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Interlaken: Neue Fahrverbote und neue Carplätze

Seit Montagabend ist es offiziell: Die Verkehrskommission von Interlaken hält am Fahrverbot im Höheweg-Abschnitt Schlauch fest. Zudem empfiehlt sie ein Verbot auch in der General-Guisan-Strasse. Und sie wünscht neue Carplätze.

Das Fahrverbot für den «Schlauch» soll auch künftig bestehen bleiben, schlägt die Verkehrskommission vor.
Das Fahrverbot für den «Schlauch» soll auch künftig bestehen bleiben, schlägt die Verkehrskommission vor.
Bruno Petroni

Der Auftrag war klar: «Das heutige Verkehrskonzept zu überprüfen, insbesondere das Teilfahrverbot im ‹Schlauch›. Allenfalls notwendige flankierende Massnahmen vorzuschlagen. Innert zwei Jahren Bericht zu erstatten. Allenfalls Anträge zu stellen.» Diesen Auftrag hatte die nicht ständige Kommission Verkehrskonzept im August 2015 vom Interlakner Parlament erhalten – und am Montagabend legte sie nun an einer öffentlichen Informationsveranstaltung in der Sek-Aula ihre Resultate vor.

Das Fazit vorweg: Mit dem Schlussbericht erfüllt die Kommission nach eigener Einschätzung zumindest die Hälfte der Initiative «Keine Verkehrsverlagerung in die Wohnquartiere». Für diese im September 2014 mit rund 900 Unterschriften eingereichte Initiative gilt bis im kommenden August nach wie vor ein Moratorium. «Vor allem die Wohnquartiere im Norden und im Westen würden vom Durchgangsverkehr entlastet», sagt Kommissionspräsident David Bühler. Die andere Forderung der Initianten jedoch, die Aufhebung des Fahrverbotes im Höheweg-Abschnitt Schlauch, wird nicht unterstützt.

Entlastung des Zentrums im Sinne von «Crossbow»

Die 13-köpfige Kommission, der auch drei Vertreter des Initiativkomitees angehörten, traf sich zu rund zwei Dutzend Sitzungen und bearbeitete auch ebenso viele Eingaben aus der Bevölkerung sowie zwei externe Berichte von Beratungsfirmen. Bei der Ausarbeitung von möglichen Massnahmen (siehe Kasten) habe man sich von Beginn an auf den ­weiterhin verbindlichen Verkehrsrichtplan Bödeli von 1999 gestützt.

Das entsprechende Verkehrskonzept «Crossbow» (Armbrust) will die Achsen zwischen den beiden Bahnhöfen und zwischen Matten und Unterseen verkehrsberuhigen. «Im Zentrum soll zwar alles mit dem PW erreichbar sein, aber es soll vom Durchgangsverkehr entlastet werden», fasst Bühler zusammen. Der Verkehr müsse auf die Hauptdurchgangsstrecken (in der Grafik violett) gelenkt werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, seien vier Varianten geprüft worden. Doch nur die Variante 2 A (siehe Grafik) habe «eine deutliche Zustimmung erhalten». Auch vom Planungsbüro Infraconsult: «Mit der deutlich erweiterten ­Begegnungszone erfährt das Zentrum Interlakens eine wesentliche städtebauliche Aufwertung.» Dies setzt jedoch zum Beispiel auch voraus, dass der Verkehr von der Nachbargemeinde Unterseen her über die Bahnhofstrasse geleitet wird.

Zwei neue Terminals für täglich bis zu 250 Reisecars

Doch nicht nur für den Individualverkehr, sondern auch für die Reisecars hatte die Kommission Vorschläge auszuarbeiten. Laut Polizeiinspektor Hans Peter Bühlmann standen ihnen bisher 57 Parkplätze zur Verfügung. Neu könnten es 70 sein. An Spitzen­tagen werden bis zu 250 Cars ­gezählt, von denen durchschnittlich rund 40 auf dem Bödeli über Nacht stehen bleiben. «Wir wollen eine beliebte Busdestination bleiben», stellt die Kommission in ihrem Bericht fest. Die Zufahrten zu den Hotels bleiben gewährt, hält David Bühler fest.

Die nun vorgeschlagenen Massnahmen (siehe Kasten) unterscheiden zwischen Ein-/Aussteige- und Parkplätzen. Den neuen Busterminal/Parkplatz beim Autobahnwerkhof stellte Infraconsult allerdings infrage. Mehr Sinn mache ein grosser Carparkplatz auf dem Flugplatz, wie er auch schon bereits von den Berner Oberland-Bahnen in Betracht gezogen wird.

Aber, so ist David Bühler überzeugt: «Dieser Standort ist für Interlaken-Besucher zu abgelegen, und zusätzliche Fahrten durch Matten sind problematisch. Das hohe Gästeaufkommen und die entsprechenden Buszahlen rechtfertigen zwei grosse Busterminals in der Region.» Der zweite Terminal ist beim Autobahnwerkhof vorgesehen – allerdings in der Landwirtschaftszone im Besitze der Burgergemeinde Matten.

Und wohin mit den Fussgängern? Auch für sie greift die Kommission auf den Verkehrsrichtplan zurück. Dieser hatte schon damals ein Fussgängerleitsystem empfohlen – das aber nie umgesetzt wurde, erinnert David Bühler. Nun sei es an der Zeit, dieses Konzept wieder aus der Schublade zu holen. Das empfiehlt auch Infraconsult. Das Leitsystem müsse «Personen zu Fuss zu den wichtigen Zielen im öffentlichen Raum führen». Und es sei «so auszugestalten, dass es sprachunabhängig verstanden wird», ­etwa mit Bildern und Pikto­grammen.

Für die GGR-Sitzung vom

28. März traktandiert

Mit der gestrigen Präsentation dürfte die öffentliche Diskussion über die künftige Verkehrsführung auf dem Bödeli lanciert sein. «Dafür stehen wir den ganzen März gerne zur Verfügung», sagt David Bühler namens der Kommission. Dann, am 28. März, werden die Vorschläge definitiv aufs politische Parkett gehievt: Der Grosse Gemeinderat wird über die Anträge der Kommission zu entscheiden haben. Konkret: Das Parlament soll der Exekutive empfehlen, Variante 2 A für PW, die Reisebus-Variante und das Fussgängerleitsystem möglichst rasch aufzugleisen. Bühler kann sich eine Realisierung «bis etwa 2021 gut vorstellen».

Doch was passiert, wenn die Initianten an ihrem Vorhaben festhalten? «Dann beantragen wir, dem Volk keinen Gegenvorschlag zu unterbreiten», antwortet Kommissionspräsident Bühler. Denn alles andere würde nur «Unsicherheit und Stillstand bedeuten, eine Anpassung des Verkehrsrichtplanes würde bis zu vier Jahre dauern und viel Geld kosten».

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