Heilung durfte nicht versprochen werden

Der Oberländer, der Geräte zur Schmerztherapie anbot, ist wegen Widerhandlung gegen das Heilmittel­gesetz verurteilt worden. Auf Werbevideos war von Krankheitsheilungen die Rede.

Transkutane elektrische Nervenstimulation ist durchaus eine anerkannte Therapiemethode. Der Verurteilte hat sein eigens erfundenes Gerät allerdings falsch beworben. Symbolbild: Fotolia

Transkutane elektrische Nervenstimulation ist durchaus eine anerkannte Therapiemethode. Der Verurteilte hat sein eigens erfundenes Gerät allerdings falsch beworben. Symbolbild: Fotolia

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Zum Gerichtstermin hatte eine Reihe von Personen den Angeklagten begleitet, die ihn unterstützten. Der Elektroingenieur hat röhrenförmige Geräte für eine «transkutane elektrische Nervenstimulation» erfunden und angeboten. Diese waren als Medizinprodukte gegen Schmerzen zertifiziert. Jetzt hat das Strafgericht Berner Oberland mit einem schriftlichen Urteil den Mann der Widerhandlungen gegen das Heilmittelgesetz (Art. 87 Abs. 1 lit. f sowie Art. 45 Abs. 1) für schuldig erklärt.

Die Geräte an und für sich waren nicht Gegenstand des Strafverfahrens. Es ging darum, dass sie als Heilmittel angeboten wurden, ganz konkret auch für schwere Krankheiten, was auf Werbevideos klar zu hören war. Dort war von Studien im Ausland mit Heilerfolgen die Rede und von erstaunlichen Heilungserfahrungen von Dritten.

Ins Rollen gebracht hatte den Fall jemand, der beim Gerätehersteller in einer Gesundheitsberatung war. Er hinterfragte die erhaltenen Versprechungen. Ein deutscher Journalist recherchierte und stellte beim Schweizerischen Heilmittelinstitut entsprechende Fragen. Dieses erhob daraufhin eine Strafanzeige.

Keine bösen Absichten

Das Gericht attestierte dem Täter im Urteil, dass er mit seinem Vorgehen keine bösen Absichten verfolgt hat: «Er wollte den Leuten helfen, ihre Krankheiten zu überwinden, seine Beweggründe waren demnach diesbezüglich positiver Natur.» Das Verhalten des Beschuldigten habe die Gesundheit nicht effektiv gefährdet. Allerdings hält das Gericht es für denkbar, dass jemand wegen der Hoffnung auf Heilung durch die Geräte auf konventionelle medizinische Therapien verzichten könnte.

Für leicht erschwerend hielt es bei der Urteilsbegründung in der Täterkomponente die mangelnde Einsicht des Angeklagten. «Der Beschuldigte fühlt sich ungerecht behandelt und meint, die Swissmedic habe mit ihm den Falschen ins Visier genommen, und wittert politische Gründe dafür», steht im Urteil.

Sanktioniert wurde das Vergehen mit einer Übertretungsbusse von 1000 Franken, bei schuldhaftem Nichtbezahlen ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 34 Tagen angesetzt. (Berner Oberländer)

Erstellt: 21.04.2017, 14:37 Uhr

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