Interlaken

Das zweitbeste Jahr der Jungfraubahnen

InterlakenDie Verantwortlichen der Jungfraubahnen präsentierten am Mittwoch das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte. Sorgen bereitet ihnen der Winter. Falls die V-Bahn nicht realisiert werde, sieht CEO Urs Kessler schwarz für dieses Geschäftsfeld.

Die Jungfraubahnen gehen davon aus, dass ihr wichtigstes Verkehrsprojekt, die V-Bahn, rund 20 Prozent teurer wird als erwartet. Grund für den Kostensprung auf 300 Millionen Franken sind zahlreiche Einsprachen von Anwohnern und Naturschutzverbänden. Video: sda

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«Für einmal können wir kein Rekordjahr präsentieren», erklärte Urs Kessler, CEO der Jungfraubahn Holding AG, am Mittwoch an der Bilanzmedienkonferenz in Bern. Allerdings sei nur 2015 besser ­gewesen. «In Anbetracht der schwierigen Rahmenbedingungen – gerade mit den Terroranschlägen in Westeuropa – sind wir sehr zufrieden.»

Insgesamt erzielte das Unternehmen einen Betriebsertrag von über 169 Millionen Franken. Das sind 3,7 Prozent weniger als im Vorjahr – dem Rekordjahr der Jungfraubahnen. Der Hauptanteil machte der Verkehrsertrag mit fast 126 Millionen Franken aus (–6,0 Prozent). Laut Finanzchef Christoph Seiler entspricht dies einer Zunahme von 25 Prozent innert zehn Jahren.

Erlebnisberge legen zu

Rund 75 Prozent des Verkehrs­ertrags steuert die Jungfraubahn bei. Sie ist damit weiterhin das Hauptstandbein des Unternehmens. Laut Kessler haben sich die Erlebnisberge – Firstbahn, Harderbahn und die Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren – erfreulich entwickelt. «So hat die vermeintlich kleine Harderbahn mit 167 333 Gästen einen neuen Besucherrekord aufgestellt.» Dieses Segment steuerte im vergangenen Jahr erstmals rund 10 Prozent an den Verkehrsertrag bei.

Sorgenkind Wintersport

Mehr Sorgen bereitet den Verantwortlichen der Wintersport. Dessen Anteil am Verkehrsertrag betrug 2016 nur noch 14,7 Prozent. Erstmals sei die Anzahl Skier-Visits mit 909'000 unter die Millionengrenze gefallen. Und diese Entwicklung scheint sich laut Kessler fortzusetzen.

Auch auf Nachfrage will der Jungfraubahn-CEO nicht dem Wetter die Schuld am Rückgang geben. «Wetterpech und -glück gleichen sich meist auch. Der Dezember war heuer schlecht, dafür Januar und Februar besser.» Der Rückgang im Wintersport liege nicht am Wetter, sondern an der Entwicklung. «Nur wenn es uns gelingt, uns mit der gesamten Region unter den drei besten Wintersportdestinationen zu posi­tionieren, werden wir langfristig eine Chance im rückläufigen Wintersportmarkt haben.»

Die Verantwortlichen der Jungfraubahn Holding AG sind mit dem Geschäftsjahr 2016 zufrieden, auch wenn es keinen Rekord zu feiern gab (v. l.): Verwaltungsratspräsident Thomas Bieger, Finanzchef Christoph Seiler, CEO Urs Kessler und Leiterin Kommunikation Patrizia Bickel. Bild: Samuel Günter

V-Bahn sei entscheidend

Und hier bringt Kessler die V-Bahn ist Spiel: «Ohne V-Bahn sehe ich schwarz für den Wintersport in der Jungfrauregion.» Mit dem grössten Teil der Einsprecher habe man sich inzwischen geeinigt. Kessler hofft, dass auch die restlichen Streitpunkte bald beigelegt sind. Er verweis darauf, dass die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission auch nach einer von der Gegenseite geforderten zweiten Überprüfung bei ihrem grünen Licht für das Projekt bleibt.

Weiter hofft er auf ein Einlenken der Familie von Almen, die das Hotel Bellevue des Alpes auf der Kleinen Scheidegg betreibt. «Schliesslich profitieren sie von den Gästeströmen der Jungfraubahn, und mit einer guten Zusammenarbeit wäre sicher eine massive Steigerung der Auslastung des Hotels möglich.» Auch im Falle des Landbesitzers, der sich zur Wehr setzt, hofft Kessler auf eine Lösung im Dialog. Ausserdem werde die Zeit knapp. «Sofern nicht noch im Mai eine Einigung erzielt werden kann, bleibt nur noch der Rechtsweg.» Bis klar ist, ob und wann die V-Bahn realisiert wird, stellen die Jungfraubahnen anstehende Investitionen in den Wintersport zurück.

Übernahme der Gastronomie

Ein Kernthema für die Jungfraubahnen sei die «Erweiterung der Wertschöpfungskette». So ortete das Unternehmen Wachstumspotenzial in der Gastronomie. Neu wolle man die Betriebe auf der Achse Grindelwald Grund–Kleine Scheidegg–Eigergletscher–Jungfraujoch nicht mehr verpachten, sondern selbst be­treiben. Der erste Schritt erfolgt diesen November, wenn die Bahn das Buffet Kleine Scheidegg übernimmt. Am 1. November 2019 sollen die Betriebe auf Eigergletscher und dem Jungfraujoch folgen.

Auch beim Shopping sieht Kessler «trotz Onlinehandels» grosse Möglichkeiten. Beim Rail-Info Interlaken soll ein entsprechender Testbetrieb lanciert werden.

Rücktritt und Dividende

Heuer will das Unternehmen den Aktionären eine Dividende von 2.10 Franken ausbezahlen, erklärte Verwaltungsratspräsident Thomas Bieger. Schon im Vorjahr wurde der Ansatz von 1.80 auf 2 Franken angehoben.

Er informierte auch darüber, dass auf die Generalversammlung am 22. Mai im Kursaal Interlaken Jürg Rieben nach 25 Jahren aus dem Verwaltungsrat zurücktreten wird. Als Nachfolger ist Hanspeter Rüfenacht nominiert. Er ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Berner Kantonalbank BEKB, der grössten Aktionärin der Jungfraubahnen (14,3 Prozent).

Hier gehts zum Interview mit Urs Kessler, CEO der Jungfraubahn Holding AG. (Berner Oberländer)

Erstellt: 19.04.2017, 16:13 Uhr

Update folgt...

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