief in die Nacht, tüftelte Tonmeister Hunziker an den Aufnahmen, immer aufmerksam begleitet von Hanery.

«Er hat oft Trauben und Guetsli und Coca-Cola mitgebracht», erinnert sich Hunziker, dessen Frau Andrea für warme Verpflegung sorgte. «Angesichts von Hanerys Zustand wussten wir leider nur allzu gut, dass wir unter Zeitdruck standen und lösungsorientiert zusammenarbeiten mussten.»

Leicht und zuversichtlich

Nun liegt das Resultat vor. «Hanery hätte eine Riesenfreude ­gehabt», ist Andreas Hunziker überzeugt. Tatsächlich: Als wäre der Künstler nie krank gewesen, besticht «Instrumental» durch kompositorische Leichtigkeit und melodiöse Zuversicht, die geradezu tröstlich und versöhnlich stimmen. Und das auf 16 Stücken mit einer gesamten Spiellänge von rund 76 Minuten.

Ebenfalls ungewöhnlich lang ist der erwähnte, sehr emotionale Booklet-Text von Andreas Hunziker. Hier findet sich auch folgender Eintrag von Hanerys Familie, der wunderbar zum ganzen Projekt passt: «D’Musig vo Dir, liebe Hanery, wird üs i üsne Härz für immer und ewig erfreue, mier danke Dir derfür bis höch i Himmel zu de Stärne.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 28.08.2018, 06:15 Uhr

Andreas Hunziker am Studioflügel, an dem auch Hanery Amman immer wieder gerne spielte. (Bild: Bruno Petroni)

Das Tribut-Konzert

Für das Tribut-Konzert «Im Adänke a Hanery» vom Sonntag, 9. September, auf dem Bundesplatz Bern hat Andreas Hunziker die musikalische Leitung übernommen. «Alle Musiker, die ich angefragt habe, sagten zu – obwohl ja keine Gage ausbezahlt wird», freut er sich. Und auch von mehreren bekannten Sänge­rinnen und Sängern liegt die Zusage vor.

So ist denn ein mehr als nur ansehnliches Line-up zustande gekommen. Mit Hanerys Band werden auftreten: Halunke-Frontmann Christian Häni, Sandee, die als Backgroundsängerin zwei Jahre mit Hanery unterwegs war, Adrian Stern, der mit Hanery für die SRF-Sendung «Songmates» den Song «Du und I gäge Räscht vo de Wält» komponierte, der Schweizer Blueskönig Philipp Fankhauser sowie Roli Frei und George. Moderiert wird der Anlass von Katharina Michel, Radio BeO.

Ein emotionaler Höhepunkte dürfte dabei auch die Plattentaufe von Hanerys ­neuer CD «Instrumental» sein, an der auch seine Familie teilnimmt. Übrigens: Vor einem Jahr hatte Hanery Amman am Race for Life sein allerletztes Konzert gegeben.

Das Tribut-Konzert beginnt um 18.30 Uhr. Bereits am Nachmittag treten weitere Künstler auf: um 14 Uhr Marc Amacher, um 15.30 Uhr Carrousel und um 17 Uhr George.

Der Eintritt ist kostenlos, umso willkommener sind Spenden ­zugunsten Krebsbetroffener und zur Förderung der pharmaunabhängigen Krebsforschung. aka

CD-Verlosung

Wir verschenken fünfmal ein Exemplar von Hanery Ammans neuer CD «Instrumental» an Abonnentinnen und Abonnenten. Interessierte schreiben bis heute um 24 Uhr eine E-Mail an folgende Adresse (bitte vollständigen Namen, Wohnadresse und Stichwort «CD» angeben): verlosungen@bom.ch
Die Gewinnerinnen und Gewinner werden ausgelost.

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