Hochklassiger Schlagzeuger

Zweisimmen

Ein Feuerwerk von Schlagzeugkunst: Julian Sartorius beeindruckte am zweiten Konzert in der Jazzreihe «Einfach solo!».

Julian Sartorius begeisterte mit seinen hochkonzentriert dargebotenen Improvisationen.

(Bild: Markus Bachmann/zvg)

Ein abendfüllendes Konzert mit Schlagzeug solo – geht das? Das werden sich einige der zahlreichen Gäste in der katholischen Kirche von Zweisimmen am vergangenen Samstag gefragt haben. Und wie das geht! An diesem Abend war ein junger Schlagzeuger und Perkussionist aus Thun am Werk, der mit seinem Konzert für Begeisterung sorgte.

Auf der Bühne stand ein ganz konventionelles Schlagzeug mit Pauke, Trommel, Snaredrum, Becken und Hi-Hat. Um das Schlagzeug herum lag ein grosses Arsenal an Stöcken, Besen und allerlei Utensilien, die Julian Sartorius während des Konzertes mit einbezog, auf das Schlagzeug legte und bespielte – Hölzer mit Xylofonblättchen, Klangschalen, Metallplatten und scheppernde Bleche, kleine Vibratoren und vieles mehr.

Je länger, je schneller

Die rechte Hosentasche vollgestopft mit verschiedenen Stöcken, begann Sartorius ganz leise mit feinen, dünnen Stöcken sein präpariertes Schlagzeug zu bespielen, auf den Metallplatten, Blechen und Trommelrand. Selbst die kleinen Vibratoren liess er auf den Blechplatten tanzen oder damit die Becken erklingen – ein verhaltener, suchender, fast schon meditativer Einstieg ins Konzert.

Je länger das Konzert dauerte, desto mehr steigerte der Künstler das Tempo, seine Schläge wurden impulsiver und der Klang lauter. Nach und nach wurde seine Reise durch die verschiedenen Klangvariationen, weitab des herkömmlichen, bekannten Schlagzeugsounds, auch rhythmischer und durchkomponierter.

Immer mehr Material bezog Sartorius in sein Spiel ein, schmiss bespielte Hölzer zu Boden, legte neue Metallteile auf sein Schlagzeug und wechselte fliegend zwischen Stöcken, Schlägel und Besen. Gegen Ende des Konzertes legte Sartorius noch einmal an Tempo zu und spielte sich und die Konzertbesucher mit einem Technobeat fast in Trance.

Das Publikum applaudierte begeistert und wurde dafür vom Künstler mit einer an die Glocken- und Treichelklänge einer Alpabfahrt erinnernden Improvisation als Zugabe belohnt.

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