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Hunde, Schlitten und viel Leidenschaft

Der Winter ist für Sonja Gysin die Jahreszeit der Freiheit. Sie ist eine Musherin, eine Schlittenhunde-Führerin. Mit ihren Hunden Brillante und Anouk startet sie bei Schlittenrennen.

Christina Burghagen
Die Schlittenhunde-Führerin setzt bei den Rennen all ihr Vertrauen in ihre beiden Kraftpakete Brill (l.) und Anouk. Foto: Christina Burghagen
Die Schlittenhunde-Führerin setzt bei den Rennen all ihr Vertrauen in ihre beiden Kraftpakete Brill (l.) und Anouk. Foto: Christina Burghagen

«Ich habe erst die Hunde, dann den Sport – nicht umgekehrt», sagt Sonja Gysin mit Nachdruck. Damit spielt sie darauf an, dass es in der Hundeschlitten-Szene durchaus Teilnehmende gibt, die mit starrem Blick auf den Sieg auch mal Hunde aussortieren, wenn sie zu wenig Leistung bringen. Das kommt für die Hundefreundin nicht infrage, denn ihre Tiere gehören zur Familie.

Sonja Gysin wurde 1974 in Bern geboren, doch vor ein paar Jahren zog es sie ins Simmental nach Latterbach, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann Yves wohnt.

Hunde als Teil der Familie

«Als ich ein Teenager war, kaufte sich meine Mutter einen Husky, der quasi meine Liebe zu dieser Art Hund entfachte», erinnert sich die 46-Jährige. Mitte der 90er-Jahre schaffte sie sich dann selbst solch einen Alaskan Husky namens Aischa an, der zusammen mit einem Berner Sennenhund-Mischling zum besten Freund wurde. Nach einem langen Hundeleben der beiden musste sich Sonja Gysin von ihnen verabschieden.

Doch 2012 nahm sie dann die Alaskan-Husky-Hündin Anouk auf, die den Grundstein legte für die Faszination für Schlitten- und Wagenrennen im Berner Oberland. Ein Jahr später kam Queen hinzu. «Man braucht ja mindestens zwei Hunde, um zu starten», klärt die Hundefreundin auf. Queen war schon ein echter Hundeschlittenprofi, der Anouk alles beibrachte.

Schlimme Diagnose

Erstmals traten die drei beim Wagenrennen in Thun an, darauf folgten unter anderem die Hundeschlittenrennen in der Lenk, in Kandersteg und in Gadmen – und das jedes Jahr. So hätte es ewig weitergehen können, wenn nicht eine Diagnose dazwischengekommen wäre, «bei der für mich die Welt untergegangen ist», beschreibt die sportliche Frau diesen Moment. Eine Operation an der Halswirbelsäule wurde notwendig, die auch gelang.

Doch nach der vermeintlichen Genesung streikte ihr rechter Fuss. Die Ärzte belächelten ihre Beschwerden, denn es konnte ja nicht sein, dass eine Erkrankung am Hals etwas mit dem Fuss zu tun haben könnte. Schliesslich kam doch ein Mediziner auf die Idee, Sonja Gysin zum Neurologen zu schicken, der nach einigen Untersuchungen Multiple Sklerose diagnostizieren musste.

«Meine MS kommt nicht in Schüben, sondern verläuft schleichend. Ausfälle regenerieren nicht», beschreibt sie ihr Leiden. Sie sei jetzt an einem Punkt, an dem es ein Kampf sei, von den Kufen herunter- und wieder aufzusteigen, um den Hunden zu helfen. «Ich bin im Stress, weil ich nicht weiss, wie es im nächsten Jahr wird.»

Brill, das weisse Kraftpaket

Sehr traurig wird Sonja Gysin, wenn sie von Queen erzählt, die letztes Jahr überraschend an einem aggressiven Krebs erkrankte und kurz darauf verstarb. An ihre Stelle tritt der jakutische Laika, eine russische Schlittenhunderasse, namens Brillante, den sie «Brill» ruft. «Er ist der einzige Weisse seiner Art in der Schweiz», schmunzelt die Hundemama voller Stolz über das temperamentvolle tierische Kraftpaket, das seit 2016 zur Familie gehört.

In diesen Tagen holt das Ehepaar Gysin einen weiteren Laika-Welpen aus der slowenischen Zucht «Amore Sandys» in Ljutomer ab. «Wir hoffen sehr, dass diese Rasse nicht zum Modehund wird», betonen beide. Denn die Haltung würde ein grosses Wissen und viel Erfahrung erfordern. Was ist, wenn die MS fortschreitet? «Ich habe schon öfter im Internet geschaut», sagt Sonja Gysin schnell. «In den USA gibt es für Menschen mit Gehbehinderung spezielle Schlitten und Wagen. So etwas würde ich mir dann anschaffen.»

Die Schlittenhunderennen an der Lenk und in Kandersteg mussten wegen schlechter Wetterbedingungen abgesagt werden. Doch in Gadmen wird für die Gadmen- Trophy am 22. und 23. Februar gestartet. Infos: www. shr-gadmen.ch

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